Zwingenberg

Kommunalpolitik

Mehr Widerspruch statt gedankenloser Zustimmung

Neben dem ewigen Narrativ von der „jungen Familie“, für die in Zwingenberg oder Rodau unbedingt Wohnraum in Form von Eigenheimen geschaffen werden müsse, bestimmen ebenso eine zwanghaft betriebene innerstädtische Nachverdichtung, der unerfüllte Wunsch nach mehr Industrie und Gewerbe(-steuer) sowie das ungelenke und erfolglose Bemühen um mehr Tourismus das reflexhafte Verhalten unserer Lokalpolitiker.

Während die Zeit und mit ihr unsere Bedürfnisse sich ändern, während Klima und Umwelt ein anderes Handeln erfordern, verharren die Verantwortlichen im Mantra des Ewig-Gestrigen: Mehr Stein statt Grün, mehr Verdichtung statt Auflockerung, mehr Steuern, mehr Tourismus, mehr Kungelei, mehr Parteidisziplin, mehr Durchregieren.

Zwingenberg ist eng bebaut (1300 Einwohner pro Quadratkilometer) und es gab in den letzten Jahren ausreichend Gelegenheit, um sich anzusiedeln. Das sorglose und aus meiner Sicht zum Teil ungesetzliche Fällen von Bäumen durch die Stadt – am Sportplatz, am Radweg nach Rodau, am Bauhof und geplant entlang der Melibokusstraße – nimmt uns allen Sauerstoff, Schatten, Kühle, Feuchtigkeit und verschlechtert das Mikroklima. Für mehr Industrie ist hier kein Platz. Und wer glaubt, Touristen ließen sich durch ein schwindsüchtiges Denkmal am Waldrand und eine Schnecke im Briefkopf anlocken, der sollte noch einmal nachdenken.

Und genau das ist es, was unserer Lokalpolitik zu fehlen scheint: Mehr Nachdenken, mehr Fachwissen, mehr gesunder Menschenverstand, mehr Bürgernähe, mehr Querdenker statt Parteisoldaten, mehr Widerspruch statt gedankenloser Zustimmung.

Über die Parteigrenzen hinweg kommt es darauf an, wer im Magistrat oder als Stadtverordneter Zwingenberg gut tut, und wer nur die Hand hebt, ohne sich selbst einen Eindruck verschafft zu haben.

Namentliche – und damit für den Bürger überprüfbare – Abstimmungen in den Ausschüssen wären eine Möglichkeit, dem Wirken unserer politischen Stellvertreter nachzuspüren und damit festzustellen, wer der „Immer-weiter-so“-Fraktion angehört und wer sich den Erfordernissen einer veränderten Umwelt zum Besten unserer Stadt stellt.

Michael Frohs

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