Zwingenberg

Bauernmarkt Gut 100 Stände flankierten das Weinfest

Handwerker zeigten ihre Fingerfertigkeit

Archivartikel

Zwingenberg.Mit über 100 Teilnehmern war der Bauern- und Handwerkermarkt in diesem Jahr besonders gut bestückt. Der Auftakt am Sonntagmittag zog zahlreiche Besucher auf die Meile zwischen Bahnhofsgelände, Scheuergasse und Stadtpark. Vor allem am späten Nachmittag war kaum noch ein Parkplatz zu bekommen. Viele Gäste gingen am Rewe-Markt oder Richtung Alsbach vor Anker und nahmen gern einige hundert Meter Fußweg in Kauf.

Der Geschichtsverein Zwingenberg hielt im Wesentlichen am bewährten Konzept fest. Die Freizeithistoriker inszenierten einen facettenreichen Mix mit (Kunst-)Handwerkern aus nah und fern, die ihre Stände wie eine kunterbunte Perlenkette aufgebaut hatten. Es gab eine Menge zum Schauen, Ausprobieren und Verkosten. Kunst und Schmuck, Essbares und Textilien, Antikes und Zeitgenössisches reihten sich nahtlos aneinander.

Leckeres Holzofenbrot

Der ausrichtende Verein um Ingrid Krimmelbein trat wie immer nicht nur als Veranstalter auf, sondern war auch selbst einer der größten Akteure. Im Innenhof des Museums an der Scheuergasse wurde geschmiedet und gebacken, was das Eisen beziehungsweise der Teig hergaben. Viele nahmen ein knusprig-frisches Bauernrot aus dem Holzofen mit nach Hause. „Das sind die letzten drei“, kommentierte Bäckermeister Harald Germann am Sonntag eine gute Stunde vor Ende des Marktes. Auf der Wiese rund um den Brunnen fand das traditionelle Schlachtfest statt. Zwischen Steinofen und Wellfleisch machten es sich viele Gäste gemütlich. Das Flair der 500 Jahre alten Scheuergasse erledigte den Rest.

In der benachbarten Zubrod-Scheune knusperten „Bergsträßer Kracher“, andere knusprige Geschäftsideen waren eine Senfmanufaktur sowie Biowachstücher (für vielseitige Verwendungen), Glasperlen und Steine, formschöne Klangschalen und rostfreie Kupferblumen, saisonunabhängige Ganzjahresengel und bemalte Kissen. Ein Trip über die bunte Meile war kurzweilig und amüsant. Im Bereich Stadtpark konzentrierten sich Schmuck und Dekoratives.

Bio-Dip und Batik-Hemden

Zum zweiten Mal war auch das Bahnhofsgelände in den Markt integriert. Damit erweiterte sich das Spektrum noch einmal in westlicher Richtung. Dort präsentierten unter anderen ein Holzschmuckmacher vom Felsenmeer und ein Gewürzpastenexperte aus Riedstadt ihr Sortiment. Mit einem scharfen Bio-Dip unterm Arm schlenderte man vorbei an bunten Batik-Hemden und noch bunteren Weingummispezialitäten, an Keramiktöpfchen und Glaswindleuchten, an frostsicheren Gartenkugeln („schwimmfähig“) und feinem Mandelgebäck, das neben einem Anbieter delikater Salami-Varianten einen kontraststarken Standnachbarn hatte.

Buden mit Panamahüten, Filztaschen und Pfirsischdoppelkissen zogen an wachsamen Besuchern vorbei, die von allerhand komischen Dekovögeln (bestimmt auch schwimmfähig) für den heimischen Garten gesäumt wurde. Wer es eilig hatte, war auf der falschen Party. Vor allem in den Stoßzeiten drängten sich hunderte Gäste über die historische Meile, die vom Geschichtsverein seit 1999 alljährlich mit viel Herzblut und Sachverstand organisiert wird. Die Kollektion des Bauern- und Handwerkermarkts blieb auch in diesem Jahr nahezu frei von thematischen Überschneidungen und Dopplungen. Der Verein achtet darauf, dass das Angebot facettenreich und vielfältig bleibt. Viele Besucher lobten diese Tatsache – auch wenn der ein oder andere Dieses oder Jenes aus den vergangenen Jahren vermisst hat. Nicht jeder Bestücker hat an Pfingsten Luft, manche legen Pausen ein und kommen im darauf folgenden Jahr wieder nach Zwingenberg. So bleibt die Veranstaltung bunt und in Bewegung.

Wer gerade keinen dringenden Bedarf an selbstgemachter Seife, handgefertigten Schindeln oder Glaskugeln verspürte, der hörte dem Leierkastenmann zu, schwitzte mit dem Schmied oder plauderte mit dem Korbflechter über die Besonderheiten seiner kontemplativen Tätigkeit. Unterm Strich büßt der Bauern- und Handwerkermarkt auch 20 Jahre nach seiner Premiere nichts an Charme ein. Die Besucherzahlen sprechen ebenso für sich wie das Interesse der Teilnehmer, jedes Jahr in Zwingenberg dabei zu sein. Und auch wettermäßig hatten die Gäste am Sonntag Glück. Bei angenehmen Temperaturen, nicht zu heiß, machte die Tour doppelt Freude.

Auch, wenn das anschließende Glas Wein auf dem Marktplatz wahrscheinlich im Stehen geleert werden musste: Auf dem Weinfest herrschte am Sonntag Hochbetrieb. Für die teilnehmenden Winzer wenigstens eine kleine Entschädigung für den durchwachsenen Auftakt am Freitagabend.

Info: Fotostrecke im Internet: www.bergstraesser-anzeiger.de

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