Zwingenberg

Wegzeichen Gedanken im Vorfeld des Feiertags Christi Himmelfahrt

„Das Heil kommt nicht vom Himmel gefallen“

Archivartikel

„Lass den Kopf nicht hängen“, mit diesem Appell wird gerne versucht, Trost zu spenden, ohne dabei zu rührselig oder emotional zu werden. Schmerz, Trauer und Enttäuschung schwinden bei den Betroffenen dadurch aber kaum. Hoffnungslosigkeit und abhanden gekommenes Selbstvertrauensitzen eben tief und rauben Energie.

Die Betroffenen senken ihren Kopf dann gerne nach unten. Sie können ihr Problem offensichtlich nicht bewältigen, sind resigniert und niedergeschlagen. Ein gesenkter Kopf zeigt an: Ich habe keine Kraft, weiß nicht weiter. Besteht dabei auch kein Blickkontakt mehr, dann signalisiert die Haltung Unterwerfung und Selbstaufgabe. Schön, wenn sich der Kopf irgendwann wieder hebt, das gilt als ein Zeichen der Besserung. Wer seinen Kopf nach oben richtet, beginnt neu mit offenen Augen durch das Leben zu gehen. Das erhobene Haupt lässt den Menschen aufmerksam und zuversichtlich erscheinen. Aber Achtung: Wer seinen Kopf unnatürlich und künstlich hoch trägt, gilt als hochmütig und überheblich.

Was „hoch“ ist, ragt jedenfalls aus der Masse empor. Es zeigt Rang und Würde. So mancher Adlige lässt sich mit „Hoheit“ ansprechen. Wer versucht, in der Gesellschaft aufzusteigen, „will hoch hinaus“. Verschiedene Religionsgemeinschaften haben ihre „Hohepriester“ und fast alle Gläubigen sprechen von dem „höchsten“ Gott. Der in der kommenden Woche begangene Feiertag Christi Himmelfahrt thematisiert die Rückkehr des auferstandenen Jesu als Sohn Gottes zu seinem Vater in den Himmel. Das kirchliche Fest wird 40 Tage nach Ostern gefeiert. Nach Aussagen der Bibel soll Jesus nach seiner Auferstehung seiner Jüngerschaft innerhalb 40 Tagen noch einmal begegnet und dann in den Himmel zurückgekehrt sein. Er wurde theologisch gesprochen zu Gott erhöht.

Erhobenen Hauptes, aber nicht stolz

Unter der Bezeichnung „Himmel“ oder der „Höhe“ verstehen die Menschen seit Anbeginn den Ort, an dem Gott ist. In der Apostelgeschichte wird von Jesus bildhaft beschrieben, „er wurde vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf, weg vor ihren Augen“ (Apostelgeschichte 1, Vers 11). Die zurückgebliebenen Jünger mussten, um Jesus folgen zu können, ihre Augen öffnen und den Kopf nach oben heben. Sie sollten nicht resignieren und ihren Kopf hängen lassen, sondern „gehobenen Hauptes“ und mit Zuversicht ihren Aufgaben nachgehen – dabei auch immer den Kontakt „nach oben“ halten.

In zahlreichen Kirchen sind Christusdarstellungen oder das Kreuz als Hoffnungszeichen ganz oben gemalt oder aufgehängt. Die Gläubigen sollen vor Gott „ihre Augen heben“ und aufgerichtet vor ihrem Herrn stehen. Auch wenn sie ihre Sorgen und Nöte vor ihn tragen dürfen, sie brauchen nicht resignieren. Von „Oben“ erhalten sie Beistand, auch wenn es noch zu hoch für sie scheint, das alles verstehen zu können.

Nach der biblischen Erzählung der Himmelfahrt rügen zwei Engel die Apostel, die dem im Himmel entschwundenen Christus wehmütig nachschauen: „Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?“ Nur stehenzubleiben und sehnsüchtig nach oben blicken, wäre demnach eine falsch verstandene Botschaft. Das Heil kommt eben nicht vom Himmel gefallen, auch wenn wir es gerne so hätten. Aber es kann entstehen, wenn aufrecht, würdig und kraftvoll – daher auch mit erhobenen Hauptes – dafür vorangeschritten wird.

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