Lorsch

Weschnitzinsel

„ZDF-Beitrag war für mich Hammer der Woche“

Der als „Hammer der Woche“ angekündigte ZDF-Bericht über die Beobachtungshütte an der Weschnitzinsel am Wochenende ließ nichts Gutes erahnen. Dass sich eine öffentlich-rechtliche Sendeanstalt für so eine miserable Reportage hergibt, ist aber beschämend. Den „Hammer der Woche“ hat sich der „Länderspiegel“selbst geleistet.

Eine so miserabel recherchierte und völlig falsch dargestellte Situation an der neuen Beobachtungshütte im Naturschutzgebiet Weschnitzinsel von Lorsch hätte ich nicht erwartet. Ich dachte, man könnte diesen Sendungen Vertrauen schenken, sie nicht in die Rubrik der Fernsehmacher stecken, die mit Effekthascherei auf Zuschauerquoten aus sind. Etwas ordentlich darzustellen, die richtigen Perspektiven für die Kamera zu suchen, Insider zu befragen, auch andere Meinungsäußerungen zu berücksichtigen – all das, was guten Journalismus ausmacht, haben die Produzenten vermissen lassen.

Vogelschützer haben gute Sicht

Die TV-Macher hätten einen der zahlreichen Ornithologen befragen können, die seit Jahren Monitoringarbeit im Schutzgebiet leisten, bisher meist vom Hans-Ludwig-Turm aus. Die sind nämlich froh über die neue Möglichkeit, größere Teile des Gebietes erfassen zu können und nicht immer gegen die Sonne sehen zu müssen, wie es vom Turm aus der Fall ist. Wenn wir „Ornis“ von dort aus beste Sichtverhältnisse für unsere Erfassungsaufgaben haben, dann frage ich mich, was denn der „normale“ Besucher noch sehen will, was uns scheinbar entgeht.

Dass der neue Beobachtungsplatz auch für die Bedürfnisse von Menschen geplant wurde, die die Höhe und die steilen Treppen des Turms nicht mehr schaffen, ist den Filmemachern genauso entgangen, wie die Möglichkeit, bei unseren Exkursionen dort Gruppen das Naturschutzgebiet zu präsentieren, was auf dem Turm nicht möglich ist.

Dass die Alte Postbrücke so hermetisch verbarrikadiert werden musste, weil die ordentliche Absperrung während der Bauphase des neuen Weschnitzlaufs ständig zerstört wurde, ist den vielen uneinsichtigen Besuchern des Gebietes zu verdanken, die sich seit Jahrzehnten dort so verhalten, dass mehr und mehr Arten das Gebiet verlassen haben. Das hätte man erwähnen können. Außer den Besuchern mit negativer Meinung zur Beobachtungshütte hätte man auch Naturschützer oder Fotografen befragen können, die sich dort oft aufhalten.

Von wegen Schildbürgerstreich

Seit Jahrzehnten werden die Weschnitzinsel und das Rückhaltebecken von zahlreichen Betreuern gepflegt, bewacht und gehegt. Es ist gelungen, den bedeutenden Trittstein auf dem Vogelzug durch Vereinigung und Renaturierung der Weschnitzläufe optimal und für viel Geld zu gestalten – und dann wird die Arbeit der Ingenieure, Planer, Biologen, Behörden, Politiker, Bürger und Bauern, die auf Land verzichten, mit ein paar Sendeminuten als Schildbürgerstreich und Verschwendung von Steuergeld dargestellt. Das kann es nicht sein und darf so nicht passieren!

Ich hoffe, dass man beim ZDF über das einmalige Naturschutzgebiet und die gelungene Renaturierungsmaßnahme eine eigne Sendung gestaltet, um den „Hammer der Woche“ in ein geeignetes Werkzeug zum Schutz der Artenvielfalt in diesem Kleinod umzuformen. Gerne stelle ich mich als Vorsitzender des NABU Heppenheim, Beauftragter der Vogelwarte für Hessen, Rheinland-Pfalz und das Saarland sowie Schutzgebietsbetreuer des RP mit Kollegen beratend zur Verfügung.

Günther Hagemeister

Lorsch

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