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Bensheimer Sportlerwahl Heike Dieteren erreicht als 60-Jährige bei der WM auf Hawaii nach gut 14 Stunden das Ziel

Mit dem Ironman sind alle Pflichten erfüllt

Bensheim.„Wahrscheinlich muss ich mir ein Schild über das Bett hängen“, mutmaßt Heike Dieteren lachend. Ein Schild, das sie daran erinnert, nie mehr bei einem Ironman an den Start zu gehen. Auf der einen Seite dürfte dieser Verzicht der 60-jährigen Gronauerin nicht schwerfallen. Denn im vergangenen Jahr hat sie den größten, besten, härtesten, traditionsreichsten Triathlon-Wettbewerb, die Weltmeisterschaften auf Hawaii, absolviert – die Sehnsucht eines jeden Triathleten hat sich für die Diplom-Sportlehrerein damit erfüllt; sie könnte sich zukünftig auf die angenehmere Kurzdistanz konzentrieren.

Auf der anderen Seite ist da dieses „unglaubliche Hochgefühl“, das einen Finisher nach einem Ironman erfasst und über Wochen begleitet. Eine Empfindung, die Heike Dieteren gerne weiterhin spüren möchte. Also Aufhören oder Weitermachen? Die Athletin der SSG Bensheim steckt in einem Zwiespalt. „Ich muss auf meinen Körper hören.“ Und ihr Körper lehnt weitere Starts über die lange Distanz ab. „Meine Kniegelenke sagen ganz deutlich: Nein.“

Schwimmen und Radfahren sind für Dieteren über die Ironman-Distanzen kein Problem, die Anstrengungen des abschließenden Marathonlaufs belasten ihre Knie jedoch stark. Auch bei der WM musste sie (einkalkulierte) Gehpausen einlegen, um ihren schmerzenden Gelenken eine Pause zu gönnen. „Das war eine Quälerei“, blickt sie auf den 42-Kilometer-Lauf zurück. Ans Aussteigen aus dem Rennen hat sie trotz der Strapazen zu keinem Zeitpunkt gedacht. „Aufgeben auf Hawaii? Niemals! Das ist ein absolutes No-Go.“

So hat sie die Kämpfe, die auch in ihrer Altersklasse üblich sind, auf der 3,8 Kilometer langen Schwimmstrecke durch den Pazifik ausgefochten, dem hartnäckigen Seitenwind während des 180-Kilometer-Ritts auf dem Rad getrotzt, die durch ein ungewohntes Erfrischungsgetränk ausgelösten Magenproblem überwunden und eben die Schmerzen in den Knien ertragen. Eine Tortur über 14 Stunden, bei der Heike Dieteren auch schöne Momente erlebte: natürlich den Zieleinlauf. „Das war ein unbeschreibliches Gefühl.“

Zu den besonderen Hawaii-Augenblicken zählt für sie außerdem ein wunderbarer Sonnenuntergang, den sie, obwohl gerade auf der wenig geliebten Laufstrecke unterwegs, genoss. Die eindrucksvollste Erfahrung war für Heike Dieteren jedoch die Stille, die sich mit Einbruch der Dunkelheit über den ganzen Marathon-Kurs legte. Diese Ruhe sorgte bei ihr für maximale Entspannung und Zuversicht. „Ich wurde selbst ganz ruhig und wusste, mir kann auf der Strecke nichts mehr passieren.“

Ihre Platzierung interessierte die Triathletin, die sich mit dem Altersklassensieg beim Ironman Schweiz für die WM im Oktober qualifiziert hatte, nicht wirklich. „Nur Vorletzte wollte ich nicht werden, dann schon lieber Letzte“, meint Dieteren mit Blick auf die Haiwaii-Tradition, nach der die Letzten im Ziel von den Siegern bei Frauen und Männern in Empfang genommen werden.

Ihre Endzeit von 14:10:07 Stunden reichte für Rang 19 unter 37 Teilnehmerinnen ihrer Altersklasse (60 bis 64 Jahre) und für Platz 2011 unter den insgesamt 2272 Hawaii-Finishern. Für Heike Dieteren schließt sich mit der erfolgreichen Teilnahme am Hawaii-Triathlon ein Kreis: Als Ausdauersportler sollte man den Ötztaler Radmarathon, den Wasa-Lauf (Skilanglauf) und den Ironman auf Hawaii auf seiner Erledigt-Liste haben, findet sie. „Ich bin fertig.“ eh

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