Zwingenberg

Arbeitskreis Synagoge Ulrike Jasper-Kühnhold lädt für 18. August zu einer Exkursion nach Frankfurt ein

Über die Verstrickung von IG Farben und Nazi-Staat

Archivartikel

Zwingenberg.Der IG-Farben-Konzern war auf mehrfache Weise in die Vernichtungsmaschinerie des Nazi-Regimes verstrickt. Gelenkt wurden diese Aktivitäten aus der Frankfurter Verwaltungszentrale des Unternehmens. Bei einem Rundgang durch dieses 250 Meter lange Gebäude und zum Norbert Wollheim-Memorial informiert Ulrike Jaspers-Kühnhold, stellvertretende Vorsitzende des Arbeitskreises Zwingenberger Synagoge, über Details der Kooperation zwischen IG Farben und Nazi-Staat.

Die etwa eineinhalbstündige Führung findet am 18. August, Samstag, ab 15 Uhr statt. Treffpunkt zur Abfahrt mit Privatautos in Fahrgemeinschaften ist um 14 Uhr der Netto-Parkplatz (Platanenallee 1-3) in Zwingenberg. Eine Anmeldung unter Telefon 06251/72171 ist bis zum 15. August erforderlich.

Treffpunkt in Frankfurt ist der Haupteingang des IG-Farben-Gebäudes, Campus Westend, Goethe-Universität, Norbert-Wollheim-Platz 1. In der Pressemitteilung des AK Synagoge heißt es weiter:

Mit den IG Farben entsteht 1925 das größte Chemieunternehmen der Welt. Für dieses gigantische Unternehmen, zu dem unter anderem Hoechst, Bayer und BASF gehören, entwirft der Architekt Hans Poelzig Ende der Zwanziger Jahre ein repräsentatives Verwaltungsgebäude in Frankfurt. Seit 2001 nutzen die Goethe-Universität und das Fritz-Bauer-Institut das Gebäude.

Mehr als eine Million Opfer

Einige Details zur Zusammenarbeit zwischen dem IG-Farben-Konzern und den Nationalsozialisten, die über eine Million Opfer unter Juden und politisch Andersdenkenden forderte:

IG Farben baut zusammen mit der Schutzstaffel (SS) der Nazis ein eigenes Konzentrationslager (KZ) in der Nähe von Auschwitz auf.

Die Marburger Behringwerke, eine Tochter der IG Farben, liefert Fleckfieberimpfstoff an das Hygiene-Institut der Waffen-SS, der in medizinischen Experimenten – häufig mit tödlichem Ausgang – an KZ-Häftlingen in Buchenwald getestet wird.

Die Firma Degesch (Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämpfung), an der IG-Farben mit mehr als 40 Prozent beteiligt ist, produziert Zyklon B, das allein in den Gaskammern von Auschwitz eine Million Menschen tötet.

Ab 1933 avanciert der IG-Farben-Konzern zu einem der Hauptgeldgeber der Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP), die Konzernspitze wird zügig „arisiert“, viele jüdische Manager verlieren ihre einflussreiche Position. Für Adolf Hitlers Kriegsmaschinerie, die bereits mit dem Vierjahresplan von 1936 initiiert wird, gewinnt die chemische Industrie zunehmend an Bedeutung; besonders forciert wird die Erzeugung von synthetischem Kautschuk, um von Import-Rohstoffen unabhängig zu werden. Nach dem deutschen Überfall auf Polen im September 1938 verleiben sich die IG-Farben-Manager die chemische Industrie Osteuropas ein.

Im Februar 1941 entscheidet der IG-Farben-Vorstand, nahe Auschwitz eine Buna-Kautschuk- und Treibstoff-Fabrik zu bauen. Daneben errichtet die IG Farben in Kooperation mit der SS das Konzentrationslager Buna/Monowitz (Auschwitz III). Zwischen 20 000 und 25 000 Menschen, die auf der Baustelle arbeiten müssen, kommen bis zur Aufgabe des Konzentrationslagers im Januar 1945 um.

Einer der wenigen Überlebenden ist Norbert Wollheim, seinen Namen trägt das Memorial vor dem IG-Farben-Haus, in dem auch darüber informiert wird, wie lange es dauerte, bis die Überlebenden entschädigt wurden.

Die wegen Kriegsverbrechen angeklagten Vorstände der IG Farben werden in den Nürnberger Prozessen zwar zu Gefängnisstrafen verurteilt, aber bereits 1951 ungeachtet heftiger Proteste der Opferverbände vom Hohen Kommissar der alliierten Siegermächte begnadigt. red

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