Lorsch

Museumszentrum Tabak- und Klostergeschichtliche Abteilungen wieder geöffnet / Schau „Kindheit im Mittelalter“ läuft nun bis Juni

Sonderausstellung verlängert, aber ohne die Mitmach-Angebote

Archivartikel

Lorsch.Bei den Kuratorinnen Berenike Neumeister und Patricia Scheuermann sowie Welterbestättenleiter Hermann Schefers war die Freude groß gewesen. Eine Sonderausstellung hatten sie am 29. Februar eröffnen können: „Kindheit im Mittelalter“. Besonderheit der Schau im Museumszentrum waren neben den Objekten in Vitrinen und den Texttafeln dazu die umfangreichen Mitmach-Angebote, die vor allem junge Familien ansprechen sollten. Das Konzept kam gut an. Von vielen „positiven Reaktionen“ berichtete gestern Berenike Neumeister auf Nachfrage. Viel Zeit blieb interessierten Besuchern allerdings nicht. Corona kam dazwischen. Wegen der Pandemie musste die Ausstellung schon nach gut zwei Wochen geschlossen werden.

Seit gestern nun ist der große Raum im Obergeschoss des Museumszentrums wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Sie sei „sehr dankbar“, dass die Türen wieder geöffnet werden können, sagt Neumeister. Die Sonderausstellung, die ursprünglich Ende April abgebaut werden sollte, wird nun verlängert. Sie läuft jetzt bis Mitte Juni. So wie gedacht, kann „Kindheit im Mittelalter“ allerdings derzeit nicht erlebt werden. Die Ausstellung muss wegen der inzwischen geltenden Abstands- und Hygieneregeln jetzt erst einmal weitgehend ohne die Mitmach-Angebote auskommen. „Ausgerechnet diese Ausstellung“, seufzt Neumeister.

Kein Gebet auf Knopfdruck

Neumeister war gestern gemeinsam mit Team-Mitarbeitern noch damit beschäftigt, den Rundgang gemäß den Auflagen neu zu gestalten. Mit Flatterband wird ein Teil der Ausstellung abgesperrt. Die begehbaren Szenen, die Besucher an charakteristische Spiel- und Arbeitsplätze der Kinder anno dazumal führten, werden neu arrangiert. Auf dem Steckenpferd reiten können die jungen Museumsbesucher momentan nicht, auch die Angelruten, mit denen Kinder einst auf dem Hof eines Gutsherren beim Fischfang helfen sollten, sind weggepackt worden. Der Push-Button, der auf Knopfdruck das Vaterunser in lateinischer Sprache hören ließ, musste gleichfalls abgeschaltet werden, bedauert die Kuratorin. Auch das Angebot an den Rätselstationen musste stark reduziert werden. Objekte zum Anfassen und Ausprobieren mussten in den Hintergrund geräumt werden, Text-Informationen sind dafür jetzt vorne an den Rahmen der Schaubilder angebracht. Eine Einstimmung auf Kindheit im Mittelalter sei mit dem Besuch der auch um Online-Angebote ergänzten Ausstellung weiterhin möglich, ist Neumeister überzeugt.

Schweinsblase als Luftballon

Zumal in den verbleibenden Vitrinen einiges zu sehen ist. Typisches Spielgerät wie eine kleine Armbrust und ein Mini-Schwert etwa. Oder ein Peitschenkreisel, eine Flöte und Schweinsblasen, die als Bälle genutzt oder als Luftballons geliebt wurden, die man zum Platzen brachte. Die meisten Kinder bastelten ihr Spielzeug früher selbst, erfährt der Museumsbesucher.

Die Ausstellung behandelt zudem unter anderem Themen wie die hohe Sterblichkeitsrate bei Säuglingen, die Mutter- und Vaterrollen und auch den Kinderkreuzzug im Jahr 1212. Neben den Informationen zu Erziehung, Unterricht und Spiel gibt es auch einige Originalfunde aus Lorsch zu sehen, die bislang noch nicht öffentlich ausgestellt waren: kleine Tongefäße, Griffel und Spielsteine zum Beispiel.

Zu den Vorgaben für den Ausstellungsbesuch gehört jetzt, dass Kinder in Begleitung eines Erwachsenen bleiben müssen und dass die Zahl der Besucher, die sich gleichzeitig im großen Raum aufhalten dürfen, auf maximal 15 beschränkt ist. Viele Eltern dürften aber froh sein, in der Zeit der Krise einen weiteren Ort zur Verfügung zu haben, der gemeinsam besucht werden kann, meint Neumeister. Und sollten weitere Lockerungen erlaubt werden, würden diese natürlich mit Freude auch in Lorsch umgesetzt.

Zu den allerersten Besuchern, die sich in der wiedereröffneten Ausstellung gestern umschauten, gehörte zwar keine junge Familie, aber ein Ehepaar im besten Alter. Es war aus Wiesbaden angereist und verbrachte, weil weit wegfahren nicht möglich ist, einen Urlaubstag in Lorsch. Die beiden Gäste nutzten die Chance, neben der Sonderausstellung auch die wieder geöffnete ständige Tabak- und die Klostergeschichtliche Abteilung im Haus zu besuchen.

Drei Euro für das gesamte Haus

Das gesamte Museumszentrum kann derzeit zum Preis von drei Euro besichtigt werden. Legt man noch einen Euro drauf, dann ist für insgesamt vier Euro zusätzlich auch ein Abstecher ins Obergeschoss der Königshalle möglich.

Die Sonderausstellung „Kindheit im Mittelalter“ ist noch bis zum 12. Juni jeweils dienstags bis sonntags zwischen 10 und 17 Uhr geöffnet. Eine weitere Verlängerung der Schau ist insofern ausgeschlossen, als im Anschluss eine Fotoausstellung im Terminkalender steht.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel