Zwingenberg

Exkursion AK Synagoge lädt für 15. September zu einer Führung ein

Auf den Spuren des jüdischen Worms

Archivartikel

Zwingenberg.Der Verein Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge lädt für den 15. September, Sonntag, zu einer Führung unter der Überschrift „Auf den Spuren des ehemaligen jüdischen Worms“ ein. Ziele werden Zeugnissen jüdischer Kultur in Worms sein (Synagoge, Mikwe, Raschi-Haus, jüdisches Viertel und jüdischer Friedhof). Die Teilnehmer treffen sich um 13 Uhr am Parkplatz der Zwingenberger Melibokushalle, um von dort mit privaten Pkw nach Worms zu fahren. Die Führung beginnt um 14 Uhr an der Synagoge mit der Gästeführerin Carla Bemsch und dauert etwa zwei Stunden. Da die Teilnehmeranzahl begrenzt ist, wird um Anmeldung unter der Telefonnummer: 06251/76153 gebeten. Die Teilnahme ist kostenlos, Spenden der Teilnehmer sind jedoch willkommen. Über das Ziel der Exkursion heißt es in einer Pressemitteilung des AK Synagoge:

Die jüdische Gemeinde in Worms spielte besonders im Mittelalter und in der frühen Neuzeit eine bedeutende Rolle: Zum einen war sie ein bedeutendes Zentrum jüdischer Kultur und Gelehrsamkeit, zum anderen trug sie durch ihre Handelsbeziehungen entscheidend zur wirtschaftlichen Entwicklung der Stadt Worms bei. Wie in anderen Städten ist die Geschichte der Juden in Worms leider auch von frühester Zeit an durch Verfolgung (hauptsächlich 1096 und 1349), mehrmalige Vertreibung und schließlich durch die Auslöschung der Gemeinde durch die Nationalsozialisten geprägt. Einige Orte in Worms erinnern noch heute an die hervorragende Bedeutung jüdischen Lebens in Worms:

Die erste aus Stein errichtete Synagoge wurde 1034 gebaut. Zeitgleich mit der Errichtung des romanischen Doms erfolgte 1174/1175 ein Synagogenneubau durch Handwerker der Dombauhütte. Diese sogenannte Männersynagoge wurde 1212/1213 um einen frühgotischen Saal für die Frauen erweitert. 1624 wurde ein kleines Lehrhaus angebaut, die sogenannte Raschi-Kapelle. Mit dieser Bezeichnung erinnert man an einen der bedeutendsten Gelehrten des abendländischen Judentums, den berühmten Rabbi Salomon ben Issak, genannt Raschi, der um 1060 in Worms studierte. Die Synagoge wurde im Novemberpogrom 1938 von den Nationalsozialisten niedergebrannt und anschließend abgerissen. Teilweise mit Originalbauteilen wiederaufgebaut wurde die heutige Synagoge 1961 neu eingeweiht. In ihr werden seitdem wieder Gottesdienste abgehalten.

Neben der Synagoge wurde bereits 1185/1186 ein unterirdisches Frauenbad, die sog. Mikwe errichtet, dessen Grundwasser zur rituellen Reinigung Verwendung fand.

Im Jüdischen Museum neben der Synagoge, dem sog. Raschi-Haus, werden Schwerpunkte jüdischen Lebens und die Geschichte der Wormser Juden anhand vieler Dokumente und Dioramen dargestellt.

Im ehemaligen Judenviertel, der parallel zur Stadtmauer verlaufenden Großen Judengasse und der nach Süden abzweigenden Hinteren Judengasse mit ihren typischen mehrgeschossigen Häusern, wohnten seit dem späten 10. Jahrhundert in sehr beengten Verhältnissen die Wormser Juden.

Auf dem jüdischen Friedhof, dem „Heiligen Sand“, stammt der älteste noch lesbare Grabstein aus dem Jahr 1076 - somit ist der Wormser Judenfriedhof der älteste erhaltene jüdische Friedhof Europas. Zahlreiche namhafte jüdische Gelehrte sind hier begraben; noch heute besuchen viele Juden beispielsweise die Grabstätten von Rabbi Meir von Rothenburg (gest. 1293) und Alexander ben Salomon Wimpfen (gest. 1307). red

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