Zwingenberg

Wegzeichen Vom Opfertier zum siegreichen Helden

Das triumphierende Lamm

Die Bibel endet mit der Offenbarung des Johannes. Er zeichnet darin ein Bild von dem, was da kommen wird und in Ewigkeit bleibt. Sieger allen Geschehens ist das Lamm. Es steht inmitten des Thrones im Himmel.

Das Lamm hat einen hohen symbolischen Wert. Das Tier ist Ausdruck für Wehrlosigkeit und Verletzbarkeit. Ohne seinen Hirten ist es den Gefahren schutzlos ausgeliefert. Für die Israeliten ist Gott der Hirte des Volkes.

In unserer Sprache ist das Lamm alles andere als ein großer Sieger. Da ist vom Opferlamm, vom Unschuldslamm die Rede. Oder es heißt: Brav und rein wie ein Lamm. Es ist klein, abhängig und unschuldig. Es sei denn, da wird auf ein schwarzes Schaf verwiesen, das doch bitteschön das Weite suchen soll.

In sein Schicksal gefügt

In den Kirchen trägt das Lamm häufig die Siegesfahne bei sich. Und in der Messe gehört die liturgische Formel zwingend dazu: „Seht das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinwegnimmt.“ Es geht auf den Hinweis von Johannes dem Täufer zurück. Kaum ein anderes Symbol wie das Lamm steht bereits seit Jahrtausenden für Unterwürfigkeit und Leiden. Es nimmt seine Rolle vorbehaltlos ein. Das Lamm muss gehorsam sein und sich führen lassen, um sein Leben zu retten und zu erhalten. So manches Lamm landete als wertvolle Gabe auf dem Opfertisch. Im alten Israel musste es ohne Fehl sein, wenn es als Opfer für Gott ausgewählt wurde.

Das Lamm gehört bereits in der altkirchlichen Kunst zu den zentralen Christussymbolen. Es triumphiert wie in der Offenbarung gezeichnet am Ende der Zeiten und verweist auf den Sieg des Auferstandenen.

Nicht gerade zeitgemäß

Sich von sich etwas führen lassen, ohne Gegenwehr zu handeln und sich seine Verletzlichkeit einzugestehen, ist nicht gerade zeitgemäß. Wir sagen, solche Menschen seinen „belämmert“, sie sind „dumm oder blöd wie ein Schaf“.

Dennoch kann gerade im Annehmen des Leids oder dem Sich-Führen-Lassen von einem Höheren eine besondere Stärke liegen. Nicht, weil es gut ist zu leiden oder sich zu opfern, sondern weil die Gewissheit besteht, mit der Haltung letztlich ein deutlich höheres Ziel zu erreichen. Das musste für so manche nicht im Diesseits liegen, sondern gerne auch im Jenseits.

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