Lorsch

Rückzüchtung Freilichtlabor erhält finanzielle Unterstützung für Kreuzungsprojekt / Neue Sonderausstellung beginnt am 27. Januar in Lorsch

Auerochsen: Geopark fördert die Züchtung

Lorsch/Bergstraße.Bereits seit dem Jahr 2013 bemüht sich das Freilichtlabor Lauresham, einen – eigentlich ausgestorbenen – Auerochsen wieder zu züchten. Neugierigen werden ihre Fragen ab dem 28. Januar in einer Sonderausstellung beantwortet: „Der Auerochse – eine Spurensuche“ heißt die Schau, die das Lorscher Forscherteam gemeinsam mit dem Unesco Geopark Bergstraße-Odenwald auf die Beine stellt. In Heppenheim gab es unlängst einen Termin vor dem Stiftungshaus der Sparkasse Starkenburg, der für das Lorscher Projekt nicht unwichtig war.

Zehn Cent pro Einwohner in ihrem Geschäftsgebiet – momentan kommen so runde 13 000 Euro zusammen – lässt die Sparkasse Starkenburg nämlich für die Arbeit des Geo-Naturparks springen. Seit 2002 freut sich die Einrichtung schon über den jährlichen Geldregen. Dass die Auerochsen-Ausstellung davon jetzt profitiert, kommt nicht ungefähr: Künftig will der Geo-Naturpark auf dem Gebiet des klassischen Natur- und Landschaftsschutzes verstärkt aktiv sein. Für den Sommer hat der Dachverband der Deutschen Naturparke eine Kontrolle angekündigt – und vor diesem Hintergrund steht das Handlungsfeld ganz besonders im Blickpunkt.

Kälbchen heißt Alma

Da bietet sich das Lorscher Auerrindprojekt an. In den vergangenen Jahren hat es immer mal wieder für Schlagzeilen gesorgt – sei es durch neue Rassen, die in Lorsch weiden, oder mit der Geburt von ersten Jungtieren, bei deren Taufe jeder dabei sein durfte. Watussi, Chianina, Maremmana, Sayaguesa und Heckrinder – mit diesen heutigen Rassen soll die Kreuzung zurück zum Auerochsen gelingen. Der gilt seit dem Jahr 1627 als ausgestorben. Seine Eigenschaften finden sich allerdings verteilt in den Rindern wieder, die derzeit in Lorsch miteinander gekreuzt werden. Am frühen Morgen des 21. Dezember 2016 erblickte das erste offizielle Kreuzungskälbchen das Licht der Welt. Die Eltern sind die Ungarische Steppenrindkuh Domka und der Sayaguesa-Bulle Johnny, der die Geburt seiner Tochter nicht mehr miterleben konnte. Projektleiter Claus Kropp bezeichnete den Nachwuchs, der später den Namen Alma bekam, damals als Meilenstein des Auerrindprojekts (der BA hat berichtet).

Solche Beweidungs- und Rückzüchtungsprojekte sollen vom Geopark künftig begleitet und gefördert werden. Dabei stimmen sich die Verantwortlichen eng mit dem Kloster Lorsch ab. „Als erstes Zeichen dieser engeren Kooperation wird am 28. Januar im Lorscher Museumszentrum die Sonderausstellung eröffnet, die bis zum 6. Mai zu sehen sein wird“, gibt Dirk Dewald, stellvertretender Geschäftsführer des Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald, einen ersten Ausblick auf neue Aktivitäten.

Erstes domestiziertes Wildrind

Was ist eigentlich über den Auerochsen bekannt, der Jägern und Sammlern als Nahrungsquelle diente? In der Jungsteinzeit wurde er als erstes Wildrind überhaupt domestiziert, und schon die Höhlenmaler von Lascaux und Chauvez vor teilweise über 20 000 Jahren wurden von ihm inspiriert. Aber warum sind ausgerechnet heute Rückzüchtungen so populär und wichtig für den Naturschutz? Die Sonderausstellung soll Antworten liefern.

Von den frühen Darstellungen über die Vorstellung seines Lebensraums und seiner jeweiligen Zeitgenossen bis hin zu seiner „Rückkehr“ durch aktuelle Projekte nimmt die Ausstellung das imposante Rind anhand „herausragender Exponate“, so heißt es in einer Pressemitteilung, in den Blick. Unter anderem soll einer der größten jemals gefundenen Auerochsenschädel zu sehen sein. Schriftliche, bildliche und archäologische Zeugnisse sowie neueste kulturhistorische und naturwissenschaftliche Erkenntnisse vertiefen die spannende Spurensuche.

Im Vorfeld der Schau findet am Samstag, 27. Januar, eine internationale Fachtagung zum Thema „Backbreeding and Natural Grazing“ in Lorsch statt. Wissenschaftler und Fachleute diskutieren über aktuelle Forschungsergebnisse zum Auerochsen – insbesondere auch der Molekulargenetik – sowie über Zuchtprojekte und deren Bedeutung für die Artenvielfalt in Europa. red/lok

Info: Fotos von Lorscher Rindern: bergstraesser-anzeiger.de

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