Zwingenberg

Kultur Offene Bühne im vollbesetzten Theaterkeller

Mobile startete mit „Star Step“ ins neue Jahr

Zwingenberg.Nach der Winterpause eröffnete das Theater Mobile mit seinem Star Step-Format am Samstag die Spielzeit 2020. Vor voll besetztem Haus bot die Offene Bühne wie immer ein buntes, originelles Kaleidoskop der regionalen Kunstszene. Gut zwei Stunden dauerte das unterhaltsame Programm mit dem Schwerpunkt Musik, das vom Publikum mit reichlich Applaus bedacht wurde.

Den Abend eröffnete die Reichelsheimer Formation „Les Trois OR“ mit Folkmusik aus Frankreich und von den Britischen Inseln. Der ungewöhnliche Bandname hat mit den Nachnamen von Les Trois zu tun: Simone Oros (Drehleiher), Burkhard Horn (Dudelsack) und Thomas Worch (Akkordeon) tragen das „OR“ dauerhaft mit sich herum. Die traditionellen Klänge, die ein Pärchen aus der ersten Reihe für einige Tanzeinlagen nutzte, war ein schwungvoller Einstieg, der gute Laune und Lust auf mehr verbreitete.

Beim zweiten Akt des Abends ging der Pulsschlag des Mobile etwas schneller. Moderatorin Gabi Dierig kündigte an, dass nun von der Zuschauerschaft, trotz oder gerade wegen des kostenlosen Eintritts, Einsatzbereitschaft gefragt ist und ließ ihren Blick über die vorderen Ränge streifen. Rolf Cassells, der im vergangenen Jahr in der brillanten Mobile-Eigenproduktion „Casanova“ in der Titelrolle geglänzt hatte, betrat die Bühne, plauderte zunächst etwas über die Schauspielerei („Es macht einfach Spaß in andere Rollen zu schlüpfen.“) und hielt anschließend auf Zuruf erhellende Kurzreferate zu exotischen Themen. Die Hutpflicht bei Weinproben gelte seit 1837, werde aber heutzutage nur selten eingehalten, erklärte Cassells unter anderem. Dabei habe diese Vorschrift durchaus Berechtigung. Erstens, um unschöne Auswürfe während der Verkostung aufzufangen. Zweitens kann unter dem Hut, sofern „erstens“ noch nicht eingetreten ist, eine Scheibe Brot gelagert werden. „Das Brot geht ja immer aus bei Weinverkostungen.“

So weit, so spaßig. Ernst wurde es, als Cassells Improvisationstheater ankündigte und Mitspieler aus dem Publikum suchte. Rebekka kam zwar zu spät zu Star Step, aber dennoch genau richtig spät, um sich freiwillig für diesen beliebten Part zu melden. Das Auditorium wollte Rebekka und Rolf entweder „im Fahrschulauto“ oder „im Zug“ sehen. Das Duo kombinierte die beiden Vorschläge und improvisierte großartig und auf Schweizerdeutsch eine Fahrschulstunde im Zug. Das Mobile war begeistert.

In einer zweiten Improvisationsnummer staubsaugte Cassells mit einer weiteren Mitspielerin und einem „Dyson-Spezial-Sauger“ den Mund mal richtig durch. Gut, dass sich darum endlich mal jemand kümmerte!

Ganz in Schwarz und mit viel Silber um den Hals betrat anschließen „Beni Fahr“ das Podium – und sorgte für echte Wow-Momente im alten Gewölbekeller. Der 21-jährige Singer-Songwriter aus Darmstadt, der Benjamin Fahrwald heißt, setzte sich ans Klavier und versetzte das Mobile mit seiner dunklen, gefühlvollen Stimme vom ersten Ton an in den Entspannungsmodus. Drei eigene Songs präsentierte der junge Mann – tiefsinnig und berührend. Eine starke und reife Performance. Das Musik-Video zu einem aktuellen Stück will Beni Fahr demnächst im Mobile produzieren.

Nachdem die vierköpfige Mobile-Hausband im vergangenen Oktober mit Jasmin Rybarczyk bei Star Step aufgetreten war, bahnt sich nun eine feste Kooperation zwischen den beiden Parteien an. Die vier Mobile-Männer – Jürgen Egner (Bass), Klaus Kapitza (E-Gitarre), Daniel Schmidt (Gitarre), Peter Queisser (Mundharmonika) – und die Sängerin haben in den letzten Monaten einige Stücke einstudiert, die sie nun zum Vortrage brachten. Eingängige Spirituals wie „Amazing Grace“, „Swing Low“ oder „He’s Got The Whole World“ kamen gut an bei der mitswingenden Zuhörerschaft.

Das Finale bestritt der Singer-Songwriter Hilou. Im letzten Jahr war der Gitarrist Ulf Hilzenbecher (Mörlenbach) mit seiner Ambient Tripfolk-Band „YOI“ am Start gewesen bei Star Step, diesmal war er Solo mit eigenen Songs unterwegs - und das nicht weniger beeindruckend. Hilou entzückte das Mobile vor allem seinem Spiel an der Akustik-Gitarre.

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