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Eintracht Frankfurt Rund um die Commerzbank-Arena blieb es ruhig / Public Viewing unter Auflagen in Kneipen

Böse Geister bleiben dem Stadion fern

Archivartikel

Frankfurt.Eigentlich wäre schönstes Stadionwetter gewesen an diesem Samstagnachmittag in Frankfurt. Doch auf den Parkplätzen rund um die Commerzbank-Arena ziehen nur ein paar radelnde Kinder ihre Kurven. Ansonsten: die große Leere. Keine Schlangen vor Bierständen, kein Anschwellen von Fangesängen, keine vor Vorfreude und Spannung vibrierende Menschenmenge. Wo sonst im Minutentakt Fußballfans aus proppenvollen Straßen- und S-Bahnen strömen, bewegt sich gerade mal ein laues Lüftchen.

Viel war gerätselt worden, ob die Fußballfans dem Geisterspiel und den Corona-Abstandsregeln trotzen und trotzdem zum Stadion kommen würden. Das Bild am Samstag ist eindeutig. Nur ein paar wortkarge Ordner halten die Stellung vor den geschlossenen Kassenhäuschen. Der Spielerbus aus Mönchengladbach samt Begleitfahrzeugen darf rein. Alle anderen müssen draußen bleiben. Doch es lässt sich auch kurz vor Spielanpfiff kaum jemand sehen.

Die Frankfurterin Elke, die ihren Nachnamen nicht nennen will, ist mit einer Freundin eine der wenigen Ausnahmen – mit Eintracht-Hut, Schal und Rucksack. „Seit 30 Jahren komme ich zu jedem Heimspiel“, sagt sie. „Da will ich jetzt wenigstens kurz Flagge zeigen.“ Auf die Vereinsführung ist sie nicht gut zu sprechen: „Ich finde es nicht gut, wie die Eintracht mit den Fans umgeht. Geld habe ich bisher nicht gesehen“, klagt die Dauerkartenbesitzerin.

Der Frust ist nicht nur dem Finanziellen geschuldet: Elke will endlich wieder Fußball sehen. Dort, wo sie ihre Mannschaft feiern und anfeuern kann. Eine Sportkneipe oder das heimische Sofa sind für die resolute Frau mit dem hessischen Zungenschlag keine Alternative: „Ich schau mir kein Geisterspiel im Fernsehen an!“

In der Innenstadt hängen trotzdem im Außenbereich einiger Kneipen Fernsehschirme, die das Spiel übertragen. Auch im Hauptbahnhof haben sich ein paar Fans in einer Sportkneipe zusammengefunden – unter Beibehaltung der Abstandsregeln und mit Nase-Mund-Maske. Ein paar Passanten bleiben ebenfalls stehen, um das Match zu verfolgen.

Doch echte Stimmung will nicht aufkommen. Public Viewing lebt schließlich auch von Nähe. Coronabedingte Distanz sorgt nicht für die gleiche Atmosphäre. Vielleicht sind die meisten Fans ganz einfach zu Hause geblieben. Vor den Frankfurter Kneipen ist an diesem Fußballabend jedenfalls deutlich weniger los als am Mainufer oder wenige Stunden zuvor in der Innenstadt. Dort zumindest erinnerte das Treiben mitunter fast schon wieder an die Zeit „vor Corona“.

Zu dem Geisterspiel sind bei der Polizei keine Verstöße bekannt. Und auch bei der Partie in der 2. Bundesliga am Sonntag zwischen dem SV Wehen Wiesbaden und dem VfB Stuttgart scheinen sich die Fans an die Regeln zu halten. Nach Anpfiff des Spiels sagte ein Polizeisprecher: „Es gibt keine Fußballanhänger am Stadion und im Stadtgebiet.“ dpa

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