Zwingenberg

Feuerwehr Einsatzkräfte unter Leitung von Mario Rindfleisch meisterten Nachtalarmübung an der „Orbishöhe“

Knifflige Anfahrt wegen Vollsperrung

Archivartikel

Zwingenberg.Von hier oben – der Straße Auf der Heide – sieht das Städtchen fast wie eine Straßenkarte aus. Blaue Lichtblitze leuchten in der Dunkelheit an unterschiedlichen Positionen auf und bewegen sich flott auf die Anhöhe zu. Das warnende „Tatütata“ von Martinshörnern ist immer eindringlicher zu hören. Gerade erst hat lauter Sirenen-Alarm die abendliche Stille unterbrochen, jetzt brummt ein erstes Feuerwehrfahrzeug die Orbisstraße hinauf, nimmt die Kurve zur Straße Auf der Heide und kommt unweit des Hauses Orbishöhe zum Stehen.

Mario Rindfleisch, der die Einsatzleitung übernommen hat, weiß mittlerweile zwar, dass es „nur“ eine Übung und kein echter Einsatz ist, zu dem die Leitstelle Bergstraße die Freiwilligen Feuerwehren aus Zwingenberg und Rodau sowie das örtliche Rote Kreuz am Mittwochabend um 19.31 Uhr alarmiert hat, das tut der Ernsthaftigkeit, mit der er und seine Kollegen die komplizierte Aufgabe angehen, jedoch keinen Abbruch.

Um 19.40 Uhr springt Einsatzleiter Rindfleisch aus dem Feuerwehrauto und beginnt mit der Erkundung der Lage – gemeldet ist starke Rauchentwicklung in einem Teil des Gebäudekomplexes, in dem die Nieder-Ramstädter Diakonie Wohngruppen für Jugendliche eingerichtet hat.

Die Ursache für den Qualm ist unklar – und unklar ist auch, wo zwei Personen abgeblieben sind, die sich nicht mit den anderen jungen Leuten und ihrer Betreuerin am Sammelplatz eingefunden haben.

Der Einsatzleiter informiert seine Kameraden über die Lage, organisiert die Löschwasserversorgung sowie die Ausleuchtung des Anwesens und dirigiert die Einsatzkräfte mit Atemschutzausrüstung ins Gebäude. Zwei Teams mit jeweils zwei Mann durchkämmen die oberen Stockwerke des „verrauchten“ Hinterhauses, durchsuchen – wegen des starken „Qualmes“ auf Knien rutschend, um bessere Sicht zu haben – Zimmer für Zimmer. Ein Atemschutztrupp rettet einen „Erwachsenen“, der andere ein „Kind“ – in beiden Fällen handelt es sich um lebensgroße Puppen mit realistischen Körpergewichten.

Immer für Überraschungen gut

Alles geschieht unter den Augen von Stadtbrandinspektor Reiner Schellhaas und seinem Stellvertreter Karl-Heinz Zecher. Das Führungsduo hat sich die Übungsaufgabe ausgedacht und ist immer für eine Überraschung gut: Zecher speist spontan eine neue Übungsaufgabe ein – ein Kamerad hat sich beim Durchsuchen der Zimmer im Obergeschoss verletzt, seine Kollegen müssen flugs aus dem Dachgeschoss anrücken, um den Verunglückten per Tragetuch aus dem Haus zu schaffen. Auf dem Hof stehen schon die Ersthelfer der Zwingenberger DRK-Bereitschaft unter Leitung von Tobias Räffle parat und übernehmen den Verletzten, wie zuvor schon die geretteten Puppen.

Im Küchentrakt, wo die Brandmeldeanlage „ausgelöst“ und den fiktiven Alarm direkt an die Leitstelle Bergstraße in Heppenheim weitergemeldet hat, finden weitere Einsatzkräfte unter Atemschutz keine „Opfer“. Aber sie stoßen auf die Ursache der „Rauchentwicklung“: Auf dem Herd ist Essen angebrannt.

Um 20.13 Uhr erklärt Reiner Schellhaas die Nachtalarmübung für beendet. Die Einsatzkräfte rollen Schläuche zusammen, bauen Lichtmasten ab, packen Notstromaggregate wieder auf die Fahrzeuge. Treffpunkt zur Nachbesprechung und zum Imbiss ist das Gerätehaus der Feuerwehr Zwingenberg am Gießer Weg, wo sich neben den Rettern des DRK auch die Brandschützer aus dem Stadtteil Rodau unter Leitung ihres Wehrführers Thomas Schneider einfinden.

Die Aufgabe sei gut gelöst worden, lobt Schellhaas seine Kollegen, hat allerdings auch einen Kritikpunkt anzubringen: Die Anfahrt zum Einsatzort hätte man besser organisieren, nämlich nicht nur die Orbisstraße, sondern auch den parallel dazu verlaufenden Grenzweg nutzen können. Denn direkt vor der „Orbishöhe“ sorgt zurzeit ein Baukran für eine Vollsperrung auf der Straße Auf der Heide – und genau diese besondere Herausforderung war auch der Grund für das Duo Schellhaas/Zecher, die Nachtalarmübung 2018 in der Einrichtung der Nieder-Ramstädter Diakonie anzuberaumen.

Ein dickes Lob gab es auch von Stadträtin Ingrid Germann, die gemeinsam mit ihrer Stadtrats-Kollegin Sigrid Marquardt-Wendel die Probe des Ernstfalls beobachtet hatte. Sie empfinde „große Bewunderung“ für das „besonnene Vorgehen“ der Einsatzkräfte. „Und ich hoffe für euch und uns alle, dass es vor allem bei Übungen bleibt und möglichst wenig zu Einsätzen kommt.“

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