Zwingenberg

Wegzeichen Nicht Höherem die Schuld geben, sondern Gegenwart und Zukunft mitgestalten

Ein herber Schicksalsschlag

Im Leben gibt es Ereignisse, die nicht vorhersehbar sind, die aber von einem Moment auf den anderen alles ändern. Da wird einem Menschen plötzlich die Diagnose einer schweren Erkrankung offenbart, ein anderer erfährt vom Tod eines Angehörigen oder ist selbst in einen Unfall verwickelt.

Solche Schicksale werden häufig als eine Fügung oder als eine höhere Bestimmung verstanden. Da scheinen Gott, Dämonen oder die Natur im Spiel zu sein. Sie scheinen die Macht zu haben, über den menschlichen Lebensweg zu bestimmen. Dem Menschen selbst bleiben nach diesem Verständnis nur wenig Entscheidungs- und Einflussmöglichkeiten. „Wenn das von einer höheren Macht so bestimmt wurde, dann kann ich ja auch nichts ändern und füge mich, ordne mich unter.“ Und so wird das Ganze schlicht als „herber“ Schicksalsschlag bewertet.

Ein wenig bitter – oder schmerzlich

Das Wort „herb“ bedeutet kräftig oder ein wenig bitter. Es steht aber auch für schmerzlich, verschlossen oder streng. Wahrscheinlich hat auch der „Herbst“ sprachgeschichtlich denselben Ursprung. Er steht für das Schneiden und Pflücken, also für die Erntezeit. Herbe Enttäuschungen und Schicksalsschläge können von daher als etwas Einschneidendes im Leben betrachtet werden, als eine Zeit, in der man sich von etwas Bewährtem und Gewohntem verabschieden muss. Das jedoch, was einem genommen wurde, das kann gegebenenfalls fruchtbar werden. Geschnittene Kräuter werden zur Würze und Medizin, Getreide zur Nahrung und gepflückte Trauben zu Wein.

Wer von einem Schicksal spricht, der beschreibt und bewertet etwas bereits Geschehenes. Das ist unabwendbar. Vielleicht hat es dennoch einen höheren Sinn gehabt. Es kommt nach dem Schicksalsschlag darauf an, sich nicht entmutigen zu lassen und einfach Höherem die Schuld zu geben, sondern die Gegenwart und die Zukunft aktiv mitzugestalten.

Große Herausforderung

Herbe Rückschläge – ob im privaten, beruflichen oder gesundheitlichen Bereich – sind für die meisten Menschen eine große Herausforderung. Das Leben bleibt weiter herb und bitter, wenn das Schicksal dann nicht in die eigene Hand genommen wird und der Mensch in seiner Passivität verharrt und davon ausgeht, auch das weitere „Schicksal“ werde ausschließlich von „oben“ bestimmt. Es gilt jedoch, auch wenn alles noch so einschneidend war, die neue Situation zu akzeptieren und sie dann im besten Fall auch zu meistern.

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