Zwingenberg

AK Synagoge Der Frankfurter Autor Armin Flesch hält am 27. Juni einen Vortrag über seine umfangreichen Recherchen

Enteignung der Juden wirkt bis heute fort

Zwingenberg.Der Frankfurter Autor und Journalist Armin Flesch beschäftigt sich seit einigen Jahren damit, wie die heutigen Eigentümer mittelständischer Familienunternehmen mit der NS-Vergangenheit ihrer Firmen und Familien umgehen. Am 27. Juni, Donnerstag, 19 Uhr, stellt er seine Rechercheergebnisse im Saal des Alten Amtsgerichts auf Einladung des Arbeitskreises Zwingenberger Synagoge vor.

In Zeiten, in denen antisemitische Ressentiments zunehmen und bei Meinungsumfragen mehr als 50 Prozent der Befragten mit dem Begriff „Auschwitz“ nichts anzufangen wissen, ist es wichtig, auch Fakten und Hintergründe der „Arisierung“ genannten Enteignung der deutschen und europäischen Juden genauer zu beleuchten. Viele dieser Enteignungen, an der das Naziregime und Privatpersonen beteiligt waren, wirken bis heute nach, wie Flesch darstellen wird.

Den Anfang seiner Recherchen machte eine E-Mail vom 20. Juni 2014; Adressat war Armin Flesch in Frankfurt am Main. Geschrieben hatte ihm der Enkel eines ehemaligen Frankfurter jüdischen Unternehmers, dessen Firma 1935 arisiert worden war. 80 Jahre später behaupteten die Nachkommen des einstigen Ariseurs, ihr Unternehmen blicke auf „100 Jahre Familientradition“ zurück. „Diese Geschichte hätte einen Zeitungsartikel ergeben sollen – keine große Sache, drei, vier Tage Arbeit vielleicht“, so Flesch. Doch die Suche nach alten Unterlagen führte ihn zu weiteren, teils spektakulären Arisierungsfällen wie jenem der Fabrik und heutigen Firmenzentrale eines Chemieunternehmens in Lahnstein.

Recherchen in 16 inländischen sowie fünf ausländischen Archiven und zahlreiche Interviews bewirkten, dass sich der Frankfurter Journalist bis heute intensiv mit dem Thema „Arisierung“ auseinandersetzt: Wer profitierte vom legalisierten Raub und Mord an den europäischen Juden? Wie verhalten sich die heutigen Eigentümer arisierter mittelständischer Familienunternehmen zur NS-Vergangenheit ihrer Firma und Familie? Welche Bedeutung hat die Arisierung für das Verständnis des Holocaust und der deutschen Gesellschaft vor und nach 1945? Welche konkreten Auswirkungen hat sie bis heute?

Auf diese und andere Fragen sucht Armin Flesch mit seiner Arbeit Antworten. Inzwischen sind mehrere Zeitungsartikel von ihm zu diesem Thema erschienen. Derzeit arbeitet er an einem Buch und hält bundesweit Vorträge.

Im Anschluss an den Vortrag findet die öffentliche Jahreshauptversammlung des Vereins Arbeitskreis Zwingenberger Synagoge statt. red

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