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Corona-Krise I Für Tanzsportlerin Tina Zettelmeier platzt WM-Start / Tischtennis-Ass Andrej Bondarev spielt in privaten Räumen

Sportler wollen irgendwie die Fitness erhalten

Bensheim.Andrej Bondarev hat schon darüber nachgedacht, das Wohnzimmer in eine kleine Tischtennis-Arena umzufunktionieren. „Das würde gehen.“ Für Tanzsportlerin Tina Zettelmeier ist in den heimischen vier Wänden momentan nur das Training der „absoluten Basics“ möglich. Die Corona-Pandemie hat den Sport zum Stillstand gebracht, Spiel- und Trainingsbetrieb sind völlig zum Erliegen gekommen, die Sportstätten geschlossen.

Für Andrej Bondarev und die Tischtennisherren des VfR Fehlheim ist die Saison in der Regionalliga, Stand gestern, noch unterbrochen. Im Tanzsport sind alle Veranstaltungen auf nationaler und internationaler Ebene bis Anfang Mai abgesagt. So auch die Weltmeisterschaften im spanischen Alicante, bei der Tina Zettelmeier und ihr Tanzpartner Benjamin Eiermann, die aktuellen Deutschen Meister in der Senioren II S-Klasse Latein, zum Kandidatenkreis fürs Podium gezählt hätten.

Wie viele andere Sportler haben die Wahl-Bensheimer Bondarev und Zettelmeier auf Home-Training umgestellt. „Das ist für uns alle eine neue Situation; wir sind noch dabei, uns darauf einzustellen“, erklärt Bondarev. Seinen Jungs vom VfR überlässt der Fehlheimer Spielertrainer in Eigenverantwortung die Arbeit an der körperlichen Fitness. Laufeinheiten und Work-outs sind momentan möglich für die Tischtenniscracks. „Es gibt im Netz viele Angebote“, sagt Bondarev mit Verweis auf die Fitness-Plattformen, die im Internet zu finden sind. „Da ist für jeden etwas dabei.“ Die Auswirkungen der fehlenden tischtennis-spezifischen Trainingsformate auf das Spielniveau der Akteure werden im Leistungsbereich überschaubar bleiben, meint der erfahrene Übungsleiter. „Es wird vielleicht zwei, drei Wochen dauern, bis man das wieder aufgeholt hat.“

Die Jugendlichen bei Laune halten

Im jugendlichen Leistungsbereich ist eine intensive Betreuung der Spieler nötig, meint Bondarev, der auch als Trainer im Nachwuchssektor für den Hessischen Tischtennis-Verband tätig ist. Der HTTV ist online aktiv und hat entsprechende Konzepte an den Start gebracht, um die Talente bei der Stange zu halten. „Man muss den Kontakt zu den jungen Spielern halten, sie weiter motivieren.“

In der Corona-Krise ergeben sich Gelegenheiten für kleinere technische Korrekturen, die im normalen Betrieb häufig schwer umzusetzen sind. So hat Bondarev einem seiner Schüler mit optimierungsbedürftiger Schlägerhaltung die Hausaufgabe erteilt, den Schläger in korrekter Haltung täglich zehn Minuten in der Hand zu tragen.

Mit seiner Tochter Anastasia (17), die in der Tischtennis-Bundesliga der Frauen für den SV Kolbermoor aufschlägt, stand Andrej Bondarev zuletzt mehrmals pro Woche in einem privat angemieteten Raum an der Platte. Da Anastasia aktuell an einer Schulterverletzung leidet, waren Vater und Tochter dabei mit angezogener Handbremse unterwegs.

Solo-Training wenig zielführend

Das Tanzpaar Zettelmeier/Eiermann hatte sich für die WM einen neuen Style zugelegt, vom Outfit bis zum Make-up. Und das Duo war sportlich top vorbereitet, unterstreicht Tina Zettelmeier. „Wir waren bei hundert Prozent.“ Statt des Kampfes um den WM-Titel mussten die Systeme nun komplett runtergefahren werden. Gemeinsame Trainingsstunden sind aufgrund der Einschränkungen und der räumlichen Distanz - sie lebt in Bensheim, er in Mannheim - zwischen den beiden Tanzsportlern nicht möglich. „Jeder Schritt, jede kleine Bewegung, jedes Lächeln ist aufeinander abgestimmt. Solo-Training ist da wenig zielführend.“ Tina Zettelmeier absolviert täglich Laufeinheiten, Kraft- und Stabilitätsübungen. „Mehr kann man nicht machen. Es ist sehr wichtig, dass man fit und beweglich bleibt.“

Die Online-Angebote der Tanzschulen sind für sie keine Alternative. „Das ist oft sehr gut gemacht, für unser Niveau reicht das aber nicht aus.“ Tina Zettelmeier rechnet damit, dass sie und Benjamin Eiermann einige Zeit brauchen, um ihr Level wieder zu erreichen. „Von heute aus betrachtet vielleicht zwei bis drei Wochen. Allerdings erhöht jeder weitere Tag ohne gemeinsames Training den Aufwand.“

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