Lorsch

Sportlerwahl Handballerin Pauline Radke feierte vergangenes Jahr den Aufstieg in die Bundesliga / Im Sommer beendet die gebürtige Rostockerin ihre Karriere

Flames-Torfrau ist erstmals nominiert

Archivartikel

Lorsch.Pauline Radke zählt zu den besten Torfrauen der Bundesliga. Die 31-Jährige gehört zu den Leistungsträgerinnen der Flames. Schon seit ihrem Umzug an die Bergstraße ist die gebürtige Rostockerin, die seit 2012 für die Handballerinnen der HSG Bensheim/Auerbach spielt, in Lorsch daheim. Jetzt ist sie von der Sportkommission der Stadt erstmals für die Wahl zur Sportlerin des Jahres nominiert.

Wer in der Bundesliga mithalten will, muss sehr gute Ergebnisse liefern – intensives Training ist eine Grundvoraussetzung dafür. Für Pauline Radke bedeutet das: Fünf Mal in der Woche zum Training und am Wochenende zu einem Spiel. Das umfassende Pensum absolvieren die Handballerinnen alltäglich neben Ausbildung oder Beruf. „Wir sind alle keine Profis“, erinnert Radke, die bei Dentsply Sirona als Teamassistentin beschäftigt ist.

Der jahrelang gewohnte fordernde Rhythmus ändert sich für die Athletin aus Lorsch allerdings in Kürze. Ab der zweiten Jahreshälfte werden die Arbeitszeiten bei dem Unternehmen in Bensheim länger werden. Denn Radke hört auf bei den Flames. Sie hat angekündigt, ihre Karriere zum Saisonschluss im Mai zu beenden. Ab Juni beginnt für die junge Frau ein neues Leben.

„Es hört sich komisch an, nicht mehr Handball zu spielen“, räumt Radke ein. Den Schritt, vor dem jeder Leistungssportler mit Blick auf das Älterwerden irgendwann steht, habe sie aber gut überlegt. „Es war meine Entscheidung.“ Nun freut sie sich darauf, bald auch einmal Freizeit genießen zu können. Lesen, Flohmärkte zu besuchen und zu fotografieren, hat sie sich vorgenommen. Zudem will sie reisen und Konzerte besuchen. Einfach mal abends auszugehen, war schließlich bisher kaum möglich. „Man musste sich immer nach dem Trainingsplan richten.“ Jetzt hat sie Tickets für Ina Müller und für Ed Sheeran in London und sie wird in diesem Jahr nach Spanien reisen.

Ohne Sport mehr Familienzeit

Außerdem ist auch öfter mal ein Abstecher nach Rostock möglich. Familienfeiern, wie der 70. Geburtstag der Großmutter sind demnächst kein allzu großes Problem mehr. 700 Kilometer bleiben zwar eine weite Strecke, aber Trainingseinheiten oder Spiele durchkreuzen private Termine nicht mehr. Zuletzt war die Familie – eben wegen des Handballs – nicht mal an Weihnachten zusammen. So ist das eben in der ersten Liga, weiß Radke. Ihre Eltern hatten Verständnis dafür, schließlich hatten sie den Aufstieg der Tochter in jungen Jahren miterlebt.

Den Handball wird sie vermissen, ist Pauline Radke sicher, die 14 Jahre in der Zweiten Liga spielte und mit den Flames den Aufstieg schaffte. „Sechs schöne Jahre“ habe sie in Bensheim erlebt, und nichts bereut. Zwar plane sie tatsächlich, erst einmal keinen Handball mehr in die Hand zu nehmen, Besuche in der Weststadthalle kann sie sich aber vorstellen. Und wenn ihr Verein in Not ist, dürfte er auch anrufen, sagt Radke. „Ich gehe nicht im Bösen.“ Sie könne frei entscheiden.

Bei den Flames hat die 1,90 Meter große Torfrau einen hervorragenden Ruf – über die sportliche Leistung hinaus. Hohes Verantwortungsbewusstsein, Leidenschaft und Teamgeist werden ihr nicht allein von Trainerin Heike Ahlgrimm bescheinigt. Die 31-Jährige ist eine Schlüsselspielerin mit Vorbildfunktion. Fragt man sie nach einem besonders schönen Erlebnis ihrer Karriere, nennt sie natürlich den Aufstieg. Die Freudengefühle, die Feier, die Anerkennung von Fans und Sponsoren sowie die zahlreichen Gratulationen wird sie nie vergessen. „Handball war viele Jahre mein Lebensinhalt“, sagt Pauline Radke. „Es geht immer weiter“, sagt sie, wenn sie nun in die Zukunft mit neuen Inhalten schaut.

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