Lorsch

BdV Heimatvertriebene erinnerten an ihre Geschichte

Oft gab es kein Willkommen

Archivartikel

Lorsch.Zu einem Festabend unter dem Thema „Musikalisches und Kulinarisches“ hatte der Vorstand des Bundes der Vertriebenen (BdV) Lorsch Mitglieder und Freunde vor einigen Tagen in den Paul-Schnitzer-Saal eingeladen. Den musikalischen Teil bewältigte das Kammermusik-Duo Petra Weis (Flügel) und Sorin-Dan Capatina (Violine) mit Bravour. Sie spielten unter anderem von Antonio Vivaldi das Stück „Der Frühling“ aus der Komposition „Vier Jahreszeiten“. Von Frédéric Chopin erklang die Sehnsuchtsmelodie „Tristesse“.

Von Abschied und Ankunft

Das begeisterte Publikum spendete Beifall, insbesondere bei dem flotten rumänischen Volkslied von Capatina, der aus Rumänien kommt. Birgit Grüner, Vorsitzende des BdV Lorsch, erinnerte in einer kurzen Ansprache daran, dass Abschied und Ankunft zum Leben von Heimatvertriebenen gehörten. Der Abschied aus ihrer alten Heimat sei vielen schwer gefallen. Schwierig sei auch die Ankunft in der neuen Heimat gewesen, weil die Einheimischen die Vertriebenen oft nicht willkommen geheißen hätten. Diese Probleme hätten sich aber mit der Zeit gelöst.

Bürgermeister Christian Schönung begann sein Grußwort mit einem Zitat von Max Mannheimer: „Ihr seid nicht schuld an dem, was war, aber verantwortlich dafür, dass es nicht mehr geschieht“. Er erinnerte an die vielen Millionen Menschen, die nach dem Zweiten Weltkrieg hierher kamen. Heute lebten sie, auch mit ihren Nachkommen, meistens glücklich im wiedervereinigten Deutschland. Schönung erinnerte auch an die Menschen, die heute unter Krieg und Vertreibung leiden und an die Menschen an der Grenze Griechenlands.

Schönung sprach über die wichtige Aufgabe bei der Entwicklung einer neuen und modernen interkulturellen Gesellschaft, in der jeder eine neue Heimat finden kann, der die alte zu verlassen gezwungen war. Schönung erklärte: „Wenn die Menschen verschiedener Generationen und Nationalitäten sich begegnen, auch in den Kommunen, dann schaffen sie die wichtigste Voraussetzung für Verständigung und Zusammenarbeit unter den Völkern.“

Nur so bleibe das Fundament für einen dauerhaften Frieden und die Wahrung der Menschenrechte erhalten. Zukunft brauche Erinnerung, der Blick in die Vergangenheit schärfe den Blick auf die Gegenwart und die Zukunft. Diese könne in Europa nur in Gemeinsamkeit gelingen.

Grußworte sprach auch Brigitte Sattler, die Vorsitzende des BdV Bensheim. Der SPD-Kreisbeigeordnete Karsten Krug dankte Birgit Grüner, dass sie die schwierige Aufgabe übernommen habe, den Vorsitz des BdV zu übernehmen.

Dank an Josef Wanke

Sein Dank galt aber auch ihrem Vorgänger Josef Wanke. Er habe in langen Jahren für die Rechte der Heimatvertriebenen gekämpft. Der Kreis Bergstraße engagiere sich für die Völkerverständigung, insbesondere mit den Ländern im Osten Europas, wie er selbst erleben durfte, machte Karsten Krug in seiner Rede deutlich.

Demokratie müsse bei der Völkerverständigung eine wichtige Rolle spielen. Beschlossen wurde die Feierstunde in Lorsch mit einem köstlichen und abwechslungsreichen Büffet. ml

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