Lorsch

Welterbe-Areal Leiter Herman Schefers stand im Kulturausschuss Rede und Antwort / Museumszentrum muss modernisiert werden

Besuchszahl ist erneut rückläufig

Archivartikel

Lorsch.Herman Schefers stellte im Kulturausschuss die Jahresstatistik 2018 vor. Aufgelistet wurden Besuche im Klostergelände und Museumszentrum sowie im Freilichtlabor Lauresham. Die Gesamtbesuchszahl beläuft sich auf 42 821, referierte der Welterbestättenleiter. Im Vergleich zum Vorjahr – da wurden mehr als 48 000 Besuche verzeichnet – ist das ein Rückgang. Im Jahr 2016 hatte die Zahl sogar bei mehr als 49 000 gelegen. Allein bei der Museumspädagogik ergab sich in der Gesamtschau eine Verbesserung.

Vor allem der Rückgang bei Gruppen bereite Kopfzerbrechen, so Schefers. Die Anzahl sei zwar fast unverändert, die Gruppengröße aber sei zuletzt geschrumpft. Heiße Sommertage hätten zudem zu mehreren spontanen Absagen von Senioren geführt.

Nach der millionenschweren Aufwertung des Welterbe-Areals 2015 habe man sich deutlich mehr Gäste erhofft, erinnerte Olaf Jünge (CDU). Nicht nur er fragte nach Strategien: „Planen Sie zusätzliche Angebote?“ „An Ideen mangelt es uns wahrlich nicht“, machte Schefers klar. Große Handschriften-Ausstellungen aber – etwa mit Evangeliar und Codex, die sehr viele Besucher auch von weither anlockten –, könnte Lorsch heute gar nicht mehr organisieren. Das in die Jahre gekommene Museum biete ohne Umbau und Nachrüstung nicht mehr die nötigen Standards für Technik und Sicherheit der kostbaren Objekte.

Vorteile für Schüler prüfen

Ferdinand Koob (CDU) regte Modernisierung auch durch Digitalisierung an. Familien hätten beim Museumsbesuch einen anderen Fokus als Wissenschaftler, wollte er mehr Zielgruppenorientierung. Zudem sei die Einführung eines günstigen Tarifs für Schülergruppen überlegenswert. Schüler-Gruppen sollten preislich begünstigt werden, meinte auch Bürgermeister Christian Schönung.

Schefers berichtete, dass es in dem Bereich viele Konkurrenzangebote gibt. „Neiderfüllt“ schaue man etwa auf Möglichkeiten in der Schweiz sowie in Baden-Württemberg. Für Schulen seien die Bus-Kosten manchmal ein Problem. Es werde überlegt, ob sich dieses in Kooperation mit dem Kreis mit einer Art „Schülerbus“ lösen lasse, der dann auch andere Museen in der Region anfahre.

Grundschulen seien in Lorsch am stärksten vertreten, die Lehrpläne in weiterführenden Schulen ließen wenig Spielräume, habe man erkannt. Auch die Lorscher Siemens-Schule zähle zu den „schlechtesten Kunden“, bedauerte der Welterbestättenleiter. Schefers erinnerte an das Manko, dass das Kloster nicht rekonstruierbar ist. Man setze erfolgreich auf „verbale Vermittlung“ durch gut ausgebildete Mitarbeiter, arbeite aber auch an neuen Audioguides. Die Entwicklung digitaler Angebote koste „sehr viel Geld“, schließlich muss sie den wissenschaftlich hohen Ansprüchen genügen.

Jammern auf hohem Niveau

Klaus Wolff (FDP) regte interaktive Bebilderung als Anreiz für Klosterbesuche an. Es sollte auch mehr Publikationen in englischer und französischer Sprache geben. Peter Velten (SPD) bewertete die Besucherzahlen als gar nicht so schlecht: „Wir jammern auf hohem Niveau.“ Auch die angeblich so langen Wege in Lorsch seien anderswo viel länger. Wichtig für viele Lorscher wäre es, dass die Klostermauer endlich beleuchtet werde. Diese Zusage müsse die Schlösserverwaltung erfüllen, ergänzte Bürgermeister Schönung.

„Fakt ist, dass die Besuchszahlen seit Jahren rückläufig sind“, stellte Matthias Schimpf (Grüne) fest. Man sei vielleicht noch „geblendet“ von den einst von offizieller Seite verbreiteten hochgerechneten sechsstelligen Zahlen, die sich als überzogen erwiesen. Tatsache sei aber auch, dass der Lorscher Marktplatz in einer Weise belebt sei, wie es andere Kommunen trotz des Abrisses von Häusern nicht hinbekämen. Rudi Häusler (PWL) forderte vom Welterbestättenleiter eine „bessere Analyse“, denn: „Sie sind der Profi.“

Nach der Umbauphase mit Besucherrückgang habe es einen „Hype“ nach der Wiedereröffnung des aufgewerteten Areals gegeben, so Schefers im Rückblick auf 2015, als über 60 000 Besuche vermeldet wurden. Auf- und absteigende Kurven in der Statistik seien nicht ungewöhnlich. Für das erste Halbjahr 2019 weise die Liste mit über 22 300 Besuchen eine erfreulich bessere Zahl als im Vorjahr aus, üblicherweise sei auch der September besucherstark.

Schefers bejahte die Grundsatzfrage nach Personalproblemen. Man gehe aber optimistisch in Verhandlungen. Er sei bereits intensiv mit der Veranstaltungsplanung für die nächsten zehn Jahre beschäftigt – genau bis August 2029. Dann beginne allerdings sein Ruhestand, so der Welterbestätten-Leiter. sch

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