Lorsch

Umstrittenes Bauvorhaben Bürgermeister Schönung erklärt, was für den Parkplatz-Ost spricht – und wieso Autos am Karolingerplatz tabu bleiben sollen

Risiko: Aberkennung des Welterbe-Titels

Lorsch.Um den geplanten Bau eines Parkplatzes nahe des Besucherinfozentrums wird in Lorsch seit Jahren heftig diskutiert. Kritik gab es unter anderem am Standort jenseits der Weschnitz, am Flächenverbrauch sowie an den Kosten. Infrage gestellt wurde auch die Notwendigkeit eines Parkplatz-Baus an sich. In den entscheidenden Sitzungen stimmte die Stadtverordnetenversammlung – zuletzt direkt vor der Sommerpause – aber mit deutlicher Mehrheit für die Flächennutzungsplanänderung und den Bebauungsplan. Nun wird die Genehmigung vom Regierungspräsidium Darmstadt erwartet (BA berichtete). „Danach wird der Bebauungsplan durch Bekanntmachung rechtskräftig gesetzt. Damit sind alle baurechtlichen Voraussetzungen zur Umsetzung des Ankunftsortes in der Weschnitzaue geschaffen“, erinnert die Stadt Lorsch in einer Pressemitteilung.

Im Rahmen des Beteiligungsverfahrens zur Flächennutzungsplanänderung sorgte das Bauprojekt für eine Rekordzahl an Stellungnahmen. Auch beim Magistrat mit Bürgermeister Christian Schönung an der Spitze und in der Stadtverwaltung haben Bürger eine Menge Fragen zum Parkplatz-Ost gestellt. Zum Beispiel: Wurde der Parkplatz anhand falscher Besucherzahlen geplant? Warum soll er jenseits der Weschnitz liegen? Wurden Alternativen geprüft? Und: Wieso entsteht kein Parkplatz auf dem Karolingerplatz?

Letzteres liegt daran, dass der ehemalige Festplatz mit fast 900 000 Euro und Mitteln des Stadtumbauprogramms als Schotter-Rasenfläche mit Bäumen angelegt wurde. „Mit der Annahme der Fördergelder stimmten die Stadtverordneten der Bedingung zu, dass damit nur in Ausnahmefällen und bis zur Schaffung des neu geplanten Parkplatzes geparkt werden darf“, erinnert Schönung. Würde man den Platz in einen Stellplatz zurückverwandeln, „droht zweierlei“, so der Verwaltungschef: „die Aberkennung des Unesco-Titels (siehe Dresden) und die Rückforderung der Fördermittel“. Denkmalschutzbehörden sprachen sich wiederholt gegen das Parken am Karolingerplatz aus. Die internationale Organisation für Denkmalpflege Icomos, Beraterorganisation der Unesco, habe „eindringlich geraten“, dass in der Umgebungszone des Welterbes kein Parkplatz liegen, beziehungsweise dieser zurückgebaut werden sollte, so Schönung.

Wurde der Parkplatz anhand falscher Besucherzahlen geplant?

Nein, sagen die Befürworter. „Der Parkplatz in seiner Gesamtgröße wurde anhand der Annahme geplant, dass das Welterbe jährlich 58 000 Besucher hat. Nun soll zunächst nur eine Hälfte umgesetzt werden. 2015 bis 2017 wurden im Mittel 52 767 Tickets verkauft. Obwohl es auch schon heute Gäste gibt, die zwei Führungen buchen, steht diesen eine sicherlich höhere Zahl von Besuchern gegenüber, die das frei zugängliche Welterbe anschauen, ohne an einer Führung teilzunehmen. Da das Welterbe weiter entwickelt wird, ist von einer weiterhin steigenden Tendenz auszugehen: Die Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten, deren Prognosen sich bislang bestätigten, rechnet bis 2030 pro Jahr mit 100 000 Besuchen. Der Parkplatz muss nicht nur für heute genügen, sondern vielmehr auch zukünftig passen“, heißt es in der Mitteilung der Stadt.

Wieso wird er jenseits der Weschnitz an der B 460 gebaut?

Der prämierte Entwurf für die Neugestaltung des Welterbe-Areals sieht die Erschließung von Osten her vor. Deshalb wurde mit dem Besucherinfozentrum der erste Teil einer Ankunftssituation schon für etwa zwei Millionen Euro geschaffen. Mit dem Bau an der B 460 ist die Anbindung des Welterbes an den Öffentlichen Personennahverkehr gegeben, der touristische Verkehr werde „aus der Stadt herausgehalten“.

Wurden andere Vorschläge überprüft?

Ja, erinnert die Stadt in ihrer Mitteilung: „Obwohl durch den Bau des Besucherinfozentrums schon zwei Millionen Euro ausgegeben wurden, wurden alle 15 vorgeschlagenen Alternativen von einem dafür berechtigten Planungsbüro unter Hinzuziehung der Träger öffentlicher Belange überprüft. Am Ende kristallisierte sich der Platz östlich der Weschnitz klar als der beste heraus. Der Bau- und Umweltausschuss schloss sich dieser Ansicht in einer öffentlichen Sitzung im September 2014 an und stimmte für die Umsetzung.“ Umweltschutz, Flächenverbrauch, Belange der Landwirtschaft, Vorkommen seltener Arten, verkehrstechnische Anbindung, Entfernungen bis zum Eintritt ins Welterbe, Einbindung ins Landschaftsbild, unkomplizierte Erreichbarkeit waren Kriterien, die verglichen wurden.

Ist es nicht unverantwortlich, schon wieder eine Fläche zu versiegeln?

Der Parkplatz wird nicht versiegelt. Die Oberfläche wird so gestaltet, dass das Regenwasser dort versickern kann. Nur die Fahrspuren müssen asphaltiert werden, so Schönung. Flächenverbrauch würde auch an jeder anderen Stelle entstehen. Der Parkplatz solle sich zudem am Projekt „Der ökologischste Parkplatz Deutschlands“ der Uni Karlsruhe orientieren, mit der Kontakt aufgenommen wurde. Zusätzlich sei an der Stelle die Renaturierung von Weschnitz und Meerbach geplant.

Der Parkplatz soll zwei Millionen Euro kosten – ist das nicht Verschwendung von Steuergeld?

Der Parkplatz – wie er in seinem ersten Erschließungsschritt geplant ist – soll 1,5 Millonen Euro kosten, so die Stadt. „Steuergeldverschwendung wäre es, eine mit dem Besucherinfozentrum und zwei Millionen Euro schon geschaffene Ankunftssituation nicht fertigzustellen, weil man am Eingangsgebäude des Welterbe-Areals keinen Eingang schafft. Zur Frage der Kostenübernahme gibt es eine mehrfach wiederholte öffentliche Aussage des Magistrates, dass die Stadt hier nicht Trägerin der Maßnahme sein wird“, so Bürgermeister Schönung.

Wird das Parken auf dem Areal kostenlos sein?

Gedacht ist derzeit an eine Gebühr, heißt es von der Stadt. Der Besucherparkplatz soll ähnlich dem Wohnmobilstellplatz auch Gelder einspielen. Zudem könnte Lorsch auch für das nahegelegene Naturschutzgebiet Erlache als Stellplatz dienen sowie ans überregionale Radwegenetz angeschlossen werden. „Sowohl bei Sonderveranstaltungen im Besucherinfozentrum als auch beispielsweise bei den Lorscher Stadtfesten dient er als Anlaufstelle“, erklärt dazu Bürgermeister Christian Schönung. sch/red/Bild: Funck

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