Lorsch

Raus in den Garten Als Alternative zum eigenen Garten ist der Balkon bei wenig aufwendiger Pflege ein Wohlfühlort in der Stadt / Bei Gestaltung und Nutzung gibt es einiges zu beachten

So wächst die grüne Oase auf wenigen Quadratmetern

Archivartikel

Bergstraße.Die Vorstellung ist eigentlich klar. Eine grüne Oase soll es werden: mit einer Liege fürs Sonnenbad, einem kleinen Tisch fürs Sonntagsfrühstück und zwei bequemen Sesseln oder Stühlen, um an warmen Abenden mit einem Glas Wein zwischen duftenden Thymian- und Rosmarinsträuchern zu sitzen. Die ernüchternde Realität: Mein dreieinhalb Quadratmeter großer Balkon erinnert derzeit eher an eine Steinwüste als die erträumte Wohlfühlzone.

Gedeihen tut hier noch gar nichts – nicht einmal Unkraut zwischen den grau-beigen Steinplatten. Knapp einen Monat nach dem Einzug hatten Küche und Wohnzimmer zunächst oberste Priorität, der Balkon war bislang nur ein Getränkelager. Das soll sich nun ändern. Zeit für eine Bestandsaufnahme und einen Schritt-für-Schritt-Plan zum modernen Großstadtdschungel.

Entscheidend für die Balkongestaltung ist zunächst die Lage: Süd-, West- und Nordbalkon können nämlich unterschiedlich genutzt und auch bepflanzt werden. Mit einer Ausrichtung nach Westen habe ich zumindest für den Sonnenuntergang die perfekte Ausgangslage, denn Sonne gibt es hier ab mittags bis in die Abendstunden hinein. Favorit unter den Balkonen ist allerdings die Südlage, die von vormittags bis nachmittags von der Sonne gewärmt wird.

Ostbalkone sind hingegen für all jene interessant, die morgens schon mit der Sonne im Gesicht den ersten Kaffee des Tages trinken oder ausgedehnt frühstücken möchten. Die unbeliebteste Variante unter den Balkonen ist der Blick nach Norden. Diese Fassadenseite wird von der Sonne nie angestrahlt – dadurch gibt es aber immerhin keine störenden Reflexionen auf Laptop oder Tablet. So lassen sich Nordbalkon und -terrasse zumindest als Arbeitszimmer im Freien nutzen.

Nächster Schritt: die Bepflanzung. Mehreren Umfragen zufolge sind Geranie und Petunien noch immer die Nummer eins auf deutschen Balkonen. Wer sich von der rosafarbenen Pracht in grünen Blumenkästen abheben möchte, findet als Balkonneuling im Gartencenter eine schier endlose Auswahl. „Sie müssen beachten, dass die Pflanzen nur ein- bis zweimal im Jahr blühen“, erklärt der Experte im Gartenmarkt.

Wer es also durchgängig bunt auf dem Balkon haben möchte, sollte die Blütezeiten aufeinander abstimmen. Der Experte empfiehlt für Einsteiger den Hibiskus, der von Juni bis August meist mehrere Wochen lang blüht. Aber auch die Zier- oder Blutjohannisbeere werde gern für den Balkon gekauft. Deren Blütendolden sehen von weitem wie die roten Rispen der Johannisbeere aus.

„Bis auf Magnolien und Obstbäume können Sie alles im Topf halten“, rät man mir im Gartenmarkt. Auch Beetstauden lassen sich auf kleinstem Raum im Topf oder Hochbeet halten, etwa die Flammenblumen. Im Allgemeinen darf alles, was in den Außenbereichen der Gartencenter und Baumärkte steht, auch auf den Balkon – bei Frost müssen empfindliche Pflanzen wie Zitrus- oder Olivenbäumchen allerdings eingepackt werden.

Kräuter für die Küche

Bei winterfesten Kräutern sollte darauf geachtet werden, dass sie nicht zu viel Regenwasser abbekommen. Speziell für den Westbalkon eignen sich zudem Duftpflanzen wie Ziertabak, Nachtviole, Wunderblume, Engelstrompete und Nachtkerze. Wer zudem noch Zutaten für das Abendessen ernten möchte, kann auf der halbschattigen Westseite Salbei, Minze, Petersilie oder Zitronenmelisse anbauen.

Selbst Tomatenstauden und Gurkenpflanzen gibt es in der Balkonvariante, die auch auf wenig Platz eine Ernte abwirft. Einziger Nachteil des Westbalkons: Durch die Lage kann es dort besonders windig werden. Balkonkästen sollten daher mit Klammern am Geländer gesichert und lieber schwere Blumenkübel statt kleiner Tontöpfe aufgestellt werden. Auch die Möblierung sollte dementsprechend kompakt ausfallen.

Beim Blick auf die Etiketten wird allerdings schnell klar: Der Traum von der grünen Oase hat seinen Preis. Je weiter die Pflanze vorgezogen wurde, desto teurer ist sie – bestes Beispiel ist wohl der hochgewachsene Olivenbaum. Eine sinnvollere und nachhaltigere Alternative: Bei Familie und Freunden um Ableger bitten. Denn viele Sorten lassen sich teilen oder mit Geduld und Wasser vermehren. Der Vorteil: Man kann sicher sein, dass die Pflanzen auch wirklich gedeihen.

In meinem Fall ist der Experte in der Familie meine Mutter. Die Hortensien, die sie in den vergangenen Sommern gezüchtet hat, würden nicht annähernd auf meinen Balkon passen. Selbst eine echte Aloe aus Sevilla hat sie zum Wachsen gebracht. Neben dem neugekauften Hibiskus werden also auch selbst gezogene Hortensien und Aloe-vera-Pflänzchen die graue Steinwüste nach und nach in die erhoffte grüne Oase verwandeln. red

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