Zwingenberg

Wegzeichen Am Sonntag wird das Fest Trinitatis gefeiert

Aller guten Dinge sind drei

Archivartikel

Da macht jemand drei Kreuze, weil er froh und erleichtert ist, dass etwas vorbei ist. In Märchen und Sagen gibt es drei Prüfungen zu bestehen, und derjenige, der einer Fee oder einem Magier begegnet, hat drei Wünsche frei. Auch der Volksmund sagt: „Aller guten Dinge sind drei!“ und rechtfertigt damit etwas auch zum dritten Mal zu tun, wenn schon der zweite Anlauf scheiterte. Wir kennen die Floskel von „ewig und drei Tagen“ oder sagen „Er kann noch nicht mal bis Drei zählen“. Auch erfahren wir die Welt als dreidimensional.

In vielen Kulturen und Religionen hat die Zahl Drei eine große Bedeutung. Eine Dreiheit von Göttern – die Göttertriade – gilt als Zeichen für die allumfassende Göttlichkeit. Im germanischen und mittelalterlichen Rechtswesen ist sie die bestimmende Zahl. Die germanische Volks- und Gerichtsversammlungen Thing wurden bewusst dreimal im Jahr abgehalten. Angeklagte wurden dreimal geladen, bevor sie verurteilt wurden. In der Bibel tritt die Drei immer wieder auf. Jona war drei Tage im Bauch des Fisches. Der Prophet Jesaja verweist auf das dreifache Lob und Gebet. Petrus verleugnet drei Mal seinen Herrn. Jesus ist am dritten Tage auferstanden. Treten in der biblischen Geschichte drei Personen auf, so ist das ein Zeichen von Wichtigkeit: Noach hatte drei Söhne, drei Magier kommen an die Krippe, drei Jünger erleben die Verklärung Jesu, drei Frauen stehen unter seinem Kreuz. Wichtige Aussagen werden im „Dreiklang“ gemacht: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“ oder Paulus schreibt: „Nun aber bleiben Glaube, Hoffnung und Liebe, diese drei; aber die Liebe ist die größte unter ihnen“ (1. Korinther, Kapitel 13, Vers 13).

Auch im Weltlichen hat die Drei Geschichte gemacht: Nach Aristoteles ist die Drei ist die erste Zahl, die Anfang, Mitte und Ende hat. Cäsar bildete ein Triumvirat, ein Bündnis von drei Personen, die über das römische Reich herrschten. Es gibt die Erzählung von den drei Musketieren, unser demokratisches System fußt auf den drei Säulen Legislative, Judikative und Exekutive.

Die Drei gilt weltweit als Zahl der Synthese und Vollkommenheit. Wird das „Eine“ aufgelöst, so bildet die „Zwei“ das Gegenüber und löst die bisher geltende Einzigartigkeit auf. Die Drei gilt dann als das Verbindende und die Lösung des entstandenen Gegensatzes. Die Kirchen feiern an diesem Sonntag das Fest Trinitatis. Nach christlichem Glauben offenbart sich Gott in drei Gestalten: als Vater, Sohn und Heiliger Geist. Eine beliebte Darstellung in der Kunst zeigt Gottvater über dem am Kreuz leidenden Christus. Über beiden schwebt der Heilige Geist in Form einer Taube. Die Dreieinigkeit wird im lateinischen „Trinität“ genannt. Das Fest Trinitatis am Sonntag nach Pfingsten wurde im 14. Jahrhundert fester Bestandteil des Kirchenjahres. Einheitliche Bräuche oder eine Festtradition gibt es nicht. Üblich ist es als Fest des Glaubensbekenntnisses zu begehen. Bauern schauen an dem Termin gerne zum Himmel. Eine Regel besagt: „Wie zu Dreifaltigkeit das Wetter fällt, es bis zum Monatsende anhält.“

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