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Nachgefragt Dem neuen Kreisvorsitzenden Jan Kahlert schwebt ein attraktiveres Angebot in allen Altersklassen vor

Tennis muss wieder cool werden

Archivartikel

Heppenheim.Er ist 43 Jahre alt und leitet seine eigene Tennisschule. Nun ist Jan Kahlert neuer Vorsitzender des Tenniskreises Bergstraße. Zuvor war der Heppenheimer zwölf Jahre Jugendwart im Gremium.

Herr Kahlert, warum tut sich ein 43 Jahre alter Geschäftsmann so eine Aufgabe an?

Jan Kahlert: Ich wollte einfach, dass der Tenniskreis weiter besteht. Es wäre nicht der Erste, der aufgelöst wird, weil sich kein Ehrenamtler mehr findet. Zwölf Jahre lang war ich dort Jugendwart, habe also einen guten Einblick in die Vorstandsarbeit bekommen und weiß, wo wir handeln müssen.

Welche Aufgaben hat der Tenniskreis – außer der, eine Kreismeisterschaft zu organisieren, der die Teilnehmer nicht gerade die Türen einrennen?

Kahlert: Der Hauptteil der Aufgaben liegt in der Ausrichtung und Organisation der Jugend-Kreismeisterschaften sowie in der Abwicklung der Medenrunde für Jugendliche und Aktive auf Kreisebene. Doch wir werden in Zukunft mehr Verantwortung übernehmen müssen. Die Homepage des Tenniskreises ist alles andere als aktuell – dort wird zum Beispiel noch zur Mitgliederversammlung 2017 eingeladen.

Sind das nicht Anzeichen eines Verfalls?

Kahlert: Wir wissen, dass wir aktiv werden müssen. Die Homepage wird derzeit komplett überarbeitet und geht hoffentlich bald online. Nicht nur sie muss aktueller und attraktiver werden. Die Geschäftsstelle wird übrigens von Viernheim in den Sportpark Heppenheim verlegt.

Was soll sich konkret ändern?

Kahlert: Wir wollen zum Beispiel Hallen-Kreismeisterschaften ins Leben rufen. Darüber hinaus sind wir nicht zufrieden mit der Zahl der Leistungsklassen-Turniere in der Umgebung. Die Tennisspieler erwarten hier keine mehrtägigen Turnierformen. Mehr Tagesturniere wären hier eine attraktive Lösung. Die Kreismeisterschaften im Sommer sind in diesem Jahr beim TCO Lorsch. Schon allein deswegen erhoffen wir uns größere Teilnehmerzahlen. 100 Spieler sind das Ziel. Im vergangenen Jahr waren es in Birkenau 67.

Denis Gremelmayr, einstiger Weltranglistenspieler und nun Cheftrainer beim TC Bensheim, wünscht sich mehr Wettbewerbe für die Altersklasse U 8. Die Mädchen und Jungen sollen mehr und vor allem früher Wettkampferfahrung sammeln. Denn all das Training bringt ohne Matchpraxis nicht so viel. In anderen Sportarten, etwa Fußball oder Handball, ist es ja auch an der Tagesordnung, dass bereits die Kleinsten sich miteinander messen.

Ist Tennis bei Kindern und Jugendlichen überhaupt noch in?

Kahlert: Durchaus. Aber viele kommen nur einmal, maximal zweimal pro Woche ins Training – und das war’s. Das Verabreden zum Tennisspielen, wie ich es aus meiner Jugend kenne, gibt es kaum noch. Tennis als Hobby, das über das Training hinaus fasziniert – da müssen wir wieder hinkommen. Das Problem ist auch, dass der Tagesablauf von Kindern und Jugendlichen oft so durchstrukturiert ist, dass freies Spielen kaum noch möglich ist.

Was kann der Tenniskreis beitragen, dass sich hier etwas ändert?

Kahlert: Wichtig ist meines Erachtens, dass die Vereine mehr auf das Miteinander setzen, vereins- und trainerübergreifende Events anbieten. Hier helfen wir gern. Der Tenniskreis möchte das ein oder andere Camp für Erwachsene anbieten. Hier liegt unser Augenmerk insbesondere auf kleineren Vereinen. Für diese finden sich wegen der wenigen zu gebenden Stunden nur schwer Trainer. Hier könnten Aktionstage und Trainingswochenende auf einer Anlage, die offen sind für alle, einen ebenso großen Nutzen wie Spaß für die Spieler bringen. Tennis muss wieder cool werden – für alle Altersklassen. Im vergangenen Jahr gab es vom Tenniskreis lediglich eine einzige Schultennisaktion.

Wird das den Vereinen überlassen?

Kahlert: Auch hier müssen wir deutlich aktiver werden. Die größeren Vereine machen diese Aktionen in der Regel selbst. Auch hier sind es die kleinen Vereine, die unsere Hilfe benötigen. Sie brauchen dringend Nachwuchs, können solche Angebote aber rein personell oft nicht stemmen. Es gilt also, verschiedene ganzheitliche Konzepte aufzubauen. Der Verein bewirbt sich für eines dieser Konzepte und einen Aktionstag, und wir kümmern uns um die Durchführung und vor allem darum, dass der gesetzte Impuls nachhaltig wirkt. Vor allem im Winter ist die Infrastruktur für Tennisspieler nicht einfach.

Mit Sorge sehen wir, dass in Zwingenberg und Hemsbach zwei weitere Tennishallen schließen werden. Folge davon ist, dass der bis dahin in Zwingenberg beheimatete Förderkader des Tennisbezirks Darmstadt sein Training in den Heppenheimer Sportpark verlegt.

Es gibt noch eine weitere Zielgruppe, um die es sich lohnt zu kämpfen: die Quereinsteiger!?

Kahlert: Genau. Tennis ist ein Sport, den man bis ins hohe Alter betreiben kann. Aus diesem Grund ist es auch eine interessante Sportart für Quereinsteiger, etwa für diejenigen, die nicht mehr beim Fußball oder Handball dem Spielgerät hinterherjagen wollen oder können. rid/ü

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