Lorsch

9. November Gedenken an die Opfer der Pogromnacht / Jugendrat und Thilo Figaj lesen Augenzeugenberichte vor

Projektion der Synagoge

Lorsch.Auch in Lorsch griffen Bürger am 9. November 1938 zu Benzinkanistern und setzen das stolze Gotteshaus der Juden, Symbol und Mittelpunkt der Gemeinde, in Brand. Die Feuerwehr, damals unweit des Brandortes in der Kirchstraße 5 stationiert, griff nicht ein, erinnert aus Anlass des Gedenkens an die Pogromnacht die Lorscher Stadtverwaltung.

„Drei Augenzeugenberichte liegen über diese Nacht vor, in der Nachbarn zu Verbrechern wurden, angestiftet durch eine menschenverachtende Diktatur, unterstützt durch eine schweigende Mehrheit“, heißt es in einer Pressemitteilung aus dem Lorscher Kulturamt.

Genau 80 Jahre liegt die Reichspogromnacht zurück. Sie gilt als Auftakt für die organisierte und flächendeckende Zerstörung, Schändung, Vertreibung und Verschleppung unter der Naziherrschaft, die den Holocaust für jüdische Mitbürger brachte, auch in Lorsch. Am Ende waren sechs Millionen jüdischer Frauen, Männer und Kinder auf bestialische Weise ermordet worden, das jüdische Leben in Deutschland war ausgerottet.

Im Mittelpunkt der diesjährigen Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht steht deshalb die einstige Synagoge, wie sie in Lorschs Stadtmitte gemeinsam mit der evangelischen und katholischen Kirche ihren Platz hatte. Der Magistrat lädt alle Bürger zunächst um 18 Uhr zur Gedenkstätte in der Schulstraße ein. Dort wird Bürgermeister Christian Schönung sprechen.

Kirchen läuten ihre Glocken

Danach gehen alle Teilnehmer gemeinsam in die Kirchstraße. Dort wird es eine Großprojektion der Synagoge in unmittelbarer Nähe des einstigen Standortes geben. Die Synagoge stand einst in der Bahnhofstraße 10. Thilo Figaj und der Lorscher Jugendrat werden in der Kirchstraße die Augenzeugenberichte von drei Lorscher Jüdinnen und Juden verlesen, die die Pogromnacht in Lorsch miterleben mussten.

Auch beide Lorscher Kirchengemeinden werden sich bei der Gedenkveranstaltung einbringen. Unter anderem werden die Glocken der Gotteshäuser ab 18.15 Uhr für eine Viertelstunde gemeinsam läuten.

„Die Stadt lädt zur Gedenkveranstaltung am 9. November um 18 Uhr ein, aus Respekt für und aus Trauer um unsere ehemaligen jüdischen Nachbarinnen und Nachbarn. Aber es gilt auch, aus diesen schrecklichen Lehren heute und jetzt eine geläuterte und menschliche Haltung gegenüber andersgläubigen und anders sozialisierten Menschen in unserer Mitte unverrückbar einzunehmen und dafür einzutreten“, heißt es in der Mitteilung der Stadt. red

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