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Corona Hallen sind offen, dürfen faktisch aber nur von zwei Personen genutzt werden

GW-Trainer kritisiert Verbote im Tennis

Mannheim.Die Empörung bei Gerald Marzenell, Teamchef des Tennis-Bundesligisten Grün-Weiss Mannheim, ist groß. Die vom Staatsministerium durchgesetzte Corona-Landesverordnung, gültig seit 2. November, erlaubt vom Grundsatz her nur noch die Nutzung einer Tennissportanlage durch zwei Personen.

Leidtragende dieser einschneidenden Entscheidung sind viele Freizeitspieler und Vereine im Land, die in den zurückliegenden Monaten trotz Corona-Krise sogar einen Mitgliederzulauf erfahren haben. Niemand weiß genau, wie es unter diesen Bedingungen weitergeht. „Es ist einfach schwachsinnig und realitätsfremd, Tennisspielen von zwei Menschen – egal ob Kinder, Erwachsene oder Senioren – auf einer Fläche von über 750 Quadratmetern mit einem Abstand von 24 Metern unter Einhaltung sämtlicher Hygienemaßnahmen zu verbieten, aber gleichzeitig Demonstrationen von mehreren tausend Chaoten zuzulassen, ohne Abstand und ohne Masken“, prangert Marzenell die fehlende Verhältnismäßigkeit an. „Tennishallen auflassen, aber de facto verbieten, Tennis zu spielen – das ist absurd“, fährt Marzenell fort.

Bundesliga soll 2020 spielen

Der Tennissport sei auch ein sozialer Kontakt für ältere Menschen. „Man bestraft 85 bis 90 Prozent der Leute, weil andere die Regeln nicht befolgen. Man muss mehr abwägen, was der Bevölkerung hilft“, fordert der Seckenheimer mehr Differenzierung und Fingerspitzengefühl von Politikern mit Blick auf die 1,4 Millionen Tennisspieler im Land.

Deutlich optimistischer blickt Marzenell in die Zukunft, was sein Bundesliga-Team betrifft. „Alle zehn Vereine gehen davon aus, dass wir nächstes Jahr die Liga spielen können. Die Stimmung untereinander ist gut“, schildert der 56-Jährige den letzten Stand nach einer Videokonferenz mit den anderen Bundesliga-Vertretern in der vergangenen Woche.

Ob dann allerdings vor vollem Haus oder nur wenigen Fans gespielt werden darf, steht in den Sternen. Fest steht jedoch, wer dann am Neckarplatt aufschlagen wird. „Wir haben nicht vor, den Kader zu verändern. Die Spieler haben 2020 auf jeden Cent verzichtet. Das war absolut vorbildlich“, hebt der Teamchef neben den sportlichen Qualitäten seiner Schützlinge auch deren soziale Einstellung hervor.

Freuen dürften sich die Zuschauer auf amtierende Grand-Slam-Gewinner: Neben US-Open-Sieger Dominic Thiem gehört weiter French-Open-Doppelsieger Kevin Krawietz dem Kader an. „In den nächsten fünf Jahren wird Dominic nirgendwo anders spielen. Wenn er spielt, dann bei uns“, scherzt Marzenell über die stillschweigende, langfristige „Vertragsverlängerung“ mit dem österreichischen Superstar und hält einen Antritt Thiems schon im kommenden Jahr in Mannheim für möglich.

Dass 2020 kein verlorenes Tennisjahr war, bewies noch ein anderer Grün-Weiss-Spieler. „Am meisten hat sich in diesem Jahr Pedro Martinez weiterentwickelt. Anfangs stand er noch auf Platz 170, jetzt schon auf Rang 82 der Weltrangliste“, freut sich Marzenell über die Entwicklung seines Schlüsselspielers auf dem Weg zur Titelverteidigung 2019.

„Er hat die Corona-Pause mit am besten genutzt und sehr hart an seiner Athletik gearbeitet. Er hat sich in Paris durch die Qualifikation bis in die dritte Runde gespielt und einen Riesenschritt nach vorn gemacht“, schwärmt der Teamchef. jab/ü

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