Zwingenberg

Theater Mobile Das Irith-Gabriely-Trio tanzte beschwingt zwischen Chanukka und Weihnachten

Mit „Cool Christmas“ die Herzen erwärmt

Zwingenberg.Die Klarinettistin Irith Gabriely und ihr Leib- und Magenpianist Peter Przystaniak gastierten nach dem fulminanten Auftritt im Februar jetzt erneut im Theater Mobile. Diesmal standen weihnachtliche Sounds auf dem Programm. Gemeinsam mit der Gesangspädagogin und Mezzosopranistin Anja Stroh spielten die Musiker bekannte Klassiker und Schlager in einem neuen Look.

Die Arrangements der Stücke unter dem Titel „Cool Christmas“ stammen alle von Przystaniak. Mit Brahms’ geistlichem Wiegenlied „Josef, lieber Josef mein“ hatte das Trio zu Beginn auch ein klassisches Stück im Repertoire. Doch zumeist hörten die Gäste amerikanischen Weihnachts-Glitter mit Songs wie „Let It Snow“, Jingle Bells“ und „leise rieselt der Schnee“ oder Kinderlieder wie „Der Weihnachtsmann tanzt Rumba“.

Auch abseits des Klezmer

Mit Irving Berlins „White Christmas“ brachte Irith Gabriely – was den Komponisten betrifft – die erste jüdische Note ins Programm, wie sie in Zwingenberg erläuterte. Die Klarinettistin und Saxophonistin, deren musikalische Entwicklung von Giora Feidman wesentlich beeinflusst wurde, spielte sich erneut in die Herzen der Zuhörer und vereinte auf wunderbare Weise Intensität, Emotion und Temperament – auch abseits des Klezmer, für den sie bekannt ist.

Virtuose Klasse

Doch in dem Stück „You Smile and the Angels Sing“ war die virtuose Klasse der Musikerin dann nicht mehr aufzuhalten, was in einem wunderbar vitalen Klarinettensolo mündete. Zuvor verwies sie auf Benny Goodmans jüdischen Trompeter, Saxophonist und Posaunist Ziggy Elman, der als wichtiger Solist des Orchesters berühmt wurde. Goodman hatte sich seine Instrumentalisten ausschließlich nach deren künstlerischer Klasse ausgesucht. Hautfarbe, Herkunft, Religion oder gesellschaftliche Ausgrenzungen interessierten ihn dabei nicht. „Dafür lieben wir Musiker ihn bis heute.“

Zu Bob Chilcotts „The Time of Snow“ wurde die Sängerin lediglich durch das Piano begleitet. Die aus dem rheinhessischen Osthofen stammende Anja Stroh studierte an der Akademie für Tonkunst in Darmstadt Gesangspädagogik und Operngesang. 2003 gründete sie ihr Gesangsstudio Voice-Design in Oppenheim. Außerdem ist sie als Stimmbildnerin für Chöre aktiv. Bereits 2001 begann sie ihre Lehrtätigkeit als Dozentin an der Kirchenmusikalischen Fortbildungsstätte in Schlüchtern. Seit 2006 leitet sie das Frauenvokalensemble Cantamore. Neben der Kirchenmusik ist sie seit einigen Jahren im Duo joy2you mit ihrem Mann Peter Przystaniak unterwegs. Ihr Repertoire reicht von Klassik über Gospel bis zu Lounge-Musik. Im Sommer 2005 wurde sie Mitglied der Gruppe Colalaila classic von Irith Gabriely.

Klar und warm zugleich

In Werken wie dem gospeligen „Amazing Grace“ und der Eigenkomposition „Die dicke rote Kerze“ strahlte der Sopran in konturenstarker Klarheit und lyrischer Wärme. Und bei „Maria durch ein Dornwald ging“ war die vorweihnachtliche Stimmung kaum noch zu toppen. Da stimmungsvolle Adventslied, einst bei Wallfahrten gesungen, hat mehr Zauber und Glanz als jedes rotnasige Rentier und alle rasselnden Schlittenfahrten zusammen.

Immer wieder überwindet Irith Gabriely Genregrenzen, spielt mit jüdischen und muslimischen Musikern in christlichen Kirchen, inszeniert Klezmer mit Streichern und Sängerinnen in kammermusikalischer Dichte oder lässt Tango, Folk und Klassik in ihr Spiel mit einfließen. In ihrem Spiel verschwinden musikalische Traditionen zwar nicht komplett, doch sie verbeugen sich voller Demut vor jenen Elementen, die in allem Klang und allem Leben enthalten sind. Gabriely studierte von 1968 bis 1972 Klarinette, Klavier, Dirigieren und Philosophie an der Universität Tel Aviv. 1986 gründete sie, neben ihrer Tätigkeit als erste Klarinettistin am Staatstheater Darmstadt, die Klezmergruppe Colalaila, mit der sie seitdem in vielen Ländern Europas und weltweit Konzerte gibt. 1991 wurde sie beim größten Klezmerfestival in Zefat mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Seit 1990 ist sie musikalisch mit Peter Przystaniak liiert, der an der Akademie in Darmstadt studiert hat und später als musikalischer Leiter des Schauspielhauses am Staatstheaters und Gründer bekannt wurde.

Am morgigen Donnerstag bricht Irith Gabriely zu einer Konzertreise nach Haifa auf. Dort spielt sie zusammen mit dem Organisten Wolfgang Kleber aus Darmstadt und dem Jugend Orchester Al Carmel aus Haifa. Nicht ganz so weihnachtlich wie in Zwingenberg, doch für das kosmopolitische Verständnis der Künstlerin ein ideales Terrain:

In der israelischen Hafenstadt, Gabrielys Geburtsstadt, leben Juden, Christen, Drusen und Muslimen sowie die Glaubensgemeinschaft der Bahai recht gut zusammen. Genau die richtige Mischung für eine Wanderin zwischen den Welten, deren Musik stets das Verbindende in den Vordergrund rückt. So auch beim Zwingenberger Konzert, wo das Trio beschwingt zwischen Weihnachten und dem jüdischen Lichterfest Chanukka hin- und her tanzt.

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