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Sportlerwahl Umzug ins Allgäu begünstigte die Ski-Karriere / Stolz auf Titel „Junior-Sportler des Jahres“

Christian Stoiber rast akrobatisch die Piste hinunter

Archivartikel

Bensheim.Dass Jugendliche in Bayern beim Skifahren landen, Meisterschaften gewinnen und in ihrer Heimatstadt zum Sportler des Jahres gewählt werden, ist nichts Besonderes. Wohl aber im flachländischen und immer schneeärmeren Bensheim. Christian Stoiber hat es geschafft – wozu indes der zwischenzeitliche Umzug seiner Familie nach Fischen im Allgäu einen großen Teil beigetragen hat.

Christian Stoibers sportlicher Werdegang begann im Kinderturnen bei der SSG Bensheim. „Man könnte sagen, hier wurden die Grundsteine für die spätere Akrobatik in der Buckelpiste gelegt“, sagt der 23-Jährige rückblickend. Erste Ski-Erfahrungen sammelte er im Jahr 2000 im Urlaub im Bayerischen Wald sowie bei weiteren wintersportlichen Aufenthalten in Bayern und Österreich. Er erinnert sich noch, „wie ein Skilehrer in Gerlos mich 2004, ein paar Wochen vor meinem siebten Geburtstag, bei den Großen starten ließ. Ich wurde tatsächlich Dritter. Der Skilehrer lobte mich mit den Worten: Der Junge hat Talent, man müsste ihn nur richtig fördern.“

Ein Jahr später sollte diese Förderung eintreten – mit dem Umzug ins Allgäu. Zunächst schnupperte er beim SC Oberstdorf ins Skispringen hinein und war in der gleichen Trainingsgruppe wie die spätere Weltklasse-Springerin Katharina Althaus. „Ich legte so weitere akrobatische Grundsteine für meine spätere Buckelkarriere.“ Ab 2006 vertiefte er beim Skiclub Sonthofen seine alpinen Fähigkeiten, denn „Alpin wollte ich weiter fahren“. Der Durchbruch erfolgte zwei Jahre später bei einem Sichtungstraining für die Sportart Freestyle Buckelpiste. „Das hat unglaublich viel Spaß gemacht. Ich muss mich wohl auch gut angestellt haben, denn ich sollte wieder kommen.“

Bei den Trainern der Familie Sprenzel genoss der Wahl-Allgäuer „eine hervorragende Technik Ausbildung, für die ich bis heute sehr dankbar bin, weil die Technik in der Buckelpiste 60 Prozent der Gesamtnote ausmacht“. Die restlichen 40 Prozent verteilen sich auf die Fahrzeit sowie die Sprungwertung. 2009 durfte Stoiber – nun wieder beim SC Oberstdorf – zum ersten Mal beim Deutschland-Pokal starten, der höchsten deutschen Rennserie. Zwei Jahre später gab es die ersten Erfolge, er kam bei der Deutschen Meisterschaft auf Platz 22 und wurde Dritter bei der Bayerischen Meisterschaft.

Erfolge im Europacup

Die familiäre Rückkehr 2012 nach Bensheim tat der Skikarriere keinen Abbruch. Sein Vater wurde zum „Hauptsponsor und persönlichen Chauffeur“. Nach vielen tausend Kilometern und vielen nationalen Wettkämpfen kam 2015 der wortwörtliche Sprung auf die europäische Bühne. Bei seinem ersten Europacup in Krispl in Österreich belegte Stoiber den 41. Platz, nach weiteren Europacups in den Alpen qualifizierte er sich durch den zweiten Platz im Deutschland-Pokal für den Europacup in Schweden, wo er bester deutscher Jugendlicher in der Europacup-Gesamtwertung wurde. Ein weiterer Höhepunkt waren zwei dritte Plätze in der Jugendwertung bei der deutschen Meisterschaft.

Eine Enttäuschung gab es 2016, als er nicht für die Jugend-Weltmeisterschaft nominiert wurde, obwohl er mit einem 15. Platz im Europacup die halbe Norm erfüllt hatte, in nahezu jedem Deutschland-Pokal auf dem Podest stand und Deutschland-Pokal-Gesamtsieger wurde. Mehr als nur ein Trost war die Wahl zum „Junior-Sportler des Jahres“ in seiner Heimatstadt Bensheim. „Darauf bin ich bis heute unglaublich stolz.“

Nach einer verletzungsbedingt verkorksten Saison 2017 folgte das Comeback 2018 mit einem fünften und einem neunten Platz bei einem FIS-Wettkampf in Österreich. Die Europacup-Saison 2019 wurde für Christian Stoiber zu einer Tour durch Skandinavien, wo er bei sechs Wettbewerben in Finnland und Schweden Platzierungen zwischen 33 und 40 holte. Der Saisonabschluss war ein „Goldenes Wochenende“ mit zweimal Platz eins im Deutschland-Pokal, sowie den Titelgewinnen bei den internationalen Vorarlberger und den Bayerischen Meisterschaften.

Nach einer guten Sommervorbereitung ist Christian Stoiber in diesem Winter „noch ohne Schneetag, da auch ich mich leider der Corona-Situation beugen muss. Weitere Saisonziele sind nicht absehbar.“ Für die Zukunft seines Sports wünscht er sich „einen nationalen Leistungsstützpunkt in Deutschland mit einer im Winter dauerhaft fürs Training der Leistungssportler reservierten Piste. Sonst wird es der Olympischen Disziplin Freestyle Buckelpiste sehr bald wie allen finanziell wenig bis nicht geförderten Randsportarten in Deutschland gehen.“ red

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