Zwingenberg

Theater Mobile Nächste große Eigenproduktion hat am 5. September Premiere / Insgesamt acht Spieltermine geplant

Ein „Sommernachtstraum“ im Herbst

Archivartikel

Zwingenberg.Proben im Theater. In diesem Sommer etwas anders als sonst. „Normal“ hat erst mal Urlaub. Corona diktiert die Dramaturgie. Und die lautet vor allem: Abstand, Maske und Hygiene. Doch Danilo Fioriti ist froh, dass es überhaupt weitergehen kann. Denn seine zweite Eigenproduktion für das Theater Mobile stand zunächst unter keinem günstigen Stern.

Nach dem motivierten Start im Januar wurde das Projekt bald von der Pandemie aus der Bahn geworfen. Fast drei Monate Stillstand haben die Produktion erheblich ausgebremst. Umso flotter und motivierter arbeitet das Ensemble jetzt auf den großen Tag hin. Am 5. September ist Premiere von William Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“. Ein zeitloser Komödien-Klassiker, dessen Anmut und heitere Unbeschwertheit das beste Rezept gegen den Corona-Blues sein dürften.

Acht Termine angesetzt

„Ich hoffe, dass die Abstandsregeln für Bühnen bis dahin aufgehoben sind“, so der 35-jährige Spielleiter, der bereits im vergangenen Jahr mit der Inszenierung „Casanova – was für ein Leben!“ nach seinem eigenen Buch für Aufmerksamkeit gesorgt hat. Das aktuelle Ensemble besteht zu großen Teilen aus den Darstellern von damals. Nicht unbedingt ein Nachteil.

Acht Termine sind bis Ende September angesetzt. Fioriti und Theaterchef Leo Ohrem sind zuversichtlich, dass alles wie geplant über die Bühne gehen kann. Seit Mitte Mai wird geprobt. Unterm Strich bleiben nur zwölf Wochen, um das Ensemble vorzubereiten, um Licht und Technik abzustimmen und der Inszenierung den letzten Schliff zu geben. Nicht viel, aber genug.

Die Proben verlaufen sehr diszipliniert. In jeder Hinsicht. Kobold Puck (Jonny Die) kommt mit Mund-Nasen-Maske die Treppe herunter. Rolf Cassells (der reife Casanova vom letzten Jahr) hantiert als liebesgesteuerter Pyramus mit dem Schwert herum – in der Rolle des Webers Zettel, der mit anderen Handwerkern das Stück von Pyramus und Thisbe aufführt. Ein Spiel im Spiel, mit dem Shakespeare mit manchen Konventionen des Theaters bricht.

Illusion und Wirklichkeit

Der „Sommernachtstraum“ ist ein amüsanter Tanz auf der Grenze zwischen Illusion und Wirklichkeit, in dem der Autor mit meisterlicher Komik und Sprache glänzt. Danilo Fioriti hat das Stück schon einmal vor zwölf Jahren in seiner Heimat Wald-Michelbach im Rahmen der von ihm initiierten „Sommerspiele Überwald“ inszeniert. Damals gleich die erste große Herausforderung. Seine Arbeit mit der Theatergruppe Hartenrod stieß bundesweit auf Resonanz. Auch Theatermacher Jürgen Flügge von der benachbarten Tromm wurde auf den jungen Mann aufmerksam.

Seit 2011 arbeitet der studierte Theater- und Medienwissenschaftler als Autor und freier Regisseur. Etwa mit dem „Rhein-Neckar-Theater“ Mannheim, dem Theater „Alte Werkstatt“ in Frankenthal oder bei den Heppenheimer „Gassensensationen“, wo Leo Ohrem auf ihn aufmerksam wurde. Bergsträßer kennen ihn auch als Regisseur für das Bensheimer „Vornerum“-Theater. Dort hatte er unter anderem „Leonce und Lena“ und „Winzerfest 48“ auf die Bühne gebracht.

Als Freund von Shakespeares Werken und dem klassischen Volkstheater schätze er das 1598 erstmals aufgeführte Stück seit langem. Für Zwingenberg hat er den Original-Text etwas gekürzt und die an sich zeitlose Handlung mit vier verschlungenen Handlungssträngen in die 20er Jahre verlegt. Die virtuos verwobenen Geschichten sind rasch erzählt: Zwei Athener Liebespaare werden in einer Mittsommernacht verzaubert, jeder verliebt sich kreuz und quer. Ein Elfenkönigspaar streitet um ein Kind und amüsiert sich auf Kosten der Sterblichen, die sich nachts im Wald verirrt haben.

In der idyllischen Natur enden die Probleme nicht, denn sie sind nicht alleine im Wald: Die schlechteste Schauspielergruppe der Welt übt dort gerade für ein ziemlich mieses Stück für die Trauung von Theseus und Hippolyta, während Elfenkönig Oberon voller Wut auf seine widerspenstige Frau Titania Rachepläne schmiedet. Das wahre Chaos beginnt, als Waldgeist Puck versucht, Ordnung in das Durcheinander zu bringen.

Hintergrund für Shakespeares meist gespieltes Drama ist der Aberglaube um das heidnische Sommernachtsfest, bei dem angeblich die Menschen den Geistern besonders nah sind. Die Kostüme holt sich der Regisseur normalerweise aus dem Fundus der Städtischen Bühnen Frankfurt. Doch auch hier hat Corona der Truppe erst einmal einen Strich durch die Rechnung gemacht.

„Einer der besten Spielorte“

Am Bühnenraum hat Danilo Fioriti nach wie vor nichts zu bemängeln: „Einer der besten und vielseitigsten Spielorte der Region.“ Und einer, der groß genug ist, um den Akteuren distanzierte Auf- und Abgänge im Corona-Modus zu ermöglichen. Für die expressionistisch anmutenden Schattenspiele im „Sommernachtstraum“ nutzt der Theatermann eine halbtransparente Wand, was eine reduzierte, aber sehr effektvolle Ästhetik erzeugt.

Das Publikum darf sich auf ein Stück voller Witz und Charme, reizvoller Wendungen und komischer Situationen freuen. Von plattem Klamauk oder billigem Boulevard distanziert man sich aber, wie Leo Ohrem betont, der in diesem Jahr – anders als beim Casanova – nicht auf der Bühne stehen wird.

Fioritis Faible für moderne Erzählmethoden von klassischen Stoffen verspricht eine lebendige Inszenierung. Es ist die artistische Art und Weise, wie er eine Vorlage verdichtet und ihre Essenz betont, die das Publikum in eine Handlung hineinzuziehen vermag.

Bei den Proben wird deutlich, wie empathisch der Regisseur ein Identitätsgefühl der Darsteller aufbaut und jeden Einzelnen in seinen Möglichkeiten fördert. Das führt auch zu einer Verbundenheit in und mit der Truppe, die sich bei der Aufführung in schauspielerischer Leistung und einem harmonischen Ensemble-Gefühl offenbart.

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