Zwingenberg

Das Geistliche Wort Dem „Unkraut“ des Hasses in der Gesellschaft keinen Platz lassen

Das Gute unermüdlich aussäen

Archivartikel

Liebend gerne gehe ich Anfang Juli durch die reifen goldgelben Getreidefelder und erfreue mich an ihrem Anblick, vor allem an der fruchtbaren Ernte. Vermutlich geht es manchen Lesern und Leserinnen genauso. Und vielleicht nehmen wir jetzt in dieser Krisenzeit die Schönheit und Pracht der Schöpfung noch intensiver wahr.

Schon lange ist mir dabei aufgefallen, dass zwischen dem Weizen oder der Gerste kaum Unkraut zu sehen ist, höchstens an einzelnen Stellen, wo anscheinend die Sämaschine nicht so richtig hingekommen ist. Aufgrund der landwirtschaftlichen Technik oder auch der chemischen Mittel haben es wohl die Landwirte in unseren Breitengraden geschafft, die Körner, den guten Samen, so dicht auszusäen, dass das Unkraut keinen Platz mehr hat, sich auszubreiten.

Und wie sieht es in unserem Leben und Zusammenleben aus? In unseren Familien, Gruppen und Gemeinden? In Gesellschaft, Kirche und Staat? Da gibt es zahlreiche wunderbare Erfahrungen, Initiativen und Aktionen, also gute „goldgelbe“ Früchte und Felder. Die gilt es ebenfalls bewusst wahrzunehmen und sich darüber zu freuen. Wie viele positive und kreative Beispiele von Nähe und Zuwendung, von Solidarität und gegenseitiger Hilfe wären da zu nennen. Vor allem auch jetzt in der Coronazeit und nicht zuletzt von jungen Leuten. Das Wenigste davon steht in den Medien. Immer wieder sollten wir uns für diese gute Ernte bedanken.

Und dennoch, trotz all der unzähligen guten Botschaften und Programme, Engagements und Bemühungen geht dazwischen immer wieder ein negativer, ja gefährlicher Samen auf und wächst wie Unkraut weiter. Das macht mir große Sorgen. Ich denke an Hassbotschaften, Morddrohungen, rassistische oder nationalistische Ideologien und die zunehmende Gewaltbereitschaft. Dieses „Unkraut“ darf auf keinen Fall alles Gute überwuchern und die Schlagzeilen oder das Netz beherrschen.

Im biblischen Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen rät Jesus seinen Jüngern, das Unkraut nicht sofort auszureißen, da die Gefahr besteht, es dann zusammen mit dem Weizen auszumerzen. Seine Freunde sollen vielmehr bis zur Ernte warten und dann das Unkraut vom Weizen trennen. Da geht es im Bild natürlich um die Ernte in Gottes neuer Welt, die schon in unserem Leben zu wachsen beginnt. Aber ob wir Menschen so viel Geduld wie Gott aufbringen können?

Vielleicht müssen wir viel früher ansetzen, um etwas zu verändern. Dort, wo der gute Samen der Liebe und Wertschätzung, des Vertrauens und der Freude, der Achtung vor jedem Menschen und vor der ganzen Schöpfung in Hülle und Fülle unermüdlich ausgesät wird, hat das Unkraut des Hasses und der Lüge, der Verachtung und Gewalt keinen Platz mehr, hoch zu wachsen und sich auszubreiten. Ich meine, dies hat durchaus auch etwas mit dem Gottesglauben zu tun. Denn seine gute Botschaft ist nicht nur systemrelevant, sondern existenzrelevant.

Zum Thema
Das Wichtigste von heute
Newsticker Bergstraße
Newsticker überregional
Meistgelesene Artikel
Neueste Artikel