Zwingenberg

Kultur Das renommierte Ensemble „Quadro Nuevo“ begeisterte das Publikum im schon lange ausverkauften Theaterkeller mit Weltmusik

Mobile statt Elbphilharmonie

Zwingenberg.„Quadro Nuevo“ war jetzt im Theater Mobile mit dem aktuellen Programm „Flying Carpet“ zu Gast. Dass der Auftritt dieser vielfach ausgezeichneten Gruppe von Musikern einen besonderen Höhepunkt im Programm des Zwingenberger Theaterkellers markierte, hat das Publikum schon lange im Voraus erkannt. Die Veranstaltung war schon seit Monaten ausverkauft.

Das Publikum im voll besetzten Theater wurde vom ersten Ton an auf einen fliegenden Klangteppich entführt und mit vielfältigen Harmonien restlos begeistert. Die Musik der Gruppe wird gemeinhin mit Weltmusik umschrieben. So sind darin Elemente des Jazz ebenso zu finden wie Tango und Einflüsse orientalischer Musik.

Unverkennbare Note

Wenngleich Mulo Francel an Saxophonen verschiedener Stimmlagen und an der Klarinette durchaus als Kopf der Band gesehen werden kann, so stehen ihm die übrigen Instrumentalisten in nichts nach. D.D. Lowka zupft und streicht den Kontrabass nicht nur, sondern begeistert auch mit einem Percussion-Ritt auf dem Bauch des Instruments. Andreas Hinterseher gibt mit dem Akkordeon und dem Bandoneon nicht nur dem Stück „Garcias Tango“ seine unverkennbare Note. Und wer in Zwingenberg nun Evelyn Huber an der Harfe aus der Stammbesetzung von „Quadro Nuevo“ vermisste, der wurde getröstet: Chris Gall am Flügel war hier kein bloßer Ersatz. Er begeisterte mit sehr stimmungsvollen Soli und bot eben auch Harfenklänge, indem er gefühlvoll die Saiten des Flügels zupfte – eine Technik, die man im Theater Mobile auch noch nicht erlebt hat.

Außerplanmäßig hatten die Band als Überraschung den grandiosen Musiker Basem Darwisch von der Gruppe „Cairo Steps“ im Gepäck. Er bereicherte das Quartett mit orientalischen Klängen, erzeugt auf seiner Oud, so dass beim Stück „Café Cairo“ förmlich der Kaffeeduft musikalisch genießbar wurde. Und das in einer Kombination aus Wiener Kaffeehausathmophäre gepaart mit ägyptisch-orientalischen Klängen und wildem Kurdistan.

Begleitend durch die humorvolle Moderation, vor allem vonseiten Mulo Francels, wurden dem Publikum einige Geheimnisse offenbart: Vom Entstehen der Musik durch das Zusammenspiel von Komposition und Intuition, oder dem aktuellen Aufenthaltsort des „Goldenen Vlies“ von Jason. Auch die Entstehung des Stückes „Ikarus’ Dream“ wurde dem verzaubertem Publikum erläutert und im Anschluss dargeboten, so dass eine wundervolle Atmosphäre inklusive Meeresrauschen im Theater entstand, nicht zuletzt auch durch die gekonnt erzeugten Lichtstimmungen.

„Quadro Nuevo“ berichteten, dass sie bei ihren musikalischen Eingebungen viel von ihren Reisen zehren, was im Anschluss deutlich in der bekannten „Reise nach Batumi“ hör- und spürbar wurde. Solch eine zauberhafte Stimmung entsteht, wenn das Auflösen von Grenzen gelebt wird – die eigentliche Botschaft von „Quadro Nuevos“ an diesem gelungenen Abend.

Das Publikum dankte den Musikern mit rauschenden Beifall und Standing Ovations – und „Quadro Nuevo“ bedankte sich seinerseits mit mehreren Zugaben.

Mancher, der es gewohnt ist in großen Opernhäusern, in der Elbhilharmonie oder der Philharmonie Berlin zu spielen, wie es auch „Quadro Nuevo“ tut, mag vielleicht die Nase rümpfen über das kleine Städtchen Zwingenberg als Auftrittsort. Nicht so „Quadro Nuevo“. Im Jahr 2020 werden sie wieder zu Gast sein. Das Programm heißt dann „Volkslied – Reloaded“. Leo Ohrem

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