Zwingenberg

Großes Interesse Feuerwehr und Familienzentrum hatten Kinder und Eltern zu einem Blick hinter die Kulissen der Brandschützer eingeladen

Innerhalb weniger Sekunden einsatzbereit

Zwingenberg.Zu einem Blick hinter die Kulissen hatte die Freiwillige Feuerwehr Zwingenberg am Samstagnachmittag eingeladen. Das Angebot richtete sich in Zusammenarbeit mit dem Familienzentrum Zwingenberg des Vereins Zwingenberger Pro Kind an Kinder ab vier Jahren - und natürlich an interessierte Eltern. Wehrführer Reiner Schellhaas vermittelte in einem Vortrag viel Spannendes über die Tätigkeiten der Feuerwehrleute und führte die fast 50 Besucher anschließend in die Fahrzeughalle. Dort wurden die Einsatzfahrzeuge besichtigt, außerdem demonstrierten Schellhaas und seine Kollegen das Anlegen der Schutzanzüge.

Was eine Freiwillige Feuerwehr eigentlich ist und was sie tut, das lernten die Kinder gleich zu Beginn. Schellhaas, der auch Stadtbrandinspektor von Zwingenberg und Rodau ist, gab einen Überblick über die verschiedenen Arten von Einsätzen, zu denen die Wehr gerufen wird und zu denen neben Bränden beispielsweise auch Aufräumarbeiten nach Unwettern oder Verkehrsunfällen, die Befreiung eingesperrter Personen und sonstige Rettungseinsätze gehören. Dabei, so betonte er, arbeitet die Feuerwehr auch häufig mit dem DRK zusammen, dessen Unterkunft sich in Zwingenberg gleich neben dem Feuerwehrgerätehaus am Gießer Weg liegt.

Ein Hobby - und ein Ehrenamt

Die Freiwilligkeit der Tätigkeit zu verdeutlichen, das war dem Wehrführer ebenso ein Anliegen. Da die Zwingenberger Wehr keine Berufsfeuerwehr ist, sind alle Feuerwehrleute ehrenamtlich tätig. "Für uns ist das ein Hobby", erklärte Schellhaas. "So wie andere Sportvereinen angehören, sind wir eben bei der Feuerwehr. Das ist eigentlich ähnlich. Nur haben wir rote Autos und Blaulicht."

Ein weiterer Unterschied ist natürlich, dass Feuerwehren trotz der freiwilligen Tätigkeit für Städte und Gemeinden eine äußerst wichtige Funktion erfüllen. Kommunen sind sogar verpflichtet, eine einsatzfähige Wehr zu unterhalten. Die Mitglieder der Zwingenberger Feuerwehr und ihre Kameraden im einzigen Stadtteil Rodau, wo es ebenfalls einen Feuerwehrverein mit Einsatzabteilung und Jugendwehr gibt, sind für rund 7000 Einwohner zuständig.

Nach dem einführenden Referat gingen es in die Fahrzeughalle, wo sich die Besucher vor den Spinden versammelten. Zusammen mit Sven Timmermann und Fabian Neeb zeigte Schellhaas die Einsatzkleidung der Feuerwehrleute und wie man sie anlegt. Dafür schlüpfte Neeb in seinen Schutzanzug, während Schellhaas dessen Funktionen und Eigenschaften erläuterte.

Die sogenannten "Nomex"-Schutzanzüge bestehen aus einem besonders robusten Material und bedecken mitsamt Handschuhen und Stiefeln den ganzen Körper von Kopf bis Fuß. Zur Ausrüstung gehören außerdem Atemmasken und natürlich ein Helm mit Visier. Normalerweise, erläutert Neeb, brauche er für das Anlegen der Ausrüstung nur etwa zehn Sekunden. Zu Demonstrationszwecken macht er es diesmal aber deutlich langsamer. Der insgesamt 25 Kilogramm schwere Anzug wird bei jedem Einsatz getragen, egal worum es geht und unabhängig davon, wie warm oder kalt es draußen ist. Die Zwingenberger Wehr hat zudem in jedem ihrer Fahrzeuge zwei Atemschutzgeräte, die aus je einer Gasflasche mit Tragegurten bestehen, die mit einem Schlauch an die Atemmaske des Trägers angeschlossen wird und diesen für rund 30 Minuten mit sauberer Luft versorgen kann. Weiterhin hat jeder der Kameraden ein Nothilfegerät ("Totmannmelder"), das zu piepsen beginnt, wenn sich der Träger eine Zeitlang nicht bewegt - etwa wenn er bei einem Einsatz in Ohnmacht fällt oder verschüttet wird. Bei anhaltender Regungslosigkeit wird das Piepsen lauter und schneller.

Während Neeb und Timmermann die Ausrüstung vorführten, beschrieb Schellhaas, was bei einem Notruf abläuft. Sobald dieser in der Leitstelle eingegangen ist, gehen bei den Feuerwehrleuten die sogenannten Funkalarmmeldeempfänger los, die sie zu Hause, auf der Arbeit und auch sonst überall mitzuführen haben. Innerhalb von zehn Minuten nach Eingang des Notrufs müssen mindestens sechs Leute bei der Einsatzstelle eingetroffen sein ("Hilfsfrist"), das ist Vorschrift.

Löschfahrzeuge bestaunt

Nun endlich kam, worauf die meisten der Kinder sehnlichst gewartet hatten: Die Besichtigung der Fahrzeuge. Die drei großen Löschfahrzeuge der Zwingenberger Wehr durften von den Kleinen nach Belieben inspiziert werden. Dafür wurden Führerhaus und Fahrgastzelle geöffnet, in die sie klettern durften, außerdem öffneten die Feuerwehrmänner Seitenwände und Heckabdeckungen der Fahrzeuge, sodass die Schläuche, Pumpen, Werkzeuge und Geräte begutachtet werden konnten.

Gegen Ende zeigte Schellhaas im Versammlungsraum einen Kurzfilm, in dem ein Einsatz simuliert wird, gedreht von der Lorscher Wehr. Danach informierte der Wehrführer über die Zusammensetzung der Wehr, zu der außer der aktiven Abteilung (ab 17 Jahre) auch eine Jugendfeuerwehr und eine Gruppe für Kinder von 6 bis 10 Jahren, die sogenannten "Florianszwerge", gehören. Alle Abteilungen, macht er deutlich, freuen sich immer über weitere Verstärkung.

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