Lokalsport Bergstraße

Fußballer vor Gericht

Anklage: Hitlergruß anstatt Torjubel

Lampertheim.Hat ein Spieler der SG Hüttenfeld beim Fußball-Hallen-Cup des TV Lampertheim im vergangenen Jahr nach einem Tor den Hitlergruß gezeigt? Um diese Frage geht es vor dem Amtsgericht Lampertheim, nachdem die Staatsanwaltschaft Klage erhoben hatte. Nach der Befragung des Beschuldigten und von neun Zeugen unterbrach die Richterin am ersten Tag die Verhandlung, der Prozess wird am 4. Februar fortgesetzt.

In einer Sache waren sich die Vernommenen einig: Nach einem Tor im Spiel zwischen der SG Hüttenfeld und der Spvgg Mannheim drehte der Torschütze ab, um vor der Tribüne in der gut besuchten Jahnhalle eine Jubelgeste zu vollziehen. Um welche Geste es sich handelte – daran schieden sich die Geister. Der Beschuldigte, der eine Gegenanzeige wegen falscher Verdächtigung gestellt hat, stritt jegliche Nazi-Symbolik ab.

Er beteuerte, vor dem Turnier mit einem Freund um die Anzahl der Tore gewettet zu haben, die er erzielen würde. Nach seinem ersten Tor wandte sich der Beschuldigte laut eigener Aussage an den Freund, der auf der Tribüne saß. Mit dem Zeigefinger der einen Hand habe der Torschütze auf den Freund gedeutet. Den Zeigefinger der anderen Hand habe er sich vor die Lippen gehalten. Unter Fußballern heißt das in etwa: Ich habe getroffen, also sei leise.

Unterschiedliche Aussagen

Für einen Zeugen besteht dagegen kein Zweifel: Der Torschütze habe den rechten Arm zum Hitlergruß ausgestreckt und mit der linken Hand ein Hitler-Bärtchen in seine Richtung angedeutet. Da habe es „nichts zu verwechseln gegeben“, sagte der Zeuge, der von einer „bewussten Provokation“ sprach.

Der Fall hat eine Vorgeschichte: Der Zeuge – er ist dunkelhäutig – war zum Zeitpunkt des Vorfalls im Januar 2019 Spielertrainer der 1b-Mannschaft von Eintracht Bürstadt. Im Dezember 2018 habe er den Abbruch des Spiels der Eintracht-Reserve bei der SG Hüttenfeld veranlasst (wir haben berichtet). Nach rassistischen Äußerungen von Hüttenfelder Zuschauern gegen einen farbigen Eintracht-Spieler habe der gebürtige Somalier seine Elf vom Platz beordert. Der Fall wurde vor dem Kreissportgericht verhandelt. cpa/sm

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