Zwingenberg

Das geistliche Wort Jetzt schon Gedanken über das „Danach“ machen

Es gibt kein Zurück in das Vergangene

Archivartikel

Leckere, reife Äpfel. Unmengen davon hängen an den Bäumen in unserem Garten. Für mich ein Zeichen, dass der Sommer vorübergeht. In diesem Jahr einer ohne Urlaub, ohne Hochzeiten und sonstige große Feiern. Und für meine Familie und mich ohne Freibad. „Na gut“, sagen wir uns, „anderen ging es ja auch nicht besser.“ 2020 ist für alle das Jahr der Entbehrung und des Verzichts. Und was sonst selbstverständlich war, das ist es jetzt nicht mehr.

Ein warmer Händedruck oder eine Umarmung? Lang ist’s her. Und die Alsbacher Kerb, die an diesem Wochenende hätte stattfinden sollen? Wie weggespült in einer Flut von Hygiene- und Schutzmaßnahmen.

Im Alten Testament findet sich eine Erzählung, die auch in anderen orientalischen Kulturen aufgeschrieben worden ist. Es ist die Erfahrung einer riesigen Flut, die Menschen und Tiere um ihre Habe und oft wohl auch um ihr Leben bringt. Nur eine Familie, so sagt die Bibel, hat sich auf diese Katastrophe vorbereiten können und rettet sich auf die Arche. Vierzig Tage lang, also eine „Quarantäne“ lang, sehen sie aus ihrem sicheren Schiff, wie das gut geordnete Miteinander der Welt in den Fluten untergeht. Wie die zuvor bestaunten Kulturleistungen, die Wissenschaft, Feste, Tempel und anderes wie vom Erdboden verschluckt werden.

Für Noah und seine Familie ist diese Krisenerfahrung ein Lernen, wie man es besser machen kann. Aber auch, wie brüchig der Boden unter ihren Füßen immer schon gewesen ist. Wie schnell alle menschliche Herrlichkeit endet und das Chaos losbricht.

Uralte Geschichten, aber aktuell

Wenn ich solche uralten Erzählungen lese, dann auch als Warnung oder Vorbild für unsere heutige Gesellschaft. Denn wenn man schon nicht Angst vor Ansteckungsketten und Kontaktbeschränkungen hat, dann vielleicht vor der Flut aus Verschwörungstheorien, Hass und gewaltsamen Protesten verschiedener AkteurInnen. Davor, dass Menschen einander nicht mehr zuhören wollen, wenn sie ahnen, dass der oder die Andere anders denkt.

Was ich für diesen beginnenden Herbst hoffe, ist, dass wir uns jetzt schon Gedanken über das „Danach“ machen. Dass wir lernen, dass es kein Zurück in das Vergangene gibt. Und dass wir nicht alleine in die Zukunft gehen, sondern alle gemeinsam.

Was mich irgendwie beruhigt, ist, dass das alles meinen Apfelbäumen so gar nichts ausmacht. Nie haben an ihnen schönere Äpfel gehangen als in diesem Jahr. Und das erinnert mich daran, was Noah von Gott hört, ziemlich am Ende der Sintflut-Geschichte. „Solange die Erde währt, sollen nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“ Bild: Privat

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