Lorsch

Parkplatz-Ost

Das Geschaffene sinnvoll zu Ende bringen

„Risiko: Aberkennung des Welterbetitels“ (BA vom 6. Juli)

Als „Alter“ Neubürger – ich wohne bald 43 Jahre in Lorsch– wundere ich mich schon etwas über die Intensität, mit der über den Parkplatz-Ost gestritten wird. Hier ein paar Gedanken, die vielleicht zur Beruhigung beitragen können.

Meine Vaterstadt Köln und meine Wahlheimat Lorsch haben gemeinsam, dass sich ein attraktives Kulturgut zentral im Stadtgebiet befindet. In Köln ist es der Dom, der 1996 den UNESCO-Welterbestatus erhielt und in Lorsch, fünf Jahre früher als Köln, das Areal um die ehemalige Benediktinerabtei.

Der im Jahre 1248 begonnene Kölner Dom ist das drittgrößte sakrale Gebäude der Erde und die Westfassade ist in Größe und gotischer Schönheit einmalig. Für mich ist es immer wieder tief beeindruckend, diese Vorderfront bei untergehender Sonne in einem rötlichen Schimmer zu genießen.

Und Lorsch? Natürlich alles etwas kleiner und überschaubarer, aber nicht minder beeindruckend die noch stehenden Gemäuer, die Torhalle, die Struktur des ganzen Areals. Die UNESCO ehrte aber auch das kultur- und kirchengeschichtlich einmalige Wirken der Lorscher Äbte und Mönche, die in der durchaus nicht unkritischen Zeit vor der vorletzten Jahrtausendwende einen unschätzbaren Beitrag zur Erneuerung und Sammlung der Kirche und damit der gesamten christlichen Kultur geleistet haben. Wer weiß, ob die so beeindruckende Westfassade des Kölner Doms ohne das Wirken der Lorscher nicht beträchtlich genügsamer ausgefallen wäre.

Ein prägender Glücksfall

Und über welche der beiden UNESCO-Auszeichnungen habe ich mich als gebürtiger Kölner und Wahl-Lorscher wohl am meisten gefreut: über Lorsch natürlich! Die Juroren bewiesen durch diese Wahl, dass sie nicht nur auf äußerliche, ja monumentale Merkmale, sondern auch auf das Filigrane, Sensible aber langfristig Wirkende setzen. Für Lorsch ist die UNESCO-Entscheidung ein keineswegs selbstverständlicher, dafür umso prägenderer Glücksfall in seiner langen und beeindruckenden Geschichte. Wenn es auch etwas pathetisch oder gar patriotisch klingt: Wir Lorscher müssen alles tun, um auch das geringste Risiko einer Aberkennung abzuwehren.

Natürlich sind zum Beispiel Flächenversiegelungen unschön, aber das bewirken andere Projekte auch und man sollte dort einmal prüfen, ob alles Geplante wirklich nützlich ist – aber bitte nicht an einem so wichtigen und sensiblen Projekt wie die Welterbestätte Kloster Lorsch.

Zu dem gehört natürlich auch ein vorgabenkonformer Parkplatz. Das bisher Geschaffene und von der Bevölkerung nicht ohne einen gewissen Stolz Akzeptierte muss sinnvoll zu Ende gebracht werden, damit die Besucher eine angemessene Ankunftssituation in der Nähe des BIZ vorfinden.

Walter Wolfgarten

Lorsch

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