Zwingenberg

Offene Kirche Helfer vor Ort geben Auskunft über die Besonderheiten des Kulturdenkmals

Bergkirche ist sonntags für Besucher geöffnet

Zwingenberg.Es gibt viele Gründe, warum Menschen außerhalb von Gottesdiensten in eine Kirche gehen. Manche suchen die Ruhe und Stille zur Einkehr und zum Innehalten, andere haben persönliche Erinnerungen an die Kirche oder sind an der besonderen Architektur und Ästhetik des Gebäudes interessiert.

In der Vergangenheit konnte man diesen individuellen Bedürfnissen nur in katholischen Kirchen nachgehen, reformierte Kirchen blieben außerhalb der Gottesdienste geschlossen. Das hatte mit der Wahrnehmung der reformatorischen Konfessionen zu tun, die den Kirchenraum nur unter funktionalen Gesichtspunkten betrachteten.

Das änderte sich Ende des 20. Jahrhunderts. Zum einen gab es immer mehr Stimmen, die eine Öffnung über den Gottesdienst hinaus wünschten, zum anderen war es im Interesse der Evangelischen Kirche, Menschen besser zu erreichen.

Im Bereich der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau gibt es inzwischen rund 180 Kirchen, die zu bestimmten Zeiten geöffnet sind und seit 2004 gehört auch die über der Zwingenberger Altstadt thronende Bergkirche dazu. Sie ist ein imposanter steinerner Zeuge aus der Zeit vor über 760 Jahren. Zudem ist sie durch ihren weißen Anstrich weithin sichtbar und fällt auch jedem Autofahrer auf, der auf der A 5 an Zwingenberg vorbeifährt.

Im letzten Jahr 1000 Besucher

So waren unter den rund 1000 Besuchern, die im vergangenen Jahr die Bergkirche besuchten, viele, die der Anblick aus der Ferne dazu veranlasste, von der Autobahn abzufahren und den Aufstieg durch die Altstadt zu wagen. Anfang des 21. Jahrhunderts standen sie noch vor verschlossenen Türen, was Renate Weber immer häufiger aufgefallen war. Sie wohnt quasi neben der Kirche und brachte seinerzeit mit Irmgard Wagner den Vorschlag zum Öffnen der Kirche in den Kirchenvorstand, dem beide Frauen angehörten. In der Gemeindeversammlung stieß das Anliegen auf offene Türen und seit 2004 ist die evangelische Kirche in Zwingenberg eine „Offene Kirche“.

Fester Helferkreis

Anfangs war das Gotteshaus sogar mittwochs, freitags, samstags und sonntags geöffnet. Das reduzierte sich dann aber auf die Wochenenden, da zu den jeweiligen Öffnungszeiten immer jemand vor Ort sein muss. Inzwischen hat sich ein fester Helferkreis aus 13 Teilnehmern gebildet, die abwechselnd einmal im Monat als Ansprechpartner für Besucher vor Ort sind.

In diesem Jahr hat allerdings Corona das Heft des Handelns übernommen und die Kirchentüren mussten zunächst geschlossen bleiben. Seit 13. September sind Besucher am Sonntag von 15 bis 16.30 Uhr wieder willkommen und bei Einhaltung des Hygienekonzeptes steht einem Besuch nichts im Wege. Am Haupteingang stehen Desinfektionsmittel zur Verfügung und der Ausgang erfolgt über die Seitentür. Ein Flyer informiert über die Geschichte der Kirche, der Orgel und der Glocken, aber auch die Helfer geben gerne Auskunft, etwa über die bemerkenswerten Kirchenfenster.

Auch wenn man sich den Gang in die Kirche durch den Anstieg auf den Berg erarbeiten muss, ist allein schon dieser Weg durch die historischen Gassen und den sich öffnenden Blick über die Stadt und in die Rheinebene ein schönes Ziel. Vor allem bei schönem Wetter kommen daher viele Wanderer zufällig auch an der Kirche vorbei. Manche nutzen das für einen kurzen Blick ins Gotteshaus, andere verweilen für eine stille Einkehr.

Auch Neubürger kommen vorbei, ebenso Paare, die hier geheiratet haben. „Auffällig sind die vielen amerikanischen Besucher“, stellt Renate Weber fest. In den meisten Fällen seien sie auf den Spuren ihrer Vorfahren unterwegs, die einst in die Staaten ausgewandert seien.

Gruppen, die sich zur Besichtigung anmelden, kommen auf Wunsch auch in den Genuss eines Orgelspiels mit Organist Reinhard Sillus. Unter dessen Leitung gibt es in normalen Zeiten jährlich auch vier Orgelvespern, die in Bezug zu den großen Kirchenfenstern stehen. Auch die rund um die Kirche stattfindende Malwerkstatt – in diesem Jahr leider ausgefallen – und die beliebte „Lesung unter den Linden“ gehören zum Programm der Gemeinde für eine offene Kirche.

Nach der aktuellen Planung will man bis Weihnachten die sonntägliche Öffnung der Kirche beibehalten. Wie es dann im neuen Jahr weitergeht, ist noch offen.

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