Zwingenberg

Kultur Südstaatensound im gut besuchten Theater Mobile

Ekstatischer Jubel für die Band Magnolia

Archivartikel

Zwingenberg.„No body loves me, nobody seems to care“, sang Winston Dyer zur Eröffnung, in Texttreue zum Song „Every Day I Have The Blues“ von Joe Williams. Doch das war glatt gelogen – schließlich war der Mobile Keller mit rund 100 Zuhörern gut besetzt. Zwar war auch eine Fangemeinde aus der nordbadischen Heimat der Band Magnolia nach Südhessen angereist. Aber die meisten Gäste hörten die Band zum ersten Mal – und waren vom ersten Stück an sichtlich begeistert. Schon zum dritten Mal spielte die Band im Zwingenberger Kleinkunstkeller, mit stetig steigenden Besucherzahlen, wie Theaterleiter Leo Ohrem erfreut bemerkte.

Fest verankert in der Weinheimer Musikszene, ist Magnolia die Hausband vom berühmten Muddy’s Blues und Jazz Club. Vor zwölf Jahren wurde sie gegründet, um das Lebensgefühl des Blues auf die Bühne zu bringen. Inzwischen nahm die Band zunehmend auch Soul-Stücke ins Visier. „Music from the american south“ umreißen die Bandmitglieder um den schwarzen Sänger Winston Dyer – Jürgen „Mojo“ Schultz (Gitarre und Gesang), Klaus Pelzer (Drums) und Konrad Fink (Bass) – ihr Programm. Der Bandname stammt der von nostalgischen Ballade „Magnolia“ von J. J. Cale.

Als special guest diesmal wieder dabei und aus Berlin direkt zum Auftritt ins Mobile gekommen war Saxofonist Uli Kammerer, der als früheres Bandmitglied nur noch sporadisch die Auftritte von Magnolia bereichert. Von Bassist Konrad Fink als „schönster Mann Mannheims“ angekündigt, sorgte Winston Dyer nicht nur für den authentisch klingenden Südstaatensound, sondern kokettierte als amerikanischer Muttersprachler zwischendurch auch immer wieder mit seinen Kenntnissen in Monnemerisch.

Lässige Atmosphäre

So sind es nicht nur Dyers unnachahmliche vocals, die das Publikum schnell in Bann schlagen. Der Frontmann macht auch sonst Stimmung, tanzt und albert auf der Bühne herum – absolut passend zu der musikalisch entspannten, lässigen Atmosphäre. Mit gut platzierten ruhigen Passagen nimmt das Programm aber fast unmerklich immer mehr Fahrt auf. Eine Stärke der Band dabei ist die Dynamik in der Tonstärke.

Special guest Uli Kammerer kam mit vielen Saxofonsolos zum Zug. Beim rein instrumentalen „Way Back Home“ von den Crusaders, einem der vielen Highlights des Abends, brillierten sowohl Uli Kammerer als auch Jürgen „Mojo“ Schultz – im Solo wie im Dialog.

Mit „Rocking Chair“ kam ein typisches Südstaatenstück von 1929 von Hoagy Carmichael zu Gehör - in der Version von Eric Clapton, von dem auch David Hidalgos „Neighborhood“ übernommen wurde, das mit seinem betonten Basspart am Anfang seit Anbeginn im Repertoire der Band ist.

Nach der Pause gab es auf inständigen Wunsch aus dem Publikum und entgegen dem Plan ein Stück von J.J. Cale, der als Komponist ja eigentlich auch wirklich nicht fehlen durfte: „Call me the breeze“. Waren die Zuhörer schon im ersten Teil des Abends immer gut dabei, steigerte sich die Begeisterung im zweiten Teil noch mit Tänzerinnen vor der Bühne und immer wieder ekstatischem Jubel, etwa bei Otis Reddings „Sitting on the dock oft he bay“. Außer Rand und Band waren alle auch bei „Let Your Hair Down“,angeheizt von einem Solo von „Mojo“ Schultz, und im Wechselgesang mit Winston Dyer bei Wilson Picketts „Mustang Sally“.

Klar, dass nach einem Stück wie „You gotta rock this house“ zum Schluss zwei Zugaben kommen mussten, die es etwas kuscheliger angehen ließen: „Stand by Me“ und „Ain’t No Sunshine“. Dann spendierte die Band mit einem schön smoothen „Route 66“ auch noch eine dritte Zugabe. Und weil die Gäste gar so unerbittlich waren, gab es noch ein paar sanfte Gitarrenklänge von „Mojo“ Schultz obendrauf.

Fazit nach fast drei Stunden Konzert im Theater Mobile: Genau das Richtige für einen entspannten, gelungenen Freitagabend.

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