Lorsch

Ehrenamtliches Projekt Internationaler Preis für Lorscher

Tabakpflanzer wurden geehrt

Archivartikel

Lorsch.Aus heiteren Himmel traf die Aktiven des Tabakprojekts vor einigen Tagen die Nachricht, dass ihre Initiative mit einem internationalen Preis ausgezeichnet wird: Am Freitag erhielten die Lorscher Tabakpflanzer die Cigar Trophy „Ambassador 2018“ bei der Messe InterTabac in den Dortmunder Westfalenhalle.

Der Award wird jährlich Personen oder Organisationen verliehen, die sich durch besonders kommunikative Leistungen rund um die Zigarrenkultur als Botschafter der Zigarre verdient gemacht haben, so Reinhold C. Widmayer vom Cigar Journal. Das internationale Magazin vergab jetzt den Preis im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung. Aus Lorsch waren in Vertretung der gesamten, etwa 25-köpfigen Gruppe vier Vertreter angereist, darunter Projektleiter Bernhard Stroick und Kulturamtsleiterin Gabi Dewald.

Das Cigar Journal gibt es seit 24 Jahren, es erscheint in drei Sprachen in 56 Ländern. Zum 18. Mal verlieh das Magazin die Cigar Trophy, einen Preis, bei dem Leser die beste Zigarre weltweit nominieren und wählen.

Die Ambassador Trophy jedoch ist eine Auszeichnung, die redaktionsintern vergeben wird. „Darauf sind wir besonders stolz“, so Stroick. „Dass uns die Fachwelt, die einen weltumspannenden Überblick und Vergleich hat, für die Auszeichnung benennt – das tut uns allen gut.“

Regionales Vorzeigeprodukt

Immer wieder hat das Projekt auch mit Gegenwind zu kämpfen – meist von Leuten, die das Thema Tabak auf die krebserregende Wirkung bei übermäßigem Genuss reduzieren, so Dewald. Doch den Lorschern gehe es um die kulturanthropologischen Zusammenhänge, die durch die jahrhundertelange Tradition des Tabakanbaus und der Tabakverarbeitung die Metropolregion prägten. Dewald: „Wer würde den Wein verteufeln, anstatt demjenigen die Schuld zu geben, der durch übermäßigen Genuss, also Missbrauch, am Alkoholabusus zugrunde geht?“ Wie die überwiegende Mehrheit der Projektler ist sie Nichtraucherin. „Alle Welt redet von Entschleunigung, von regionalen Produkten und kurzen Wegen – unsere Zigarre ist diesbezüglich ein Vorzeigeprodukt.“ Über 60 Prozent Lorscher Tabak stecken in der Lorsa Brasil, einem Shortfiller im Corona-Format.

Das Lorscher Tabakprojekt baut mit einer Gruppe Freiwilliger seit fünf Jahren wieder Tabak an. Von der Aussaat bis zur Fermentierung wird der Geudertheimer Tabak in Lorsch gemeinsam gepflegt, ehe er in einer nordbadischen Manufaktur zur Lorsa Brasil gerollt wird. Seit kurzem steht man mit einem Frankfurter Designunternehmen in Kontakt, das Leder aus Tabak herstellen will und Lorscher Tabak zu Versuchszwecken bekam.

Doch auch international ist die Truppe aktiv: Im Frühjahr reisten Vertreter nach Kuba, um dort mit Tabakbauern zu arbeiten. Nun wurde ein universitäres Austauschprojekt zwischen Bremen und Pinar del Rio angestoßen und das Kulturamt arbeitet an einem bundesländerübergreifenden Unesco-Antrag. red

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