Lorsch

Frauen Union Christine Klein referierte beim Frauenfrühstück über ein ernstes Thema / Plätze in Hilfseinrichtungen reichen nicht aus

Häusliche Gewalt: Es geht um Kontrolle und Macht

Archivartikel

Lorsch.Jede vierte Frau habe schon körperliche oder sexuelle Gewalt durch den Freund oder Ehemann erlebt, aber nur elf Prozent hätten sich Hilfe geholt. 82 Prozent aller getöteten Frauen seien durch ihre Partner ums Leben gekommen. Bei all diesen Fällen gehe es immer um Kontrolle und Macht, sagt Christine Klein. Die Vorsitzende des Frauenhauses Bergstraße referierte beim Frauenfrühstück der Frauen Union über ihre Arbeit und ihre Erfahrungen mit Betroffenen, die mit häuslicher Gewalt konfrontiert worden sind.

Zunächst erläuterte sie anhand von europaweit erhobenen Statistiken, wie oft und in welchen Erscheinungsformen Gewalt im häuslichen Bereich vorkommt. Einen Anteil von 20 Prozent machen demnach körperliche und sexuelle Gewalttaten aus. In 43 Prozent der Fälle geht es um psychische Gewalt, bei der auch soziale und finanzielle Aspekte eine Rolle spielen.

Körperliche sexuelle Gewalt durch Erwachsene an Kindern und Jugendlichen ist in 30 Prozent der Fälle im Spiel.

Nach den Erfahrungen von Christine Klein leiden viele Frauen unter der Gewalt ihrer Ehemänner oder Partner, wollen aber den Schein eines guten Familienlebens nach außen wahren. So würden sie oftmals erst nach vielen Jahren Hilfe bei Beratungsstellen oder in ganz schlimmen Fällen im Frauenhaus suchen. Zu den Gewalttaten gehören etwa Schläge, Tritte oder Ohrfeigen. Bei der psychischen Gewalt seien es Beschimpfungen, Drohungen bis hin zu Morddrohungen.

Bei der sexuellen Gewalt sei auch Zwangsprostitution ein Thema. Und zur sozialen Gewalt gehörten die Kontrolle über die Frau, Eifersucht, und Einsperren.

Auch über das Internet werde vermehrt psychische Gewalt auf Frauen ausgeübt, ergänzte Christine Klein.

Die Gewaltspirale fange häufig ganz langsam an und baue sich dann immer weiter auf. Wichtig sei es, so die Frauenhaus-Vorsitzende, dass schon im Elternhaus positive Konfliktlösungen vorgelebt und den Kindern beigebracht werden.

Oftmals entstünden Gewaltsituationen zudem aus den Lebensumständen der Betroffenen. Arbeitslosigkeit, Alkoholismus, Krankheit oder ein Umzug können in die Gewaltspirale treiben. Aber auch Traditionen spielten bei Paaren mit Migrationshintergrund eine Rolle. Die betroffenen Männer verhinderten, dass ihre Ehefrauen die deutsche Sprache erlernen. Das führe zu einer Abhängigkeit.

In den Beratungsstellen werden die Frauen angehört. Die angebotene Unterstützung könne je nach Einzelfall sehr verschieden ausfallen. Häufig kommen nach Angaben von Christine Klein Frauen mit einfachem Bildungsstand zum Frauenhaus, um sich Hilfe zu holen. Nicht selten hätten sie körperliche Verletzungen bis hin zur Gehirnerschütterung. Aber auch Magen- und Darmprobleme durch die länger andauernden psychischen Belastungen seien häufig.

Und auch die Kinder seien von häuslicher Gewalt betroffen, denn 93 Prozent der Kinder erleben die Gewalt im Elternhaus mit, so die Referentin. Die Mädchen und Jungen reagieren auf die Vorkommnisse mit Entwicklungsstörungen, Bettnässen, Schlafproblemen und gestörtem Sozialverhalten. Unter dem Strich entstünden dem Staat dadurch Folgekosten von 15 Milliarden Euro, bezifferte die Referentin. Das Frauenhaus Bergstraße kümmere sich nicht nur um betroffene Frauen, auch die Kinder erhalten Hilfe durch sozialpädagogische Betreuung und durch eine geregelte Tagesstruktur. Finanziert werden die Einrichtungen durch das Land Hessen, durch den Kreis Bergstraße, durch die Kommunen und den Verein Frauenhaus Bergstraße.

Dennoch sei die finanzielle Situation angespannt, so Klein. Die Plätze des Frauenhauses reichten nicht aus und seien immer belegt. Daher hoffe man auf eine bessere Unterstützung durch die Politik.

Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker Rhein-Neckar
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel