Zwingenberg

Forum Heiligenberg Journalistik-Professor Torsten Schäfer spricht in seinem Vortrag von einem „Gelegenheitsfenster“, das beherzt genutzt werden müsse

Auf der Suche nach neuen Leitbildern für Europa

Seeheim-Jugenheim.Wie kann Europa gelingen? Auf seiner letzten Bürgerveranstaltung im Gründungsjahr 2017 ging das Forum Heiligenberg mit Sitz in Jugenheim auf die Suche nach neuen Leitbildern für den Kontinent im Angesicht von „Brexit, Trump & Co.“. Auf einen kurzen Nenner gebracht, waren sich der Vorsitzende des Forums, Gerd Zboril als Moderator, und der Gast des Abends, Journalistik-Professor Torsten Schäfer von der Hochschule Darmstadt, einig: Es gibt aktuell ein „Gelegenheitsfenster“ für eine erneuerte EU. In allen zukunftsrelevanten Politikfeldern ist die Europäische Union erfolgreich unterwegs.

Dieses Fenster kann die Gemeinschaft nutzen. Vorausgesetzt, sie lernt, so Torsten Schäfer, wieder Visionen zu haben und füllt beherzt die „Führungslücke“ aus, die durch die Schwäche Amerikas hinsichtlich Klima und Sicherheit entstanden ist. Die bisherigen „Narrative von Frieden und Wohlstand“ allerdings reichten nicht mehr aus, um die Jugend mitzureißen. Vielmehr habe die EU in den großen Tranformationserfordernissen der Gegenwart und Zukunft Beachtliches aufzuweisen. So im Umweltschutz, Artenschutz und in geförderten Technologiefeldern. Torsten Schäfer: „Die gelingende EU wird unter Wert verkauft“.

Im Verlauf der Diskussion fragte sich der Zuhörer schon: Wo bleiben hierzulande Visionäre wie der französische Präsident Macron – häufig zitierter Ideengeber einer umfassenden Neugründung der Union? Berlin lecke unterdes weiter „an seinen Wahlwunden“, so Willi Vogler, Heiligenberger Forumsmitglied, in einem einleitenden Jahresrückblick. „Visionen werden bei uns leider allzu häufig als Illusionen abgetan“. Und Torsten Schäfer ergänzte: „In den letzten 17 Jahren hat es bei uns keine europapolitische Rede solchen Kalibers gegeben, wie Macron sie an der Sorbonne gehalten hat.“

Auf der Haben-Seite von Voglers kritischer Bilanz standen die spontanen Engagements durch initiativ gewordene Bürger, wie „Pulse of Europe“ und Tausender anderer, die in London oder in polnischen Städten für europäische Werte auf Straße und Plätze gegangen sind. Es gebe Chancen, gemeinsam als Bürger Neues zu bewirken.

In erfreulich großer Anzahl nahmen Schülerinnen und Schüler des Schuldorfs Bergstraße an der Veranstaltung teil. Sie beteiligten sich engagiert an der Diskussion und verwiesen darauf, dass alleine die Tatsache, dass sie an einer solchen Veranstaltung teilnehmen, das Interesse der Jugend an Europa verdeutlicht.

Sie beklagten aber auch, dass im schulischen Angebot Hessens das Thema Politik viel zu kurz käme. Nicht alle Fragen der Schülerinnen und Schüler konnten aufgenommen werden. Gerd Zboril und Torsten Schäfer versprachen den Schülern wie auch ihrer Fachbereichsleiterin U. Schell und Schulleiterin Christiane Martini-Appel sich den unbeantworteten Fragen noch stellen zu wollen.

Gerd Zboril kündigte an, die stets mit großem öffentlichem Interesse aufgenommenen Veranstaltungen des Forums 2018 fortzusetzen. So komme unter anderem der Leiter des Deutsch-Russischen Forums, Matthias Platzeck, im April zu einem Vortrag und Gespräch. red

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