Lorsch

Theater Sapperlot Bunte Wundertüte im Lorscher Kultursalon

20 Minuten mit Gitarre, aber ohne den Esel

Archivartikel

Lorsch.Ein Mann, ein Esel, eine Gitarre. Bis auf das Tier war El Mago Masin in Lorsch komplett anwesend. Vor zwei Jahren marschierte der Nürnberger zehn Tage lang mit der langohrigen Florentina durch die Steiermark. Eine langsame, bockige Sinnsuche mit Folgen. Im Kultursalon präsentierte der Spaßliedermacher einige Ausschnitte aus seinem Programm „Operation Eselsohr“, mit dem der Franke seither durch die Lande zieht.

Am Wein eines Zuhörers bedient

Das Publikum im voll besetzten Theater Sapperlot erlebte einen anarchischen Musik-Comedian, der sich erfrischend souverän abseits ausgetretener Genrepfade bewegt und ganz nebenbei auch noch hervorragend Gitarre spielen kann. Für viele war sein 20-minütiges Gastspiel der Höhepunkt des Abends, der wie immer von Entertainer Daniel Helfrich zusammengebaut und moderiert wurde.

Wolfgang Masin, so sein richtiger Name, spielt frech mit der Erwartungshaltung seiner Zuschauer. An einem normalen Abend kann es schon mal vorkommen, dass er ein Video abspielt und dabei ein Bier an der Theke trinkt. Im Kultursalon hat er seinen Durst mit unterhaltsamen Kostproben seiner Kunst überbrückt, die zwischen Dadaismus, Nonsens und Wortakrobatik pendelt und den kultivierten Blödsinn zelebriert. „Sexy Unterwäsche, sexy Unterwäsche, sexy Unterwäsche . . . steht dir leider nicht“, singt er voller Inbrunst. Dann säuft er einem Herrn in Bühnennähe beinahe den Wein weg und kündigt – das Glas zurückstellend – ein Lied an mit dem Titel „Die Krankheit, die ich aus Asien mitgebracht habe“.

Der Auftritt gleicht einem modernen Dia-Abend mit einem dezent bekifften Philosophiestudenten. Trotz der filmischen Konserven entpuppt sich El Mago Masin als versierter Unterhalter, der spontan mit dem Publikum interagiert und dabei immer wieder für Lachtränen sorgt. Am 5. Mai ist er mit seinem abendfüllenden Solo im Sapperlot zu Gast. Es soll noch Restkarten geben.

Die Ouvertüre des Kultursalons im Monat März gehörte Mademoiselle Mirabelle. Hinter der Kunstfigur steckt Musikkabarettistin Birgite Gebhardt aus Heidenheim. Auf der Bühne persifliert die Grundschullehrerin die deutschen und französischen Eigenarten sowie Lebensweisen und singt selbst komponierte Chansons. Ein bisschen Theater, ein wenig Parodie, unkompliziert und publikumsnah. Hüftwackelnde Männer auf der Bühne garantieren eben immer einen Brüller. Ansonsten ein eher dünnes Süppchen, eher Landwein als Grand Cru.

Apropos: Verblüffend war die wundersame Weinvermehrung des Felix Gauger. Wie aus dem Nichts holte der Magier immer mehr Pullen auf die Bühne. Und auch wenn der kollektive Kartentrick mit dem Publikum nicht flächendeckend gezündet hat, war der tiefenentspannte und fingerfertige Weinheimer eine zauberhafte Bereicherung des Kultursalons. Vor der Pause nahm mit Peter Matz der musikalische Solopart des Abends am Flügel Platz. Der gebürtige Holsteiner und Wahl-Alsbacher singt leise, emotional aufgeladene Lieder von sich und anderen (etwa von Joshua Kadison). Er sieht sich in der Tradition von Udo Jürgens, Reinhard Mey und Elton John. Eine Selbsteinschätzung, die wir einfach mal so stehenlassen.

Kenan liest den „Erlkönig“

„Bevor der Messias kommt“ heißt das aktuelle Programm von Aydin Isik aus Köln. Der türkischstämmige Comedian, Schauspieler und Regisseur zeigt, wie schwer es der Retter in der heutigen Gesellschaft hätte. Beredt tanzte er durch die Weltpolitik zwischen Erdogan, Merkel und Flüchtlingen auf hoher See, stichelte gegen religiöse Eiferer aller Couleur und erwies sich dabei als sensibler Beobachter der Kulturen. Richtig gut aber war er als „Kenan aus Kreuzberg“: ein Kleinkrimineller aus Berlin, der Sozialstunden leisten muss, indem er öffentlich Klassiker vorliest. Mit seiner Interpretation von Goethes „Erlkönig“ hält er dem elitären Bildungsbürgertum den Spiegel vor. „Gewalt und Missbrauch! Das versteht ihr also unter Leitkultur!“ Das Ende gehörte Heinz Gröning alias „der unglaubliche Heinz“. Seine flapsige bis ironische Musik-Comedy war ein finaler Stimmungsaufheller im Kultursalon, aus dem auch dieses Jahr wieder die Kandidaten für den Kleinkunstpreis Lorscher Abt heraus gesiebt werden.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel