Zwingenberg

Wegzeichen Gedanken über das Sterben

Der schleichende Tod

Archivartikel

Der nun beginnende November ist die Zeit des Totengedenkens. Allerheiligen, Allerseelen, Volkstrauertag und Ewigkeitssonntag thematisieren das Sterben, den Tod und das Leben danach. Es geht dabei nicht nur um die bereits Gestorbenen, vielmehr auch um das Bewusstsein der eigenen Vergänglichkeit.

Sterben ist mehr als der letzte Atemzug. Das Leben endet nicht automatisch, wenn der Pulsschlag verlöscht. Ein plötzlicher Tod wird als „gut“ bezeichnet, soweit die Angehörigen nicht zu stark unter dem Verlust leiden. Dagegen wird der „schleichende“ Tod von fast allen befürchtet. Er wird mit Krankheit, Siechtum und auch mit seelischem und körperlichem Leid verbunden.

So oder so: Sterben ist ein Prozess. Das Leben endet nicht von einer Minute auf die andere. Mediziner unterscheiden drei Phasen des Todes: den klinischen Tod, den Hirntod und den biologischen Tod. Die genaue Grenze zwischen Leben und Tod ist schwer zu definieren und wird immer wieder neu diskutiert.

Und auch wenn der Tod eingetreten ist, wird das unterschiedlich bewertet. Für die einen ist es das endgültige Ende, manche Religionen glauben an die „Reinkarnation“ und damit, dass der Mensch in einem neuen Körper weiterlebt. Für Juden, Christen oder Muslime ist der Tod unumkehrbar. Er bildet den Übergang in ein neues Sein. Biblisch gesehen ist der Tod der Verlust der Lebenskraft. Verstorbene bleiben durch Grab und Nachfahren in unlösbarer Verbindung mit dem Volk Israels. Dennoch fürchten die Menschen den Tod.

Durch Jesu Leiden und Auferstehung wird die Macht des Todes gebrochen. Die Psychoanalyse geht davon aus, dass der Mensch den Tod ständig versucht zu verdrängen, auch wenn er gläubig ist. Oder dieser wird so „verarbeitet“, dass er den Menschen möglichst wenig behelligt. Ganz verschwinden kann die Todesangst wohl nicht. In Träumen, manchmal auch Neurosen taucht sie auf und beunruhigt. Manche versuchen, mit Gebeten einem qualvollen Tod entgegenzuwirken. Dennoch: Der Todeszeitpunkt lässt sich nicht berechnen. Er kommt, wann er will, sagt der Volksmund, und nimmt damit biblische Weisheiten auf. Der Prophet Hiob verweist darauf, dass Sterben hat seine Zeit hat und braucht. Und Jesaja warnt eindringlich vor dem Lebensmotto: „Lasst uns essen und trinken; denn morgen sind wir tot!“ Das sei Sünde. Man solle stets an das „uralte Gesetz“ denken, „dass wir alle sterben müssen“, empfiehlt Jesus Sirach. Desto früher sich der Mensch mit dem eigenen Sterben und dem Tod auseinandersetzt und damit für sich klärt, desto leichter kann man dem Übergang vom Leben zum Tod entgegensehen.

„Das Sterben beginnt bereits mit dem ersten Atemzug“, sagen manche und heben damit hervor, dass das Sterben eben nicht erst kurz vor dem letzten Pulsschlag beginnt, sondern das ganze Leben auf den Tod hin ausgerichtet ist. Er begleitet und das Leben lang – ob wir wollen oder nicht.

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