Zwingenberg

Star Step Acht Solisten und Gruppen gaben sich auf der offenen Bühne im Zwingenberger Theater ein Stelldichein

Erst Ballwechsel, dann „Saitensprünge“

Archivartikel

Zwingenberg.Taiji Bailong Ball – nie gehört? Gespannt verfolgte das Zwingenberger Publikum bei der offenen-Bühnen-Veranstaltung Star Step im Theater Mobile , was es wohl mit dieser Sportart auf sich hat. Es sieht ein bisschen aus wie Federball, nur scheint der Ball am Schläger zu kleben, bevor er dann unversehens zu einem Mitspieler fliegt. Der Schläger ist mit einer Gummifläche bespannt und der Ball mit Sandkörnern gefüllt. Die Flugbahn des Balles wird sozusagen mit dem Schläger begleitet. Dann spielt man den Ball im Kreis zurück. Hierzu gibt es unzählige technische Varianten, die das Publikum im vollen Theater in Staunen versetzten. Im Mobile bot Mike Ritz mit einigen seiner Schüler dem begeisterten Publikum eine gemeinsame Choreographie zu Musik.

Parodie auf Technikpanne

Weniger sportlich, dafür aber genauso abwechslungsreich zeigten sich die weiteren sieben Beiträge des Star-Step-Abends. Eine Höhepunkt war Gundula Schneidewind, die aus einer echten Technikpanne schon vor ihrem eigentlichen Auftritt eine echte Parodie machte. Wo andere sich genervt auf der Bühne herumgedrückt hätten, nutzte sie den Moment, um symphatisch zu improvisieren und hatte schnell das Publikum auf ihrer Seite. Eine echte Künstlerin! Oder spielt sie eigentlich nur sich selbst? Sie scheint mit ihrer Rolle zu verschmelzen, denn auch im echten Leben ist sie – bildende – Künstlerin und kennt den Kunstbetrieb zur Genüge, den sie parodierte. Wer noch bei keinem Kabarettisten zehn Minuten am Stück Tränen lachen konnte, der sollte es mit Gundula versuchen. Herrlich, wie sie den Kunstbetrieb mit ihren feinen Beobachtungen persiflierend auseinandernimmt. Man hätte ihr noch den ganzen Abend dabei zusehen und herzlich lachen wollen, wie sie eine eiserne Apfeltasche oder die Wendeltreppe im Theater Mobile zu Kunst stilisierte.

Der 17-Jährige Nils Kühlmann reiste aus Aschaffenburg an. Seit zweieinhalb Jahren schreibt er Lieder im Singer-Songwriter-Stil und begleitet sich auf seiner Gitarre. Er will vor allem will er Geschichten erzählen – seine Geschichten. Mit seiner tiefen und warmen Stimme kann er gefühlvoll singen, wie beispielsweise das Lied über seine Familie oder tiefgründig wie in „Falling Down“. Hier geht darum, dass wir Menschen alle im selben Boot sitzen, in dieser einen Welt – auf Gedeih und Verderb. Er kann aber auch flott und rhythmisch wie in „Light in the Dark“.

Mechthild Bambey stellte bei Star Step ihr Buch „Wear your red and white“. Sie zog erst kürzlich von Kanada nach Zwingenberg. So erzählt sie in ihrem Buch auch Geschichten aus ihrer Zeit in Kanada, garniert mit Rezepten. Sie beruhen auf wahren Begebenheiten und enthalten die eine oder andere Überraschung. Ihre Geschichten stehen in keinem Reiseführer. Sie zeigen die kulturellen Einflüsse durch Einwanderer aus der ganzen Welt und das Erbe der Inuit, die die Wurzeln der heutigen offenen, multikulturellen Gesellschaft Kanadas sind. Deshalb hat sie für ihre Lesung auch die Geschichte von Menschen ausgewählt, die aus ihrer Versklavung nach Kanada geflohen sind. Eine bewusste Parallele zu heutigen Flüchtlingen, die sich erhoffen, so offen wie in Kanada auch in anderen Ländern aufgenommen zu werden.

Einen „akustischen Saitensprung“ versprach die Band Sweet Infidelity mit Sängerin Wibke, Gitarrist Henning und Kontrabassist Markus, die Akteure stammen aus Bensheim beziehungsweise Darmstadt. Für einen Abend erfahren weltbekannte Hits ein Komplett-Remake durch die drei Musiker. Und tatsächlich: „Boys don´t cry“ von The Cure oder „Toxic“ von Britney Spears waren kaum wiederzuerkennen. Obwohl die Band eher minimalistisch auftritt, ist man überrascht von der Kreativität und Leidenschaft.

Ein echtes Heimspiel war der Auftritt bei Star Step für das Zwingenberger Urgestein Rudolf Olbrich, besser bekannt als der „schräge Rudi“ am Klavier. Er wurde begleitet von Sängerin Nina Roth aus Frankfurt. Gewohnt souverän versetzte Rudi das Publikum in Swing- und Jazz-Stimmung. Nina Roth sang „Blue Moon“ von Billie Holiday aus dem Jahr 1952 und „Fly me to the moon“ von Frank Sinatra (1964). Dazwischen präsentierte sie ihre eigenen Gedichte „Bordüre mir“ und „Wahrmonie“. Fein und kurz, aber herausfordernd. Sinn und Text erschließen sich sich nicht unbedingt im Augenblick des Hörens. Aber vielleicht sollen sie das auch gar nicht.

Heftiger Applaus

Einen Heimvorteil hatte auch die Band „Bluegrass Affairs“, denn zwei Bandmitglieder waren bereits mehrmals Gast in Zwingenberg. Für die Jam Session der vier Profis bedankte das Publikum sich mit heftigem Applaus. Die Formation servierte handgemachten Bluegrass und begeisterten mit Fiddle (Claudia Nell), Banjo/Mandoline (Rüdiger Horne), Kontrabass (James Daniel Spahr) und Gitarre (Gérard Moeres).

Pech hatte die Band Barbershop: Anfangs streikte die Technik und man konnte die Qualität der Sängerin, die dann auch eher verhalten agierte, neben den Instrumenten nicht gut hören. Schon seit zwei Jahren treten Jeanette Schuckart (Gesang), Jochen Groos (Gitarre/Gesang), Daniel Schmidt (Cajon/Kastentrommel), Frank Babilon (Bass/Gesang) – allesamt aus Laudenbach beziehungsweise Fehlheim – mit Pop- und Soul-Songs auf. Sie sollten beim Star Step einfach wiederkommen.

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