Zwingenberg

Das geistliche Wort Gedanken zu den kleinen und großen Katastrophen unserer Geschichte

Corona ist keine göttliche Strafe

Archivartikel

In der Öffentlichkeit mag diese Frage keine zentrale Rolle spielen. Indes religiös Interessierte fragen sich das aber durchaus: Welche Rolle spielt in diesem Corona-Stück eigentlich Gott? In früheren Jahrhunderten rechneten die Menschen in Pestzeiten mit einem „pädagogischen“ Motiv Gottes: uns wachzurütteln oder zu strafen. Ein solcher Gott ist aber eher die Verlängerung einer autoritären Vaterfigur und so recht im Sinne derer, die sich einen „starken Mann“ wünschen, auch wenn er nur aus dem Off agiert.

Nein. Krankheiten, Katastrophen und auch diese Pandemie sind keine göttlichen Strafen, sondern Teil dieser Schöpfung. Was die Frage nach Gott jetzt nur anders stellt: Hat dieser Schöpfer fehlerhaft gearbeitet?

In der Bibel stehen diese Schattenseiten der Schöpfung im Zusammenhang einer gestörten Beziehung zwischen Gott und Mensch. Wir erinnern uns an den sogenannten „Sündenfall im Paradies“ und im Gefolge an den ersten Brudermord Kains an seinem Bruder Abel. Es ist das Ende eines paradiesischen Zustands und der Beginn menschlicher Geschichte mit allen Höhen und Tiefen. Seitdem liegen Licht und Schatten dicht beieinander und Leben hat erst dadurch einen ernsthaften, dramatischen Charakter bekommen.

Und Gott? Sieht er dem allem zu? Wie es den Anschein hat, verhindert er nicht die großen und kleinen Katastrophen unserer Geschichte. Und er verhindert auch nicht die Ausbreitung von Covid 19. Er lässt der Geschichte – unserer Geschichte (!) – ihren Lauf. So bleibt es unsere Aufgabe, damit umzugehen: ehrlich und solidarisch.

Und noch mal: Welche Rolle hat dann Gott überhaupt? Wenn oben vom Beginn der Schöpfung die Rede war und von Gottes Rolle, dann müsste er auch am Ende der Geschichte (was immer das heißen mag) eine Rolle spielen. In der Bibel heißt diese Rolle, dass Gott Alpha und Omega der Geschichte ist, Anfang und Ende.

Innerhalb dieser Grenzen nimmt die Geschichte ihren Lauf, mit allen Höhen und Tiefen, auch mit unserer gegenwärtigen Pandemie. Als Akteure dieser Geschichte sind wir gefordert, damit gut umzugehen, einen Impfstoff zu finden und die Verstorbenen zu betrauern. Aber aus dieser großen göttlichen Klammer, aus seinem „Alpha und Omega“, aus seinen Händen wird uns auch Corona nicht herausschleudern.

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