Zwingenberg

Jubiläum Städtefreundschaft mit Pierrefonds soll intensiviert werden / Austausch auf allen Ebenen

Eintracht-Wimpel für den Fußball-Weltmeister

Archivartikel

Zwingenberg.Die Idee: Alle Freundeskreise auflösen und die drei internationalen Partnerschaften unter einem gemeinsamen europäischen Dach zusammenführen. Ob dieser Vorschlag auf eine breite Mehrheit stößt, darf bezweifelt werden. Ein Zusammenrücken der Zwingenberger Städtepartnerschaften im Kontext Europas allerdings löste bei vielen Zustimmung aus, die am Sonntag nach Rodau gekommen waren, um sich über die Zukunft dessen zu unterhalten, was bei den französischen Freunden Jumelage genannt wird.

Zusammenführen und partnerschaftliches Vereinen (jumeler) wurde an diesem Vormittag sehr wörtlich genommen. Über 60 Gäste kamen auf das Gelände der Elterninitiative Sonnenkinder, um sich über ihre Freundschaft Gedanken zu machen, die vor 50 Jahren offiziell besiegelt wurde. Allerdings finden die Beziehungen fast ausschließlich auf zwei Ebenen statt: zwischen den politischen Kommunen und den organisierten Vereinen, die sich fleißig, aber nicht immer ohne Nachwuchssorgen um eine Aufrechterhaltung der Kontakte bemühen. Die Veranstaltung im Rahmen des Jubiläums-Wochenendes sollte neue Impulse für die gelebte Partnerschaft zwischen Franzosen und Deutschen bringen. Die auf Kärtchen formulierten Ideen, darunter auch jene einer gesamteuropäischen Partnerschaftsfusion, wurden gesammelt und sollen demnächst kritisch ausgewertet werden.

Ein offener Dialog

Als Gesprächsgrundlage sind sie in jedem Fall geeignet. „Wir begrüßen diesen offenen Dialog“, sagte Pierrefonds’ Bürgermeisterin Michèle Bourbier. Es herrsche Einigkeit im Stadtrat, dass man der Partnerschaft mit Zwingenberg eine „neue Dynamik“ geben möchte. Die Verwaltungschefin sprach sogar von einem „frischen Glanz“. Einige Vertreter aus dem Stadtrat, die zur rund 25-köpfigen Delegation gehörten, nickten wohlwollend. Unter den Teilnehmern waren auch Repräsentanten aus Zwingenberger – und natürlich auch aus Rodauer – Gremien und Vereinen. Man steckte die Köpfe zusammen, kramte in der Vergangenheit und plauderte über Möglichkeiten, wie man die Menschen hüben und drüben motivieren kann, sich noch häufiger und fester die Hände zu reichen.

Keine leichte Angelegenheit. Denn auch in den Vereinen ist es in den vergangenen Jahren schwieriger geworden, Ehrenamtliche zu finden, die die gebauten Brücken stabil halten. Michèle Bourbier bestätigt das: „In Pierrefonds haben wir die gleichen Probleme.“ Auch sie äußerte sich zustimmend über eine Öffnung der Partnerschaften bezüglich künftiger Treffen, an denen Gäste aus Frankreich, Italien und Großbritannien teilnehmen könnten. Ein Zwingenberger schlug sogar vor, dass sich Pierrefonds am besten schleunigst mit Tetbury und Brisighella verschwistern möge.

Beim gemeinsamen Blick auf die Historie wurde bald deutlich, dass man nicht jedes Rad neu erfinden muss. Ein Fußballturnier mit Sportlern aus Frankreich und England habe es in Zwingenberg bereits einmal gegeben, erinnert sich ein älterer Bürger. „Der Austausch der Sportjugend muss wieder auferstehen“, betonte auch Eintracht-Präsident Gustav Brücher. Der Zwingenberger Sportverein will auf dieser Ebene ebenfalls aktiv werden, Kontakte vertiefen und bei der Umsetzung neuer Ideen vorn dabei sein. Brücher begrüßte die „Gäste aus dem Land des Weltmeisters“ mit einem Eintracht-Wimpel und einem vom Fußballnachwuchs signierten Ball.

Aus dem lokalen Vereins- und Kulturleben waren unter anderen Ingrid Fieberling (Zwingenberger Mittagstisch, DRK-Kleiderkammer, Seniorenclub Freude im Alter) und Rosemarie Becker vertreten, die einen regelmäßigen Austausch von Künstlern und Kreativen anregte. Hannelore Gruss aus dem Vorstand des Freundeskreises Brisighella plädierte für gemeinsame Aktivitäten mit Pierrefonds. Im Herbst will man bei einem Treffen konkrete Ideen sammeln. Für den Freundeskreis Pierrefonds verwies deren Vorsitzende Dr. Christina Baldauf darauf, dass der Verein die kommunalen Beziehungen seit über 40 Jahren aktiv begleite und mit am Leben halte.

Auch Bürgermeister Dr. Holger Habich, der den Vorsitz des Partnerschaftsvereins Tetbury 2015 wegen eines personellen Notstands übernommen hatte, will die Beziehungen unter den Vereinen verbessern und so für junges Blut sorgen: „Wir haben alle das gleiche Problem.“ Die Stadt wolle versuchen, die lebendigen Partnerschaften noch tiefer in der Bevölkerung zu verankern. „Dort gehören sie auch hin“, so Habich, der davon überzeugt ist, dass die Zukunft der Beziehungen dauerhaft nur aus der Bevölkerung heraus getragen werden könne. Begegnungen von Schulen, Vereinen oder anderen Organisationen seien wichtiger denn je.

Die Vorschläge auf den Kärtchen sprachen eine ähnliche Sprache: Kooperationen von Sportvereinen und Chören, gemeinsame Schulfreizeiten und Treffen von Lokalhistorikern, Vorträge und Ausflüge, Feriencamps und gesamteuropäische Zusammenkünfte. Dabei kommt es den Beteiligten darauf an, langfristig zu denken und nicht an politischen oder ehrenamtlichen Amtszeiten zu scheitern. Michèle Bourbier zum Beispiel wird bei den nächsten Wahlen 2020 nicht mehr als Bürgermeisterin kandidieren. „Die Partnerschaft mit Zwingenberg werde ich darüber hinaus weiter aktiv begleiten“, kündigte sie in Rodau an. Dafür gab es einen Extra-Applaus.

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