Lorsch

Jubiläum 14-köpfige Combo ist einst aus dem Musikverein Laurissa hervorgegangen / Trend zu Oktoberfesten und Trachten steigert Popularität von Blasmusik

Bläschbadscher spielen seit 30 Jahren auf

Lorsch.Mitunter erfreuen sich lockere Zusammenschlüsse ohne feste Statuten einer besonderen Beständigkeit. Die Original Bläschbadscher, hervorgegangen aus den Reihen des Lorscher Musikvereins Laurissa, sind da so ein typisches Beispiel. Die Gruppe kann in diesem Jahr auf ihr 30-Jähriges Bestehen zurückblicken. Selbst aus den eigenen Reihen hätte das niemand vorauszusagen gewagt.

Nach einer durchaus mühsamen Anlaufphase kam es am 29. November 1989 zum ersten öffentlichen Auftritt bei einem Familienfest in der ehemaligen Tanzschule Walter im Rex. Aller Anfang ist nun einmal bekanntlich schwer und die Entwicklung der Bläschbadscher ist mit einem Namen fest verbunden, ohne den die Gruppe ihre Hürden zu Beginn gewiss nicht gemeistert hätte. Der Lorscher Albrecht Fischer formte die junge Mannschaft über Jahre hinweg, schrieb einen Großteil der Arrangements, wusste genau, wie sich das musikalische Leistungsvermögen entwickelte und leistete in ungezählten Proben geduldig wahre Aufbauarbeit.

Bescheidener Gründungsanlass war dabei zunächst die Absicht, bei vereinsinternen Feierlichkeiten, wie Polterabenden oder Jubiläen, die passende Begleitmusik zu liefern. Auch wollten die Musiker einen musikalischen Kontrast zum damaligen Fanfarenzug setzen, was denn auch gelang.

Im Lauf der Zeit kam dann doch alles etwas anders als ursprünglich gedacht. Über den Tellerrand des eigenen Vereins hinaus erfuhren die Musiker bei ihren Vorstellungen sehr bald immer mehr öffentliche Aufmerksamkeit. Ob Unterhaltungsmusik bei Vereinsfesten, originelle Kerwe- und Dorffestauftritte oder als Überraschungsgäste bei Jubiläen im Familienkreis: Die Bläschbadscher hatten und haben immer die passenden Noten im Gepäck dabei.

Zäsur in der Vereinsarbeit

Als Anfang 1995 die Zäsur in der Vereinsarbeit der Laurissa vom Fanfarenzug hin zu einem Musikzug der Orchesterklasse einsetzte, hatte das auch seine Auswirkungen auf die kleine Formation, galten doch fortan alle Konzentrationen der qualifizierten Ausbildung für die neuen musikalischen Vereinsstrukturen. Da musste die Combo, wie sich die Bläschbadscher auch gerne kurz und bündig nennen, „zurückstecken“, doch mit der Zeit profitierten die Musiker zugleich von der Schulung durch die professionellen Dirigenten der Laurissa.

Längst haben sich die Hobbymusiker in drei Jahrzehnten bei Freunden zünftiger Blasmusik einen klangvollen Namen erspielt – und das nicht nur in ihrer Heimatstadt Lorsch. Alles wird live intoniert, das versteht sich von selbst, nichts wird künstlich eingespielt. Die richtige Mischung macht‘s bekanntlich, und so findet sich heute im Repertoire der Bläschbadscher eigentlich alles wieder, was in der Volksmusik Rang und Namen hat. Allen schnelllebigen Musiktrends zum Trotz durfte die Formation gerade in der zurückliegenden Zeit bei ihren Auftritten die Erfahrung sammeln, dass die Blasmusik eine ungebrochene Popularität besitzt und das Publikum sich zusehends verjüngt hat. Oktoberfeste und Trachtenkleider sind landauf und landab gefragt, fördern diesen Trend. Und so haben die Bläschbadscher mit ihrer Musikauswahl ein Gespür für den Puls der Zeit entwickelt, wenn auch eine der musikalischen Vorlieben der 14-köpfigen Gruppe mit ihrer einzigen weiblichen Musikerin Silke Horlebein der volkstümlichen Böhmischen Blasmusik gelten. Dazwischen immer wieder Medleys mit Evergreens aus den 60er- und 70er-Jahren. Darunter Musiktitel, die an das einstige Wirtschaftswunder und die ersten Urlaube im sonnigen Süden erinnern.

Doch im Juli 2017 zogen für die Musikformation dunkle Wolken auf. Der allzu frühe Tod von John Enticknap versetzte einen Tiefschlag, der die Weiterentwicklung infrage stellte. „Johnny“ war für die Musiker zugleich Freund, Notenschreiber und absolut zuverlässiger Mann am Euphonium. Einer, der eine große Lücke hinterließ. Es wurde zur glücklichen Fügung, dass sein Sohn bei der Combo in die musikalischen Fußstapfen des Vaters trat und weitere gut ausgebildete junge Musiker aus der Laurissa den Weg zu den Bläschbadschern fanden und auch blieben. Es konnte also weitergehen, bei den Musikern aus der Klosterstadt. In der Folge sollte das mehrstündige Repertoire der Gruppe kräftig „aufgemischt“ werden. Dabei blieb es nicht bei einem einmaligen „Update“: Neue Musiktitel kommen regelmäßig hinzu, andere werden wieder aus dem Programm genommen. In den Proben wird an den Stücken gearbeitet, bis sie beim nächsten Auftritt die Bühnenreife zu haben.

Gesunde Mischung gefunden

Die Bläschbadscher haben in ihrem 30. Jahr eine gesunde Mischung an älteren und jüngeren Musikern in ihren Reihen gefunden, die zusammen harmonieren. Von den Aktiven der ersten Stunde sind noch immer Otto Humbert, Aribert Horlebein, Klaus Rickers und Michael Pfeifer dabei. Nur wenige Jahre nach der Geburtsstunde stießen Mathias Brunnengräber, Harald Scheller, Michael Heinbach und Stefan Horlebein hinzu, und sind genauso bis heute feste Aktivposten geblieben. Komplett wird das Bild der Lorscher Musikformation durch Dirk Denefleh, Philipp Heinz, Dominik Wachtel, Chris Enticknap und Franz Wüst. Sollte es einen Geburtstagswunsch geben, dann der –so die Hoffnung der Musiker –, dass es auch in zehn Jahren noch Livemusik der Bläschbadscher zu hören gibt. red

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