Zwingenberg

Wegzeichen Bild des Erlösers soll Trost und Hoffnung spenden

Der mystische Keltertreter

Auch wenn alles nach Reife strebt. Ist die Zeit reif dafür, muss es zermahlen oder zertreten werden, um etwas Größerem zu dienen. Das Korn wird gemahlen, um zu Brot zu werden, die Trauben werden getreten oder gekeltert, damit aus ihnen Wein wird.

Nicht alles, was mit gewachsen und gereift ist, dient der Vollendung. Das Weizenkorn muss von der Spreu getrennt werden, von den Trauben muss der Trester zurückbleiben, um rein zu werden.

Bildmotive, die den Heiland selbst in der Presse zeigen sind uralt, aber an der Bergstraße als Weingebiet kaum zu finden. Der „gekelterte Jesus“ spendet in der Kelter seinen eigenen Lebenssaft – einen die Menschen tröstenden und göttlichen Wein.

Das Bild wird schon vom Propheten Jesaja gezeichnet. Er berichtet vom Kommen des Erlösers, dessen Gewand rot gefärbt ist wie das eines Winzers, der die Trauben mit den Füßen gestampft hat. Und auch die Offenbarung des Johannes als Verheißung und krönender Abschluss der Bibel wird die Darstellung aufgegriffen.

Die Menschheit wird stets mit reifen Trauben gleichgesetzt, die eigentlich getreten und ihr somit Leid zugefügt werden müsste. Nur so kann nach menschlichem Ermessen am Ende Gutes von Schlechtem getrennt und Größeres und Wertvolleres erreicht werden.

Jesus tritt im Bild des „mystischen Keltertreters“ selbst in die Presse und stellt sich freiwillig dem entstandenen Druck. Er wird zum Sieger, auch wenn er selbst sich wie eine Traube auspressen lässt. Sein Blut verwandelt sich schließlich zum göttlichen Wein, dem Trank des Segens für die Menschen: „Das ist mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird“, sind als seine eigenen Worte vom letzten Abendmahl überliefert. Jesus nimmt die gesammelten Sünden auf sich und liefert sich stellvertretend dem großen Kelterer aus.

Das Bild des Keltertreters ist in Deutschland seit dem 12. Jahrhundert bekannt und verbreitete sich später vor allem in Frankreich. In traditionellen Weingebieten finden sich innerhalb von Kirchen immer wieder Darstellungen und Abbildungen des mystischen Keltertreters – als Trost und Hoffnungsbild.

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