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Sportlerwahl Kim Naidzinavicius ist Leistungsträgerin in der Bundesliga und in der Nationalmannschaft / Bensheimerin Sportlerin des Jahres 2010

Handball-Star reifte bei den Flames

Archivartikel

Bensheim.Sie war die Gewinnerin der ersten Sportlerwahl im zu Ende gegangenen Jahrzehnt: Als 19-Jährige wurde Kim Naidzinavicius 2010 zu Bensheims „Sportlerin des Jahres“ gewählt. In jenem Jahr hatte sie mit den Handballerinnen der HSG Bensheim/Auerbach die Meisterschaft in der damaligen 2. Bundesliga Süd gefeiert und mit den Flames erst im Play-off-Finale den Aufstieg in die 1. Liga verpasst. Mit der deutschen U20-Nationalmannschaft war sie im selben Jahr bei den Weltmeisterschaften in Südkorea auf Platz sieben gelandet. „Das war doch im Pegasus? Das war sehr schön“, erinnert sich Kim an die Siegerehrung im Kulturdenkmal „Alte Gerberei“.

Als frisch gebackene U20-Weltmeisterin war die Rückraumakteurin mit 17 Jahren 2008 von der TSG Ober-Eschbach an die Bergstraße gewechselt und in eine Handball-WG mit drei Flames-Spielerinnen gezogen. Damals galt die Spielmacherin unter Experten als größtes Talent auf ihrer Position im deutschen Frauenhandball – eine Einschätzung, die sich bestätigte. Heute ist die 1,85 Meter große Rechtshänderin Kapitänin der DHB-Auswahl, hat mit dem Nationalteam vier Europa- und vier Weltmeisterschaften bestritten.

Kim organisiert das Angriffsspiel, spielt exzellente Pässe an den Kreis und auf Außen, ist Spezialistin für Siebenmeter und ansatzlose Schlagwürfe aus der zweiten Reihen. Und sie ist im Mittelblock eine exzellente Verteidigerin. Insgesamt sind für die 29-Jährige laut DHB- Statistik 315 Tore in 118 Länderspielen notiert.

Mit der SG BBM Bietigheim, ihrem derzeitigen Verein, holte sie zwei deutsche Meisterschaften (2017 und ’19) und ist in dieser Saison in der Champions League unterwegs. „Ich wollte immer Champions League spielen.“ In der aktuellen Bundesliga-Spielzeit deutet vieles auf einen Zweikampf zwischen Bietigheim (1. Platz/21:3 Punkte) und Borussia Dortmund (2./18:0) hin. „Ich denke, Dortmund und wir werden das unter uns ausmachen.“

Zwei nationale Titel, Auftritte in der Champions League – ein großes Karriere-Ziel steht noch aus: ein Halbfinale bei einer EM oder WM. „Das wäre ein Traum.“ Bei acht Teilnahmen an internationalen Großereignisses ist Kim mit der DHB-Auswahl mal mehr, mal weniger knapp gescheitert, bei dem Versuch die Vorschlussrunde zu erreichen. Einer der bittersten Momente auf internationaler Ebene war für sie die Heim-WM 2017. Im Auftaktmatch gegen Kamerun in Leipzig zog sie sich nach 140 Sekunden einen Kreuzbandriss im linken Knie zu. „Dieser Moment war schlimm, aber ich habe mich relativ schnell wieder gefangen und nach vorne geblickt.“

Nach einem knappen Jahr kam sie zurückgekehrt auf die Platte, die EM 2018 stand vor der Tür. Und Kim erwischte es erneut am linken Knie: Riss des Innen- und Außenmeniskus. „Das war viel schwieriger für mich, weil ich wusste, was es bedeutet, sich wieder über eine lange Zeit zurückkämpfen zu müssen.“

Nach ihrem geglückten Comeback schlug sie bei der WM 2019 in Japan auf und zuletzt im Dezember 2020 bei den Europameisterschaften in Dänemark. „Leider haben wir es nicht geschafft, das zu zeigen, was wir eigentlich können“, blickt Kim auf die jüngste EM zurück. Dass es nicht rund lief bei dem Turnier, führt sie auf verschiedene Faktoren zurück. Wegen Quarantänemaßnahmen für einige Spielerinnen kam der komplette Kader erst kurz vor dem EM-Start zusammen, Bundestrainer Henk Groener fehlte wegen einer Corona-Infektion im Auftaktspiel. „Die Vorbereitung war kompliziert, letztlich waren aber die Team-Leistung und die individuellen Leistungen von uns nicht gut genug.“

„Prägende Jahre“ in Bensheim

Viel Zeit, um das EM-Aus aufzuarbeiten, blieb nicht. Die Bundesliga ging kurz nach Weihnachten weiter; bis dato mit drei Siegen für Bietigheim. „Es war gut, dass es schnell weiterging und man den Fokus wieder auf die Liga legen konnte.“

An ihre Zeit bei der HSG Bensheim/Auerbach von 2008 bis ’11 hat Kim Naidzinavicius positive Erinnerungen. „Das waren menschlich und sportlich prägende Jahre für mich.“ Die damaligen Flames-Teamkolleginnen Annika Hermenau und Antje Lauenroth wurden zu zwei ihrer besten Freundinnen, am AKG in Bensheim machte sie ihr Abitur, bei der HSG erhielt sie viel Spielzeit und reifte zur Bundesliga-Spielerin. „Die familiäre Atmosphäre im Verein war sehr wichtig für mich.“

Nach fünf Jahren bei Bayer Leverkusen und einer absolvierten Ausbildung zur Sport- und Fitnesskauffrau schloss sie sich 2016 der SG BBM Bietigheim an. Dort stand bereits Antje Lauenroth unter Vertrag. Die beiden besten Freundinnen wohnen in Bietigheim 200 Meter voneinander entfernt, sind bei Reisen mit dem Club oder dem Nationalteam stets Zimmergenossinnen. „Wir witzeln immer, dass wir mehr Nächte gemeinsam verbringen als mit unseren Partnern.“ eh

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