Lindenfels

Winterkäster Frauenfrühstück Religionspädagogin Karin Jablonski referierte im evangelischen Gemeindezentrum

Von Sätzen, die das ganze Leben prägen

Winterkasten.Rund 20 Männer und Frauen aus dem Lindenfelser Ortsteil Winterkasten interessierten sich für einen Workshop mit Karin Jablonski. Die diplomierte Religionspädagogin und Gemeindepädagogin ist Referentin für die Arbeit mit Menschen in der zweiten Lebenshälfte beim Evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald in Groß-Umstadt.

Das Dekanat bietet den Menschen ab 50 Jahren Seminare, Veranstaltungen und Reisen an. Nach dem Frühstück verteilte die Referentin Zettel mit Fragen und dazu Bleistifte. Jablonski bat die Männer und Frauen, über „starke Worte und starke Sätze, die Ihr Leben begleiten“ nachzudenken. Viele Besucher waren erstmal verblüfft über die Frage. Sie wollten nichts aus ihrem Leben preisgeben.

Teilnehmer auf „Zeitreise“

Der Einstieg in die biografische Zeitreise ins Leben der Zuhörer gelang dann doch. Jablonski fragte die Besucher des Frauenfrühstücks: „Wo haben Sie 1989 den Mauerfall erlebt?“ Eine Dame meintet: „In Winterkasten vorm Fernseher.“ Die Leiterin erinnert sich, beim Taufgespräch gewesen zu sein und ihr eigenes Kind hielt sie die ganze Nacht wach. Der Mauerfall war also nur eine Episode in ihrem Leben. „Wären sie zu diesem Zeitpunkt in Berlin gewesen, dann würde bei diesem Stichwort, jetzt ein Film in ihrem Kopf starten. Der Mauerfall hätte sich in ihre Seele eingegraben“, mutmaßte sie.

Jeder Teilnehmer sollte sich deshalb als erstes mit dem Arbeitsblatt „Meine Zeitreise“ beschäftigen. Dabei sollten sich Teilnehmer mit ihrem Leben auseinandersetzen mit Fragen wie: „Die größten Errungenschaften in den letzten fünf Jahren sind für mich...“ Mit dieser Frage konnten die wenigsten etwas anfangen. Mehr mit „Was in den letzten zehn Jahren anders ist als früher“. Schnell kamen Antworten wie: „Früher war alles schöner auf dem Dorf; da konnte man jederzeit unangemeldet zu den Nachbarn gehen und mit ihnen reden, heute ist das schwierig“.

Oder eine Teilnehmerin bekannte: „Heute sind so viele neue Leute zugezogen, die kennt man gar mehr“. Ein Thema sei auch, dass viele Freunde und Verwandten schon gestorben seien. Das gebe den älteren Menschen das Gefühl, im Dorf allein zu sein.

Um die Erinnerung an Kindheit und Jugend der Besucher aufzufrischen, sollten sie aufschreiben, was ihnen als junger Mann oder als junge Frau besonders schwerfiel. Sofort kam die Antwort: „Früh aufstehen, wenn es abends spät geworden war“. Immer am Wochenende arbeiten, wenn die anderen frei hatten. In eine andere Welt zu kommen: „Ich habe mit 19 Jahren in einen Geschäftshaushalt eingeheiratet, das war eine Umstellung“.

Referentin Jablonski berichtete von einer Goldenen Hochzeit, bei der ihr die Frau sagte: „Jetzt habe ich zum ersten Mal meine eigene Küche und mein eigenes Badezimmer“. Für die Frau eine große Errungenschaft, denn seit ihrer Heirat musste sie die Küche mit ihrer Schwiegermutter teilen. Die habe auch über ihr Leben bestimmt. Viele Besucher dachten lange über die Frage nach: „Was würden Sie heute anders machen, wenn Sie noch mal 20 Jahre alt wären?“ Die Antworten waren vielfältig: „Einen anderen Mann heiraten, wenn ich gekonnt hätte“ oder „eine gute Ausbildung machen und auf eigenen Beinen stehen“.

Bei der letzten Frage lächelten viele: „Was war das am besten gehütete Geheimnis, das sie als Kind hatten? Haben Sie es je geteilt – und wenn ja, mit wem?“ Alle behielten ihr Geheimnis für sich.

Großeltern als wichtige Begleiter

Jablonski wollte aber noch mehr aus dem Leben der Besucher vom Frauenfrühstück in Winterkasten wissen. Nämlich, welche Personen ihren Lebensweg geprägt haben. In der Kindheit war es meist die Großmutter, die den besten Draht zum Enkel hat. Bei heutigen Kindern sei es oft auch der Großvater, er oft noch sehr rüstig sei. In der Jugend und den frühen Erwachsenenjahren sind die meisten vom Lehrer und Pfarrer geprägt worden. Zumindest in den kleinen Dörfern auf dem Land.

Zuletzt wollte Jablonski wissen, welches die starken Worte oder der starke Satz waren, die das Leben der Teilnehmer begleitet hat. In Winterkasten war der prägende Satz für viele: „Das macht man so, dass es passt“ oder „Alles wird gut“.

Karin Jablonski dankte für die Sätze und bat alle: „Wenn Sie Lust haben, dann schreiben Sie ihren starken Satz oder ihr starkes Wort auf die Postkarte und schicken Sie uns in das Dekanat Vorderer Odenwald. Wir wollen daraus ein Buch, vielleicht sogar ein Hörbuch machen.“

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