Zwingenberg

Tee im Schloss Herbert Dorfmann, Abgeordneter des Europaparlaments, zu Gast beim Forum Heiligenberg

Die EU als Glücksfall für Südtirol

Jugenheim.Was ein beseitigter Schlagbaum nicht alles bewirkt, und was passiert, wenn Grenzkontrollen plötzlich wieder diskutiert werden, das verdeutlichte der Südtiroler Abgeordnete des Europaparlaments Herbert Dorfmann beim zweiten "Tee im Schloss" des Forums Heiligenberg Jugenheim. "Der Fall des Schlagbaums am Brenner war für uns ein emotionaler Moment", sagte Dorfmann. Kontrollen angesichts der Migrationsproblematik würden die Südtiroler als ernsten Rückschritt fürchten. "Das wäre eine Erosion des europäischen Gedankens und träfe unsere Gefühle hart."

Weil Sommerzeit Reisezeit ist, hatte das Forum Heiligenberg bewusst auf die beliebte Ferienregion den Blick gerichtet, um den Nutzen der europäischen Einigung an einem heute wenig beachteten historischen Vorgang aufzuzeigen. Einst das Armenhaus Westeuropas und Schauplatz explosiver ethnischer Konflikte, ist Südtirol durch kluge Vermittlung und einsichtsvolle Minderheitenpolitik im Rahmen der EU zu einer der wohlhabendsten Regionen Europas geworden. Sechs Millionen Touristen zählt das 500 000 Einwohner zählende Alpenland. Ein kräftiges "Rückgrat" der Wirtschaft.

Lange Querelen um das ehemalige k.u.k.-Kronland zwischen Italien und Österreich sind beigelegt, die Autonomie ist umgesetzt, Schengen brachte den Fall der Grenzen. Der Euro gilt innerhalb der Region und um sie herum. Die Menschen leben friedlich zusammen. Mit der Gründung der Europaregion Tirol-Südtirol-Trentino wurde die grenzüberschreitende Zusammenarbeit institutionalisiert. Deswegen sprach der EVP-Abgeordnete von der EU als "einen Glücksfall für Südtirol".

Dorfmann sieht die Zukunft Europas aus praktischer Erfahrung in einer stärkeren Betonung der Regionen. Er bedauerte eine Zunahme des nationalen Denkens, wodurch zentrale europäische Gedanken wie Grundrechte und Freizügigkeit geschwächt würden. "Ich glaube nicht, dass es Zweck der EU sein sollte, einen Superstaat herzustellen." Er sehe in Europa nicht die Heimat, sondern er sehe in ihr "die Heimat der Heimat". Es sei vorteilhaft, wenn die Regionen sich selbst regierten. Mit Bedauern sieht Dorfmann den momentanen Verlust der USA als Partner im westlichen Wertekonsens. "Umso wichtiger ist es, dass wir Europäer unser freies Bürgertum verteidigen - auch in dem Gefühl, dass die USA zurückkehren werden."

Das Forum Heiligenberg sieht als Arbeitskreis der Stiftung Heiligenberg Jugenheim seine Aufgabe darin, den Zusammenhalt der Europäer - auch über die Grenzen der EU hinaus - zu unterstützen. red

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