Zwingenberg

Das geistliche Wort Wer nicht zurückschaut, der setzt sich und andere einem Risiko aus

Gedenken ist anstrengend, aber unerlässlich

Archivartikel

Nun sind sie wieder da, die stillen Tage des Gedenkens. Volkstrauertag, Buß- und Bettag, der Ewigkeitssonntag. Zurückdenken an das, was war. Familiär gesehen, aber auch geschichtlich. Viele tun sich schwer mit dem Gedenken. Das zieht so runter, meinte ein Nachbar. Das ist doch schon so lange her, sagte ein anderer, irgendwann ist auch mal Schluss. Ist wirklich irgendwann mal Schluss?

Als der Tsunami in Japan gewütet hatte, da wurden bei den Aufräumarbeiten etliche Steine gefunden, die die Wasserströme freigespült hatten. Es waren Gedenksteine. Botschaften früherer Generationen, manche Jahrhunderte alt, die an Tsunamis erinnern sollten, die diese Menschen erlebt hatten. Sie versuchten die Nachkommen zu warnen. Baut nicht näher ans Meer, oder bleibt hinter dieser Markierung, denn bis hierher sind die Wassermassen geströmt.

Gegen das Vergessen

Mit größerem zeitlichen Abstand gerieten sie in Vergessenheit. Gegen ihre Botschaft wurde wieder nahe ans Wasser gebaut, ja die Küste besiedelt. Sogar Atomkraftwerke wurden errichtet. Wäre es bei ernsthaftem Gedenken anders gelaufen? Ich weiß es nicht.

Die Vereinten Nationen wurden mit dem Ziel gegründet, keine Kriege mehr zu führen. Doch die Bereitschaft, mit Krieg zu drohen und auch Militär offensiv einzusetzen, ist erschreckend hoch. Da ist Gedenken auf der Strecke geblieben. Stattdessen wird gedroht, lautstark der Egoismus gelebt und das im Schutz von Ordnungen und Rechten, die das Wohl Aller zum Ziel hatten.

Wenn ich in die Bibel schaue, entdecke ich, dass dem Gedenken ein hoher Stellenwert eingeräumt wird. Sehr oft werden wir aufgefordert, zu gedenken. Biblisch gesehen meint Gedenken viel mehr als nur, sich erinnern. Es bedeutet, Vergewisserung, was ist wichtig für mich, was sind die Grundlagen, auf denen mein Leben und das meiner Vorfahren beruht. In diesem Sinne ist es Selbstvergewisserung. Sie hilft, den Herausforderungen der Gegenwart in der Einstellung zu begegnen, die frühere Generationen durch ihre Herausforderungen getragen hat. Gedenken hilft, bei den Grundlagen zu bleiben, die sich als tragfähig erwiesen haben. In diesem Sinne ist Gedenken wichtig. Es macht Sinn, sich Lebenswege und Irrungen vor Augen zu führen, um Falsches zu lassen und zu tun, was sich als gut erwiesen hat, dem Leben gedient und dem Willen Gottes entspricht.

Schließen will ich mit einem biblischen Gedenkauftrag, den ich anlässlich der Landsynagoge in Bensheim-Auerbach entdeckt habe:

Geschichte im Herzen bewahren

„Hüte Dich und bewahre Deine Seele gut, dass sie die Geschichte nicht vergisst, die deine Augen gesehen haben; und dass sie nicht aus deinem Herzen komme dein Leben lang und tue sie deinen Kindern kund.“ 5. Mose 4.9. Ich wünsche Ihnen ein ein sinnvolles Gedenken.

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